CÍMLAP
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TARTALOM, ELŐSZÓ |
Neujahrsgedanken
Das Bad (gekürzt)
Hier wo...
Aus dem Gedicht an Ihre hochgeborene Gräfin Erdődy
An das Echo von Tihany
Die Blicke
Die Sommersprosse
Zaghafte Bitte
Noch einmal an Lilla
An die Einsamkeit
Konstantinopel (gekürzt)
Todesbereitschaft
Ob der Himmel mir geneigt ist oder nicht
Glücklich sein
An den Schlaf
Der Abend (gekürzt)
Die Nacht und die Sterne
Liebeslied an die Weinflasche
An Phihne (Ausschnitt)
Der Schwur
An die Hoffnung
Die arme Zsuzsi beim Auf bruch des Lagers
Die Natur meiner Poesie
Das Grab des Hafis (gekürzt
Der Mensch, der erste Gegenstand der Poesie
Monolog der alten Jungfer (aus dem komischen Epos
Dorothea oder Triumph der Damen ün Karneval)
Zweifel eines jungen Freiers
Von meiner Lungenentzündung
Einleitnug
Lebte von 1773 bis 1805, im ganzen 32 Jahre. Die kurze Lebensfrist
schloß die Französische Revolution, leider aber auch die in Blut
ertränkte Jakobiner-Verschwörung im Habsburger-Reich, 1795, mit ein.
Im Geistesleben herrschten Aufklärung, Spätbarock, Rokoko, bis zur
angehenden Klassik und Romantik. Es gab wohl keinen Dichter, der sich
von den führenden Zeitströmungen freimachen konnte oder wollte, am
wenigsten ein Csokonai, der zwar in Ost-Mitteleuropa von den Zentren
des Geisteslebens fern lebte, dafür aber ein aufgeweckter, hellhöriger,
hochbegabter junger Mann war, dem es seine Bildung ermöglichte, die
Werke der Antike und der Neuzeit im Original zu lesen. Die Stilarten
dieses Dichters stimmten mit den Geistesströmungen der Zeit ziemlich
genau überein. Als Sohn armer, kleinbürgerlicher Eltern in Debrecen,
dieser ziemlich großen Bauernstadt, sollte er daselbst in dem
altberühmten Kollegium der Reformierten Theologie studieren, verließ
aber die Schule vorzeitig, um sich ganz der Dichtkunst zu widmen, durch
das Land zu wandern, einmal bei einem fortschrittlich gesinnten adligen
Herrn, das andere Mal bei einem Freund Gastfreundschaft zu genießen.
Ein "fahrender Schüler", ein Luftikus, das war er; zu einer festen
Anstellung brachte er es nur kurzfristig, zog sich aber ein
Lungenleiden zu, das ihn frühzeitig hinwegraffte. Nicht viel früher,
1797, traf er seine große Liebe, die er Lilla nannte und in zahllosen
Liedern besang. Die Liebschaft mit der Tochter aus wohlhabendem Haus
war für den "Habenichts der Literatur" hoffnungslos, aber die Lilla-
Lieder nehmen nicht nur in Csokonais Schaffen einen vorherrschenden
Platz ein, sondern auch in der Liederdichtung der ungarischen Literatur
überhaupt. Es sind Höhepunkte, denen man seit Balassi im 16.
Jahrhundert - bis Petőfi - kaum Ebenbürtiges an die Seite stellen kann.
Hervorragend wie in den rokokohaften oder in den Anakreontischen
Liedern war Csokonai auch, wenn der freisinnig und fortschrittlich
Gesinnte an gewichtigere Themen der Aufklärung heranging. Auf zwei
von der Aufklärung inspirierte Gedichte in unserem Band sei besonders
hingewiesen: `Konstantinopel` und `Der Abend`. Beide können vom
dichterischen Flug, von der Gedankentiefe und dem persönlichen Mut
des Dichters einen Begriffgeben; im ersteren setzt er sich mit dem
religiösen Fanatismus der Moslems auseinander, allerdings allegorisch,
denn er hat es, unausgesprochen, auf jeden religiösen Fanatismus
abgesehen, und läßt das Gedicht mit dem Triumph der Aufklärung
ausklingen. Dieses Gedicht erlaubt an Voltaire zu denken; `Der Abend`
mit stark sozialem Inhalt erinnert an Rousseau. Von schönen
Naturbildern ausgehend, kommt der Dichter zu seinem eigentlichen
Anliegen, zur Kampfansage an die Klassengesellschaft und zur Forderung
von Freiheit und Gleichheit. Csokonai wäre aber nicht der Dichter, der
er war, würde er seine Inhalte doktrinär und nicht in einfallsreicher,
formschöner, überraschend nuancierter Sprache darbieten. Er ist ja
derselbe, der die Rokoko-Lyrik der Lilla-Lieder und die meisterhaften
Anakreontischen Lieder dichtete (hier z. B. `Das Grab des Hafis`). Die
Oden Csokonais gehören zum Bedeutendsten seines Schaffens; davon mag
sich jeder überzeugen, der im Band `An die Einsamkeit`, `An das Echo
von Tihany`, `An die Hoffnung` liest. Nur den ganz Großen ist es
gegeben, solche zutiefst menschliche und gar nicht heitere Gedanken
in so spielerisch-melodiöse Form zu kleiden. Man denkt an Mozart. Die
Rokoko-Blemente verbinden sich gut mit der Volksdichtung, deren Ton und
Genrefiguren Csokonai in Gedichten wie `Die arme Zsuzsi beim Aufbruch
des Lagers` und `Liebeslied an die Weinflasche` anwendet. So hat denn
bei ihm auch der Humor nicht gefehlt. Was aber hier und in vielen
anderen Gedichten nur angedeutet wird, kommt deftig im komischen Epos
`Dorothea` zum Ausdruck, von dem hier nur ein kurzer Abschnitt Platz
fand. `Dorothea` war übrigens das einzige Werk, das der Dichter
gedruckt lesen konnte; eine Anzahl anderer Bände war in Vorbereitung,
ihr Erscheinen erlebte er nicht mehr. Diese waren handschriftlich
verbreitet, wurden gelegentlich auch rezitiert, so wie im Anfang seine
Studentenlieder, die ihn schon im Debrecener Kollegium berühmt gemacht
hatten. Unvollendet hinterließ er manches, auch das Theaterstück
`Tempefői`, mit unbarmherzig sicher und aggressiv charakterisierten
Figuren, die ein treues Bild von den sozialen Zuständen im damaligen
feudalen Ungarn geben. Von seinen letzten Gedichten, aus denen
abgeklärter Realismus spricht, sei `Von meiner Lungenentzündung`
hervorgehoben, eine Fiebervision zwischen Leben und Tod. Zur
Charakterisierung dessen, was dieser Lyriker wollte und konnte, läßt
man ihn am besten selber sprechen; was er im Gedicht `Die Natur meiner
Poesie` über sich aussagt, trifft zu. Man hört die Stimme eines
hochgebildeten, in der Weltliteratur bewanderten Dichters, der sich
zur leichteren humorvollen Muse bekennt, ohne die Rokoko-Eleganz gegen
Trivialität einzutauschen. Seine aufgeklärteWeltanschauung und
Volksverbundenheit machen ihn zum Vorläufer Petőfis, der wie er das
ganze Land durchwanderte. Warum ihm der frühe Erfolg nicht beschieden
war, den Petőfi landweit genoß, lag wohl zum Teil an Csokonai selbst,
zum größeren Teil daran, daß er nicht ein paar Jahrzehnte später,
in die sogenannte ungarische Reformzeit, hineingeboren wurde.
Géza Engl