DIE ERSTE HÄLFTE DER MITTELUNGARISCHEN ZEIT
Die Sprachcharakteristik der Zeit
Aus der Sicht der ungarischen Sprachgeschichte gilt als erste Hälfte der mittelungarischen Zeit die Periode von der Schlacht von Mohács bis zur Befreiung von der Türkenherrschaft (1526-1699). Das bedeutendste Sprachereignis der Zeit ist die Vereinheitlichung, die Herausbildung einer über den Mundarten stehenden Literatursprache. Der erste Schritt dazu war die Entstehung von landschaftlichen Normen (es stabilisierten sich vor allem eine westliche und eine nordöstliche Norm). Später nähern sie sich immer mehr einander an und schaffen dadurch den einheitlichen ungarischen Sprachtyp. Die in den spachlichen Fakten eintretenden Veränderungen - Entstehen oder Verschwinden, Zunahme oder Seltenerwerden sprachlicher Elemente - charakterisieren ebenfalls die Sprache dieser Zeit, führen aber nicht mehr zu entscheidenden Veränderungen im Gesamtsystem der Sprache, sondern dienen eher der Verfeinerung der Systeme. Die Sprache wird auch in mittelungarischer Zeit zunehmend reicher, farbiger und schmiegsamer. Das läßt sich am glänzendsten dadurch beweisen, daß sie zum Medium hervorragender Dichter wird (Bálint Balassi, János Rimay, Miklós Zrínyi, István Gyöngyösi), während um die Entwicklung des Prosastils Geistesgrößen wie Péter Bornemisza und Péter Pázmány bemüht sind. Die historische Lage (ein in drei Teile zerrissenes Land) unterbricht die frühere Tradition, daß der Königshof eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der Kultur spielte, stattdessen entstand in den Magnatenschlössern ein kulturförderndes Publikum (die Familien Perényi, Zrínyi, Batthyány, Rákóczi, Báthory, Thurzó, Esterházy). Aus den früheren Skriptorien (Kodexkopierwerkstätten - Óbuda/Altofen, Haseninsel [heute Margareteninsel] und auch anderenorts) flüchteten die Mönche und Nonnen, weshalb die kulturelle, Kopier- und sprachlich normenierende Funktion der Klöster, die in altungarischer Zeit so große Bedeutung hatte, vorerst aufhörte. Die Verbreitung der Reformation leitete einen lebhaften Prozeß der Textgestaltung ein, der auch auf die Sprachentwicklung Auswirkungen hatte.
Die Unterrichtssprache war zu dieser Zeit das Lateinische (Volksschulen der Unterstufe gab es wenige, und die Sache des Volksunterrichts machte nur langsame Fortschritte). Für die Schicht der des Schreibens Mächtigen galt folglich das Lateinische als "Vatersprache". Oftmals kam es vor, daß die ungarischen Texte mit lateinischen Sätzen und Wörtern untermischt waren ("De még az Istentul is tunyául kérni segitséget, vétek és bolondság a mint a bölcs Demosthenes néha mondja vala: Nam non modo Deus, sed ne amicus quidem rogandus est, út dormitanti cuiquam aut desidi praesidio sit" [Aber selbst von Gott faulerweise Hilfe zu erbitten, ist Sünde und Verrücktheit, wie der weise Demosthenes manchmal sagte: ...] - Miklós Zrínyi: Az török áfium ...), daß lateinische Wörter ungarische Endungen bekamen ("Annak ellenére proponáltatott vót" [Ungeachtet dessen war es geboten] - Ferenc Zay: Az Lándorfejírvár elveszésének oka; "de Isten kegyelmébõl, és az én industriámból ..." [aber aus Gottes Gnade und meinem Fleiß] - Martonfalvi Imre emlékirata). Fallweise wurde der lateinische Text auch typographisch unterschieden. Die Wissenschafts- und Amtssprache war das Latein, deshalb ist es um so höher zu bewerten, daß in den ersten ungarischen Sprachlehren der Versuch unternommen wurde, eine wissenschaftliche Terminologie zu schaffen (z. B. Sylvester: consonantes ~ mássalzengõk; imperativus ~ parancsoló).
Von entscheidender Bedeutung für die Verbreitung des ungarischen Sprachgebrauchs im 16. Jahrhundert war die Reformation. Die Reformatoren redeten und argumentierten in ihrer Muttersprache für die Erneuerung des Glaubens. Zu diesem Zweck entstanden die Bibelübersetzungen, die Predigtsammlungen, und auch die Sprache der theologischen Streitgespräche war oft das Ungarische (z. B. zwischen dem Katholiken Miklós Telegdi und dem Protestanten Péter Bornemisza). Erwähnt werden muß die erste vollständige ungarische protestantische Bibelübersetzung, das Werk von Gáspár Károlyi (Szent Biblia ... Vizsoly 1590), bekannter unter dem Namen Vizsolyer Bibel. Jahrhundertelang war ihr Text das Vorbild des alttestamentlichen Stils, der auch durch die Gesangsliteratur der Reformation populär wurde und eine bestimmende Rolle bei der Gestaltung der ungarischen Literatursprache spielte. Die vollständige Bibel hatte einen so großen Erfolg, daß Károlyis Basistext mit größeren oder kleineren Verbesserungen und Berichtigungen jahrhundertelang immer wieder gedruckt wurde. Sein katholisches Pendant, das Werk des Jesuiten György Káldi, dessen Wirkung ebenfalls die vielen revidierten Ausgaben zu erkennen geben, erschien 1626 in Wien. Aus der Sicht der ungarischen Sprachentwicklung war auch die sog. Gegenreformation ein großer Gewinn: Ihre führende Persönlichkeit, Péter Pázmány, schuf ein sprachliches Muster von stärkster Wirkung. Das Besingen der damaligen historischen Ereignisse in Liedern erfolgte gleichfalls in der Muttersprache (z. B. Sebestyén Tinódi Lantos).
Im 16.-17. Jahrhundert begann man sich in Ungarn bewußt mit der Sprache zu beschäftigen, es erschienen die ersten Wörterbücher und Grammatiken, die Bindung an die Sprache begann zum Bestandteil des Nationalbewußtseins zu werden, so daß es wichtig wurde, sie zu pflegen und in ein System zu bringen. Dieser Prozeß ist mit einer so gewaltigen Zunahme schriftlicher Texte verbunden, wie sie bisher unbekannt war und welche zahllose Kunstgattungen in der ungarischen Abhandlungs-, wissenschaftlichen und schönen Literatur einbürgerte. Neue weltliche Kunstgattungen waren die Reimchronik, das Schuldrama, das Historienlied und die Gelegenheitsliederdichtung; zu den kirchlichen Kunstgattungen kamen Bibelübersetzungen, religiöse Abhandlungsprosa (Streitschriften, Andachtswerke), religiöse Lieder, biblische Historien und Streitdramen hinzu. Höchst wertvoll für die Sprachwissenschaft ist die in mittelungarischer Zeit zunehmende Korrespondenz in der Muttersprache. Es verbreiteten sich zwei Arten von Briefen: der literarisch anspruchsvolle humanistische Brief und eine persönlichere Form für die familiären Kontakte. Die Briefe des letzteren Typs stehen der zeitgenössischen gesprochenen Sprache näher, weshalb sich an ihnen die Strukturform dieser Sprache eingehender untersuchen läßt.
Der Buchdruck
Bei der Verbreitung des Muttersprachengebrauchs spielte das Erscheinen und die Verbreitung der technischen Neuerung des Buchdrucks in Ungarn eine große Rolle, der zu einer kulturgeschichtlichen Wende führte. Seit den 1530er Jahren begannen einige kürzer- oder längerlebige Druckereien an den verschiedensten Orten Ungarns mit ihrer Tätigkeit (die Druckerei von János Sylvester bzw. Tamás Nádasdy in Újsziget bei Sárvár; die Hoffgreff-Druckerei in Kolozsvár/Klausenburg, deren Betrieb dann Gáspár Heltai übernahm; Gál Huszárs Druckerei in Debrecen/Debreczin; die Klöss-Druckerei in Bártfa/Bartfeld; die Brewer-Druckerei in Locse/Leutschau).
Die Entfaltung des Buchdrucks spielte nicht nur eine große Rolle bei der Verbreitung der Kultur und der ungarischen Sprache, sondern hatte auch zum Ergebnis, daß das billigere gedruckte Buch für immer mehr Menschen zugänglich wurde, daß es der ständige Reisebegleiter der Gebildeten war und in den Regalen der Schlösser stand. Der Buchdruck ermöglichte die weite Verbreitung der Kenntnis des Lesens und Schreibens. Mit der Einbürgerung der Drucktechnik traten die Schriftsteller mit dem Anspruch einer gegenüber der früheren handschriftlichen Form viel glaubhafteren und reichhaltigeren Textgestaltung auf, wie darauf István Geleji Katona im Vorwort seines Öreg Gradual hinweist: Seine aus mehreren Quellen stammende Liedersammlung "még az irottnál-is sokkal tellyessebben és tisztábban ki nyomtattatott" (ist noch viel vollständiger und sauberer als die geschriebene gedruckt).
Das Verhältnis der Buchdrucker (Schriftsetzer, Korrektoren) zum Originalmanuskript war ein sehr anderes als das der Kodexkopisten. Im 16.-17. Jahrhundert griffen sie kräftig in die Sprache der gedruckten Werke ein, manche - wie beispielsweise Heltai - glichen den Originaltext des Verfassers fast völlig ihrem eigenen Sprachgebrauch an. Deshalb sind gewisse sprachliche Inkonsequenzen und Texte mit sprachlichen Mischformen häufig auf die Buchdrucker zurückzuführen. Die Veränderungen wirkten sich in unterschiedlichem Maße auf die Gestaltung der einzelnen sprachlichen Erscheinungen aus, waren aber unbedingt daran beteiligt, daß sich das Bedürfnis nach einer einheitlichen ungarischen Literatursprache herausbildete. Der Buchdruck hatte also entscheidende Bedeutung für die sprachliche Vereinheitlichung. Er erhöhte den Rang der Schriftlichkeit, ermöglichte eine treuere Textwiedergabe und förderte - da Drucker wie Autor daran interessiert waren, daß die Werke im gesamten Sprachgebiet verbreitet würden - durch die Vermeidung von auffälligen Mundartspezifika die sprachliche Vereinheitlichung. Zugleich bewirkte er auch, daß in Ungarn das bewußte Denken über die Sprache einsetzte.
Alte ungarische Sprachlehren und Wörterbücher
Die Reihe der Textdenkmäler des 16. Jahrhunderts weltlichen Gegenstandes eröffnen zwei noch in Krakau gedruckte Bücher: Das erste war Hegendorfs Rvdimenta grammatices Donati und das andere Sebald Heydens Pverilium Collquiorum Formulae. Sie waren Mehrsprachendrucke (neben dem ungarischen Text finden sich in ihnen lateinische, deutsche und polnische Teile), für den schulischen Gebrauch bestimmte Grammatiken, deren ungarische Beispielsätze und Bedeutungen von János Sylvester stammten. Sylvesters eigenes, selbständiges Werk war die Grammatica Hvngarolatina, eine lateinisch-ungarische Sprachlehre mit ungarischen Beispielen. Sein Ziel war vor allem, die Grammatik der lateinischen Sprache zusammenzufassen, aber die den Regeln der lateinischen Grammatik folgenden ungarischen sprachlichen Entsprechungen oder Abweichungen sowie seine an sie geknüpften Bemerkungen weisen auf zahlreiche interessante Eigenheiten des Ungarischen hin. Dieses Werk informiert als erstes über mehrere Regeln der Rechtschreibung, Lautlehre, Morphologie (Artikel, Possessivsuffixe, bestimmte [objektive] Konjugation), des Wortschatzes und der Stilistik (auf seine Anregung hin hielten es eine Reihe von Bibelübersetzern für nötig, Abhandlungen über den Charakter der Gleichnisrede zu schreiben). Die von ihm beschriebenen Regeln wendete er in seinen Werken konsequent an und befolgte damit die normierende Funktion der Sprachlehre. Die Bedeutung seines Werkes liegt darin, daß er die bisher für eine barbarische gehaltene ungarische Sprache als eine solche betrachtete, die ebenso in Regeln zu fassen ist wie das Lateinische, Griechische oder Hebräische. In der Einleitung seiner Grammatik zieht er, bewogen von dieser Erkenntnis, den Schluß, "wenn wir nicht zögern, unsere heimatliche Sprache, diesen Schatz - der uns bisher verborgen blieb und den wir jetzt erstmals entdeckten, freilegten und ans Tageslicht hoben - zu gebrauchen, werden wir sehr bald (wie ich hoffe und wünsche) aus Armen zu Steinreichen werden."
Das erste völlig in ungarischer Sprache verfaßte Druckwerk mit grammatischem Gegenstand ist die Rechtschreibordnung Orthographia Vngarica von Mátyás Dévai Bíró (Krakau 1549), deren Erstausgabe von 1535 leider verloren ging, so daß wir uns nur aus der zweiten über seine Rechtschreibprinzipien informieren können. Der sprachgeschichtliche Quellenwert des Werkes geht weit über die Rechtschreibung hinaus, da Dévai im Rahmen der orthographischen Regeln auch viele phonetische und morphologische Eigenheiten beleuchtet. In Kenntnis und mittels Kritik der alten und der damaligen Rechtschreibung und mit Nutzung der Lehren aus der deutschen und polnischen orthographischen Literatur verfaßt er die erste Rechtschreibordnung, die schon mit Berücksichtigung der Interessen des Ungarischen auf alle wichtigen Probleme seiner Lautbezeichnung eingeht. So macht er beispielsweise einen sehr genau beobachteten Unterschied zwischen der Bildung des Lautes a ~ á und seiner Bezeichnung: "... micor hárántocon vagon vonitás felette, accor iol fel tátott száual kell ki mondani, mint ez igheben, Bárán. Mikor kedig semmi nincz felette, accor nem monguc ollan fel tátott szaual, mint, aran" (... wenn ein Strich darüber steht, muß dieser Laut mit weit geöffnetem Mund ausgesprochen werden, wie im Wort bárány. Wenn nichts darüber steht, sprechen wir es mit weniger geöffnetem Mund aus, wie arany). Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der Konsonanten zeigt gut, wie genau der Verfasser die damalige und die alte Bezeichnungsweise kannte. Esr mißbilligt die Schreibung des cs-Lautes mit cz, ch und c nicht und hält besonders das Zeichen L der Alten (hussitische Bezeichnung) für falsch, denn "... ez nem deác betû, nem ighen iol is illic az nomáshos" (das ist kein lateinischer Buchstabe, paßt auch nicht sehr gut für den Druck). Dévai selbst bezeichnet das cs im Anlaut mit cz, im Inlaut und Auslaut mit ts. Dévais eigenartigstes Verfahren ist die Angleichung des z von az/ez (z. B. ak kerest'enecnec, al lelki, eh haszonra). Unbedingt vorausweisend ist das Ziel des Autors im Bereich der ungarischen Sprachkultur: die weite Verbreitung des Lesens und Schreibens.
Die Reihe der Grammatiken des 17. Jahrhunderts eröffnet Albert Szenci Molnárs Novae Grammaticae Ungaricae (Hanau 1610). Als er sein Werk schrieb, kannte er vermutlich Sylvesters Werk nicht, obwohl auch Szenci das Ziel hat, die Gleichrangigkeit des Ungarischen mit anderen Sprachen zu beweisen. Zu seinen Absichten gehört weiter, die Aneignung der ungarischen Sprache Fremden zu ermöglichen, weshalb er nicht nur Rechtschreibregeln, sondern eine vollständigere grammatische Systematisierung bietet, deren Grundlage gerade aus pädagogischen Gründen die lateinische Grammatik ist. Das System der Deklination behandelt er beispielsweise in zwei Kapiteln: zuerst zusammen mit den Entsprechungen der lateinischen Deklinationsklassen, zum zweiten Mal im Zusammenhang mit dem ungarischen Suffixgebrauch der lateinischen Präpositionen. Die wichtigste Neuerung gegenüber den früheren Grammatiken ist die Satzlehre, die sein Werk ergänzt; in ihr sind erstmals die Regeln der alten Satzstruktur des Ungarischen detaillierter aufgeführt. So spricht er beispielsweise über die formale Übereinstimmung, entdeckt, daß bei der Verbform der 3. Person Plural das Subjekt wegfällt, das man sich dann dazudenken muß. Besonders hervorzuheben ist seine Rolle bei der Gestaltung der Rechtschreibung. Er faßt die bisherigen Rechtschreibprinzipien zusammen, regelt die Bezeichnung von u und v, verringert die Bezeichnungsvarianten, und auf diese Weise hat sich überwiegend aufgrund seiner Werke die sogenannte protestantische Rechtschreibung verbreitet. Dieses System fixiert - als Erbschaft Heltais - endgültig die Bezeichnung der langen Vokale mit Beizeichen, die der heutigen entsprechende Schreibung der palatalen Konsonanten und die Bezeichnung des sz-Lautes. Szenci Molnár war der erste, der in seiner Darstellung des damaligen Sprachzustandes (Wortschatz und grammatisches System) und in seinen Werken diese Prinzipien bewußt anwandte. Mit seinen Büchern hat er in weite Kreise hineinwirken können. Teil dieser Sprachbewußtheit mochte sein, daß er nicht der í-, sondern der é-Mundart und nicht der ö-, sondern der ë-Sprechweise folgte und damit einen ausgeglicheneren Sprachgebrauchstyp schuf, der von landschaftlichen Extremen frei ist und zugleich Merkmale mehrerer Mundarten aufweist.
István Geleji Katona war der erste Verfasser eines Werkes der Sprachpflege im weiteren Sinne. Er hat die siebenbürgische Kultur vielseitig entwickelt und war ein ebenso scharfsichtiger Beobachter wie erfolgreicher Pfleger der damaligen ungarischen Sprache und Orthographie. Wahrscheinlich aufgrund seiner Kenntnis der Arbeit der deutschen Sprachpflegegesellschaften und auf ihre Anregung hin beschäftigte er sich mit Fragen der ungarischen Rechtschreibung und Formulierung sowie des Stils. In zwei Werken behandelte er die Eigenheiten der ungarischen Sprache: im Vorwort zur umfangreichen Liedersammlung Öreg Gradual und in seiner Magyar Grammatikatska, die er dem Band mit religiösen Streitschriften Titkok Titka anfügte. Geleji zog aus seiner literarischen Tätigkeit die Schlußfolgerungen über die ungarische Sprache. Im Vorwort des Öreg Gradual machte er auf folgende sprachliche Erscheinungen aufmerksam: In der Rechtschreibung müsse gegenüber dem bisherigen, der Aussprache folgenden Prinzip das einer wortanalysierenden Schreibweise verwirklicht werden: "Az irásban penig ez az nagy otrombaság, hogy semmit az szónak eredetire nagy sokak nem néznek, hanem tsak az mint az szó a' ki mondattatásban esik, ugy irják ki; Mint eczer s-mind hogy már egyszer s-smind, jedzi, hogy már jegyzi ... és több e' féle elmétlenségbol származott tsúfos irások, melly miatt az Magyar nyelv, immár szintén majd el parasztul" (Beim Schreiben wiederum ist es eine große Plumpheit, daß sehr viele gar nicht auf den Ursprung des Wortes achten, sondern das Wort nur so niederschreiben, wie es ausgesprochen wird; wie eczer statt egyszer, jedzi statt jegyzi ... und mehrere aus derartigem Unverstand stammende, so häßliche Schreibweisen, wegen welcher die ungarische Sprache bereits fast gänzlich verbauert.) Große Bedeutung hat Gelejis Bemerkung zur Lautbezeichnung. Er unterscheidet nachdrücklich i, y und j. Im Zusammenhang mit der Bezeichnung der Laute ist seine Bemerkung zur Runenschrift außerordentlich interessant, daß es vielleicht besser wäre, "az minnen sáját régi bötüinkkel élni [...] az mellyekben mindenre kiváltképpen való bötük vagynak" (unsere eigenen alten Buchstaben zu gebrauchen [...], unter denen es Zeichen für alle Laute gibt). Das widerspricht gewissermaßen der Präferierung einer die Wortelemente widerspiegelnden Schreibweise, und wir können auch nicht wissen, ob er diese Runenzeichen tatsächlich gekannt hat, auf jeden Fall aber ist es eine interessante Angabe zu seiner Geschichtsanschauung und seinen kulturgeschichtlichen Kenntnissen. Im Bereich der Morphologie vermißt er die Unterscheidung von aktiven und passiven Verben (z. B. "Az embernek teremtése pro teremtetése" [Des Menschen Schöpfung pro seines Geschaffenwerdens]) und weiter, daß das Besitzwort auch bei Mehrbesitz im Singular benutzt wird (z. B. "A pogányok biznak az õ lovokban" - Die Heiden verlassen sich auf ihr Pferd).
Das andere Buch Gelejis, das sich mit der Sprache beschäftigte, war die Magyar Gramatikatska. Bleibendes schuf er vor allem mit der Festlegung der Rechtschreibprinzipien, mit dem Weiterbau des phonematischen Charakters der Basiszeichen (z. B. strich er von den beiden Zeichen für den Laut k das c aus). Das andere Gebiet war das erwähnte Eintreten für die wortanalysierende Schreibweise, in deren Zusammenhang er sich auch mit einem bisher vernachlässigten Themenkreis, mit der Schreibweise der Assimilationen und Verschmelzungen, beschäftigte (er schrieb die Stämme vor Suffixen in ihrer ursprünglichen Form, z. B. imádság 'Gebet' d + s, gazság 'Schurkerei' z + s). Interessant unter den die Rechtschreibung regelnden sonstigen Prinzipien war seine Bemerkung über die Schreibweise zusammengesetzter Wörter, wonach er die Glieder "mit einem kleinen Strich" miteinander verkoppelt, z. B. Anya-szent-egy-ház 'Kirche'. Übereinstimmend mit den heutigen Prinzipien schlug er die ungarische Schreibweise der bereits eingebürgerten Fremdwörter vor: Farao, Profeta. Er macht auch stilistische Bemerkungen über die "Schicklichkeit" der Wörter, er gab den Gefühlen im Wortschatz große Bedeutung und wies, von Szenci beeinflußt, auf den Suffixreichtum des Ungarischen hin. Sehr bedeutsam ist Gelejis Rolle bei der Erweiterung des Wortschatzes und besonders der Fachwörter, wodurch er zu einem der frühen Vorläufer der Spracherneuerung am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurde. Er spricht mutig aus, es sei erlaubt, geeignete Wörter zu schaffen, trug selbst viele umgangssprachliche Wörter in die Literatursprache ein und schuf noch mehr Termini technici, die bis heute lebendig sind, z. B. intézet 'Ziel, Vorhaben', später 'Institut', emberiség 'Menschheit', élõbeszéd 'gesprochene Rede'. Durch diese Tätigkeit spielte er eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Literatursprache. Bei all dem ist die Magyar Gramatikatska keine systematische Sprachlehre, sondern eher die Sammlung von Ratschlägen zur Rechtschreibung und zum richtigen Ausdruck der Gedanken, eigentlich das erste ungarische Sprachpflegebuch. Seine Wirkung zeigt sich auch darin, daß er nicht mehr isoliert seine Ansichten über die Sprache äußert, sondern schon bedeutende Nachfolger und Gegner hat.
Unter seinen Widersachern ist Pál Medgyesi zu nennen, der 1650 ein Buch über die Rhetorik von Gebet und Predigt geschrieben hat, das auch als erste ungarische systematische Rhetorik zu werten ist. In ihm macht er z. B. einen Unterschied zwischen einer vor dem Volk und einer vor adligem Publikum zu haltenden Rede.
Der bedeutendste Nachfolger Gelejis war János Apáczai Csere, der innerhalb der Ungarisierung der Wissenschaften die weltlichen Fachwörter schaffen wollte. Bei seiner Arbeit schöpfte er vieles aus der Magyar Gramatikatska, und es ist nicht einmal ausgeschlossen, daß beide Verfasser auch persönlich über die Termini technici sprachen. János Apáczai Csere lernte von berühmten Humanisten, daß die Sprache ein bildbares System ist und ihr Wortschatz auf drei verschiedene Weisen zu vermehren ist: 1. durch Erneuerung bisher weniger bekannter muttersprachlicher Wörter, 2. durch die Schaffung neuer Wörter und 3. die Verwendung von Fremdwörtern. Am meisten nutzte er die zweite Methode, deren Prinzipien er von Geleji lernte. Er übernahm von ihm viele Ausdrücke, z. B. quantitas: mennyiség 'Menge'; er eignet sich neue Ableitungsweisen an, z. B. passive Formen der Art teremtetés 'Geschaffenwerden' oder die kürzere Form természeti 'natürlich' statt természet szerint 'naturgemäß'; er bemühte sich, Gelejis Regel zu befolgen, daß mit einem Wort ausgedrückte fremdsprachliche Begriffe auch im Ungarischen mit einem Wort bezeichnet werden sollen. Apáczais Enciklopédia hatte nicht nur für die Wortbildung Bedeutung, sondern auch, weil er betonte, am besten könne man die Welt und uns selbst in ihr nur in der eigenen Muttersprache erkennen. (Dieses Prinzip hatte früher bereits Comenius behandelt, aber in seinen Lehrbüchern dennoch immer das Lateinische in den Vordergrund gestellt, und die vulgärsprachlichen Teile dienten nur zur Erklärung der lateinischen Textteile.) Leider war Apáczais Wirkung weder auf sprachlichem noch auf wissenschaftlichem Gebiet sehr bedeutsam.
György Komáromi Csipkés verfaßte mit Hungaria Illustrata (1655) das nächstfolgende ungarische grammatische Werk. Zwar konzentrierte er sich darin nur auf orthographische und morphologische Feststellungen, er machte aber dabei mehrere kleinere Entdeckungen im System der ungarischen Sprache. Er bewertete die sprachlichen Erscheinungen seiner Zeit aus orthographischer und stilistischer Sicht. Außerordentlich wichtig war, daß er sich bei der Festlegung der Regeln nicht mehr von der lateinischen Grammatik, sondern vom Funktionieren der ungarischen Sprache leiten ließ. Da er die Notwendigkeit der orthographischen Einheitlichkeit erkannte, baute er den phonematischen Charakter der ungarischen Rechtschreibung weiter aus. So trat er für die Bezeichnung der langen Vokale ein: á, é. Durch seine detaillierte Beschreibung der morphologischen Regeln normierte er eine ganze Reihe von Erscheinungen, die früher in mehreren Varianten auftraten. Zur Vereinheitlichung der Schreibweise jener Wörter, die es früher in mehreren Formvarianten gab, trug er dadurch bei, daß er konsequent immer nur eine dieser benutzte. Er präzisierte z. B. die früheren Beobachtungen über den Gebrauch des Komparativs und Superlativs und legte bei der Deklination fest, daß es im Ungarischen nur eine Deklination gebe. Er erkannte den Form- und Funktionsunterschied zwischen allgemeiner (subjektiver) und bestimmter (objektiver) Konjugation. Im Laufe seiner Sprachuntersuchungen berücksichtigte er als erster die Fragen des Sprachunterrichts, der Möglichkeit, die ungarische Sprache zu erlernen. Das hing mit seinen großen Sprachkenntnissen zusammen (Griechisch, Hebräisch, orientalische Sprachen), häufig verglich er vor allem die ungarischen phonetischen Erscheinungen mit denen anderer Sprachen. Wie wichtig ihm der Sprachunterricht war, erweist sich daran, daß er auch zwei hebräische und eine englische Sprachlehre herausgegeben hat. Zu seiner Zeit muß György Komáromi Csipkés großes Ansehen als Gelehrter genossen haben, weil man ihm die Herausgabe der neuen protestantischen Bibel in Debrecin/Debreczin anvertraute. Wegen der damaligen wirren Zustände konnte die Bibel nicht mehr zu Lebzeiten Komáromis erscheinen, sondern erst 1719 in Leiden.
Pál Pereszlényis Werk Grammatica Lingvae Ungaricae (1682) war die zweite nicht nur vollständige, sondern auch die kleinsten Details erwähnende Zusammenfassung der ungarischen Sprache. Ihr Zweck war, als Sprachlehre beim Unterricht der ungarischen Sprache zu dienen. Die Beispiele in ihr stammen vor allem aus den Werken von Péter Pázmány und György Káldi und beweisen damit seine starke Bindung an die Jesuiten und sein sprachliches Ideal. Die Bedeutung der seiner Grammatik liegt darin, daß sich in ihr auch Feststellungen zur Satzlehre finden. In dieser Beziehung war Albert Szenci Molnár sein Vorgänger, ähnlich diesem registrierte er zahlreiche Erscheinungen der damaligen Sprache und illustriert diese reich mit Beispielen. So beschäftigte er sich unter anderem mit der Possessivkonstruktion und machte die Feststellung, daß das Ungarische ihr eines Glied mit dem Dativsuffix -nak/-nek bezeichnet und das Besitzwort mit dem Possessivsuffix in der 3. Person versieht. Sehr geschickt, ohne dabei einen Vorgänger gehabt zu haben, zählt er in verschiedenen Punkten auf, wann das Suffix -nak/-nek des Possessivattributs (Besitzerwortes) wegbleiben kann. Er stellte auch eine der heutigen ähnliche Regel hinsichtlich der Relativpronomina auf. Die Untersuchung der sprachlichen Fakten führte Pereszlényi zu seiner bedeutendsten Entdeckung, zur Erkenntnis der Vokalharmonie: Stamm und Suffixe enthalten entweder nur hintere (velare) oder nur vordere (palatale) Vokale; sie nennt er den Schlüssel zur ungarischen Sprache. Das umfangreiche Kapitel über das Verb und die Konjugation ist der vielleicht wertvollste und selbständigste Teil seines Werkes. Interessant und neu ist, daß Pereszlényi die Konjugation der vielfältigen Verben ähnlich den heutigen Bestrebungen aufgrund der Form, der Endungen in vier Typen gliedert (subjektive, objektive, passive und ik-Konjugation). Interessant ist beispielsweise seine Bemerkung über die Verbtempora: Über die Form olvasék 'ich las' schrieb er: "díszül szolgál az elbeszélésnek" (sie dient als Schmuck der Erzählung), weshalb sie auch historische Vergangenheit genannt werden könnte, also hat man die Erzählvergangenheit damals tatsächlich so benutzt. Vergleicht man Pereszlényis Werk mit den früheren Grammatiken, stellt man fest, daß er stärker auf den lateinischen Vorbildern beharrte als seine Vorgänger, aber sehr viel mehr Aufmerksamkeit auf die Darlegung der stilistischen Feinheiten verwendete (sowohl hinsichtlich der Achtung des Stiles der Schriftsteller als auch des Nachweises der verschiedenen Stilschichten der Kunstgattungen). Obwohl das Werk Pereszlényis auf dem jesuitischen Unterrichtssystem basierte und später zum richtungsweisenden Buch der katholischen Rechtschreibung wurde, hat der Verfasser vieles aus den Werken vor allem von Albert Szenci Molnár, István Geleji Katona und György Komáromi Csipkés übernommen und in vielen Fällen die auch von ihnen betonten Sprachnormen zum Triumph geführt, was darauf hinweist, daß das Ungarische sich langsam, aber sicher in Richtung der Vereinheitlichung und sprachlichen Norm fortentwickelte.
Die gedruckten Wörterlisten, Wörterbücher und Sammlungen von Redensarten
In der untersuchten Periode wurde die Veröffentlichung von Wörterlisten immer mehr zu einer geschäftlichen Unternehmung mit sich zunehmend erweiterndem Aufgabenbereich. Waren sie früher nur Lehrmittel des Schulunterrichts, wurden sie im 16./17. Jahrhundert immer mehr für den Privatgebrauch hergestellt, wobei sich auch ihre Funktion änderte: Sie beschränken sich nicht mehr vor allem auf das Lernen der lateinischen Sprache, sondern werden Mittel zum Kennenlernen der Muttersprache bzw. dienen als Hilfsmittel einer höherrangigen Pflege der Schriftlichkeit, des Stiles und erleichtern den sprachlichen Kontakt von Menschen verschiedener Sprachen. Letzteres erklärt, warum die vielsprachigen Wörterlisten und Wörterbücher in Mode kommen. Eine viersprachige Wörterliste von János Sylvester, die auch die ungarische Sprache enthält, erschien 1531 in Krakau, wir kennen sie allerdings nur aus bibliographischen Beschreibungen, ein Exemplar von ihr ist noch nicht gefunden worden. Zu jener Zeit beliebt war noch die lateinisch-deutsche Wörterliste des holländischen Gelehrten Murmellius, deren Krakauer Ausgabe von 1533 mit ungarischem Material erweitert wurde. 1538 erschien in Wien Gábor Pesti sechssprachiges Werk, das allerdings eher im Ausland bekannt war. 1590 stellte Balázs Szikszai Fabricius eine lateinisch-ungarische Wörterliste zusammen. Im 16. Jahrhundert erschien die schließlich elf Sprachen enthaltende Ausgabe des Wörterbuches des Italieners Calepinus (Lyon 1585: mit mehreren zehntausend ungarischen Wörtern und Ausdrücken). In Verancsics' fünfsprachigem Wörterbuch (Venedig 1595) sind wesentlich weniger, nämlich 5400 ungarische Wörter gesammelt, es ist aber als der Vorfahr der ungarischen etymologischen Wörterbücher zu betrachten, weil er am Ende die von ihm für slawisch gehaltenen Lehnwörter des Ungarischen aufzählt. Das berühmteste Wörterbuch des 17. Jahrhunderts ist Albert Szenci Molnárs Dictionarivm Latinovngaricvm und Dictionarivm Vungaricolatinvm (Nürnberg 1604): Es ist das erste ungarische Wörterbuch, dem die ungarische Sprache als Basis dient. Im 16. Jahrhundert verbreiteten sich nach europäischen Mustern, die teils auch benutzt wurden, in Ungarn die Sammlungen von Redewendungen, die bereits größere phraseologische Einheiten enthielten. Die erste ungarische war die von János Baranyai Decsi, die 1598 in Bártfa/Bartfeld erschien und 5000 Redewendungen enthielt.
Die Entstehung der Literatursprache
Das sichere Zeichen der Entstehung eines Sprachideals über den Mundarten sind die oben erwähnten Grammatiken und Wörterbücher. Die Zeit war auch sonst für eine intensivere Beschäftigung mit der Muttersprache günstig: Die Reformation pflanzte den Menschen das Lesen religiöser Literatur in der Muttersprache und der Humanismus die bewußte Beschäftigung mit der Sprache ein. Wie gesehen, benutzten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einzelne ungarische Schriftsteller noch ihre eigene Mundart: So will Sylvester die í-Mundart zu literarischem Rang erheben, Gábor Pesti folgt der Kanzleitradition, Heltai verwendet in seinen Ausgaben eine besondere Sprachvariante, und Dévai versucht sich an einer überbrückenden Rechtschreibung. Alle diese Versuche führten dahin, daß die Schreiber begannen, eine schriftliche Norm anzuwenden, die mit keiner Sprachvariante identisch war. Die Regeln wirken zwar schon, die Schriftsteller bemühen sich, die mundartlichen Züge zu vermeiden, doch ist ihr Normgefühl noch nicht stabil genug. Bis zum 17. Jahrhundert entstanden dann schließlich zwei recht gut voneinander zu unterscheidende Normensysteme. Typisch für die nordöstliche Sprachvariante sind die í-Aussprache oder die Verwendung des Vergangenheitstyps tött 'er tat', vött 'er kaufte'. Für den westlichen Raum sind z. B. das Erscheinen des Ableitungssuffixes -ít als -ét und die ö-Aussprache charakteristisch.
Beim Aufstieg der Muttersprache in den literarischen Rang spielten nicht nur die Gelehrten, sondern auch die Literaten selbst eine bedeutende Rolle. Denn in dieser Periode werden in den ungarischen Formenschatz immer mehr literarische Gattungen aufgenommen (viele von ihnen aufgrund von Übersetzungen), was ein Licht auf die Geschmeidigkeit und den Bilderreichtum der ungarischen Sprache wirft bzw. die Entwicklung einer immer genaueren und farbigeren sprachlichen Ausdrucksweise fördert. Als Widmung stellt János Sylvester seiner Übersetzung des Neuen Testaments ein schönes Distichon voraus, um nachzuweisen, daß das Ungarische für den klassischen Reim geeignet ist, worin nur wenige europäische Sprachen mit ihm wetteifern können. Im Vorwort seiner Aesopusi mesék (1536) erörtert Gábor Pesti, die Pflege der Muttersprache sei eine heilige Pflicht gegenüber der Heimat. Diese Versuche beweisen, daß die humanistische Intelligenz sich der Sache der Sprache gern angenommen hat. An der Entwicklung von Stilistik und Stil haben die Schriftsteller (sowohl auf der Ebene der Theorie wie Rimay als auch des praktischen Gebrauches wie etwa Pázmány) unvergängliche Verdienste. Von ihnen können nur der eine oder andere ganz kurz hervorgehoben werden, denn die ständig wachsende Zahl von Verfassern schuf sich in den neu verwendeten Gattungen den eigenen, jeweils unverwechselbaren literarischen Stil, damit zugleich die Werte der Sprache bereichernd.
Die beiden herausragenden Dichter jener Zeit waren Bálint Balassi und Miklós Zrínyi. Balassis höchste sprachliche Tugend war sein Bildschöpfungstalent, von dem auch er selbst im Prolog zur Szép magyar komédia (Schöne ungarische Komödie) spricht: "Bizonyára mennyivel éntõlem ékesb igékkel lehetett, olyannal csináltam ez Comediát [...] Ha én is azért az magyar nyelvet ezzel akartam meggazdagítani, hogy megesmerjék mindenek, hogy magyar nyelven is meg lehetne ez, azmi egyéb nyelven meglehet" (Gewiß habe ich diese Komödie mit so schönen Worten verfaßt, wie mir möglich war [...] Auch ich wollte damit die ungarische Sprache bereichern, damit jedermann erkennen soll, daß man auch in ungarischer Sprache das machen kann, was man in sonstigen Sprachen kann). Auf diesen Bereicherungsprozeß wies auch Balassis gelehrter Textbetreuer János Rimay hin: Seiner Ansicht nach [az ékes latin nyelvnek] "kincses tárháza is felette megüresülne, bizony meghalványodnék igen ábrázatjának a képe is, ha ábrázatját igen ékesítõ egyéb színe közül ezt az tekintetit felette szépítõ minímumját letörölnénk róla s elszakasztanók mellõle (würde sich auch die Fundgrube der Schätze [der schönen lateinischen Sprache] überaus leeren, sicher würde auch das Bild der Darstellung verblassen, wenn wir unter den diese Darstellung so sehr zierenden übrigen Farben dieses ihr Ansehen überaus zierende Minimum streichen und aus ihr entfernen würden). Rimay empfahl in seinen rhetorischen Ansichten die Methode der Umschreibung. Er war darüber bekümmert, daß in Ungarn nur wenige die Geheimnisse der schönen Rede kennen. Den Schlüssel dafür, sich über die gewöhnliche Rede zu erheben, sah er im Lernen der "schönen Wortfügung", deren Charakteristiken der strömende Wortreichtum, die Bereicherung der einfachen attributiven Konstruktionen und die synonymische Vervielfältigung der Verbalprädikate seien.
Das Wesen des Werkes von Miklós Zrínyi verbirgt sich ebenfalls in der bewußten Verwendung der ungarischen Sprache. Er schreibt selbst darüber, daß er seine Werke absichtlich in einer noch etwas holperigen Muttersprache geschrieben habe. Seine Prosawerke folgen den klassischen rhetorischen Mustern, sein Epos und seine lyrischen Stücke tragen noch mundartliche Eigenheiten an sich. Allerdings findet sich in ihnen beispielsweise das Stilmittel der Archaisierung, wenn er den Reim auf vala der Historienlieder oder die Verwendung der Vergangenheitsform imitiert. Häufig erwähnte er in seinen Werken als Mangel die Knappheit der ungarischen Sprache, mit der er gewisse Ausdrucksschwierigkeiten erklärt. Das ist Aufruf und Inspiration aus der Sicht der Sprachpflege zur Schaffung der einheitlichen ungarischen Literatursprache und Rechtschreibung.
Das Nachdenken über die Stilistik und Poetik im 17. Jahrhundert vervollständigte István Gyöngyösi, der in seiner Dichtung der Schöpfer des leichten Hofstiles ist und mit seiner riesigen Popularität großen Einfluß auf den Sprachgebrauch und Formenschatz des 18. Jahrhunderts ausübte. Im Vorwort zu seinem Epos Kemény János emlékezete (János Kemény zum Gedenken) erörtert er die Eigenheiten des Unterschiedes zwischen der Sprache des Gedichtes und des Alltags, wobei er über die Freiheit des Dichters bei der Behandlung der Sprache redet, über die stilistisch begründete Verwendung der Wortbildung, der Dialektwörter und mundartlichen Formen.
Bei der Schaffung des Prosastils sind zwei zu verschiedenen Konfessionen gehörende Kirchenmänner, Péter Bornemisza und Péter Pázmány, hervorzuheben. Bornemisza schuf die Predigtliteratur neu. In seinen Geschichten (besonders in Ördögi kísértetek [Teuflische Gespenster]) strebt er nach dramatischer Verdichtung und Hervorhebung und vermag höchst plastisch den Stoff aus dem realen Leben in die Argumentationstechniken einzupassen. In seiner Elektra-Übersetzung bemüht er sich, die gesprochene Sprache wiederzugeben.
Péter Pázmány hebt viele kirchliche Kunstgattungen auf das Niveau der Literatursprache (Streitschrift, Predigt, Frömmigkeitsprosa). Seine Streitschriften sind die hervorragendsten Leistungen der bisherigen ungarischen Prosa: Satire, Spott und Humor sprühen in tausend Farben und sogar die Stilparodie glänzt mit vorzüglichen Wendungen. Das Verdienst der Pázmányschen Sprachkunst ist, daß er die ungarische gesprochene Sprache zur Kunst der Rhetorik erhoben hat. Das schönste Ergebnis der Praxis seiner Satzkonstruktion ist die proportionierte, gegliederte, ausgeglichene Periode. Ein wirkungsvolles Element seines Stils ist der freimütige, rohe Naturalismus; er verwendet den Sprachschatz des biblischen Bilderstoffes wie auch die wendungsreiche Dramatik. In seine Werken finden sich auch theoretische Erörterungen über die Sprache (Prédikációk [Predigten]). Folgende Funktionen der Sprache hebt er hervor: "A nyelv, ha oktat, tudatlanságtul szabadít; ha énekel, gyönyörködtet; ha dorgál, jobbít; ha bíztat, szûvesít; ha bátorít, vigasztal; ha fenyeget, tartóztat." (Wenn die Sprache lehrt, befreit sie von Unwissenheit; wenn sie singt, erfreut sie; wenn sie tadelt, bessert sie; wenn sie aufmuntert, ermutigt sie; wenn sie ermutigt, tröstet sie; wenn sie droht, hält sie zurück). Pázmány konzentriert sich folglich vor allem auf den moralischen Einfluß der Sprache. Auch weist er auf die kulturschaffende Rolle der Sprache hin: "A nyelv oka, hogy a bolcs tudományok terjedtek." (Die Sprache ist die Ursache, daß sich die weisen Wissenschaften verbreiteten). Schließlich sind auch Pázmánys Ansichten über die Übersetzung erwähnenswert. Mit diesem Problem hat sich die hier untersuchte Periode sehr herumgeschlagen, da die sich einbürgernden neuen Kunstgattungen sämtlich aus fremden Sprachen kamen und man oftmals mit dem vom Ungarischen abweichenden System der übergebenden Sprache zu ringen hatte. Da ist es wichtig, daß Pázmány bei der Art zu übersetzen betonte, sie müsse so sein, daß "oly kedvesen folynék a szó, mintha elõször magyar embertõl, magyarul írattatott volna" (das Wort so lieblich fließen muß, als wäre es zuerst von einem ungarischen Menschen, ungarisch geschrieben worden).
Das Sprachsystem der Zeit
Die entscheidendsten Veränderungen im System der ungarischen Sprache liefen in der urungarischen Zeit ab. Die altungarische Zeit war eine Periode noch immer wichtiger - wenn auch nicht mehr so systembestimmender - Veränderungen. Je näher wir dem heutigen Ungarisch kommen, desto peripherer sind die Veränderungen aus der Sicht des Sprachsystems, sie beziehen sich nicht so sehr auf das grammatische Regelsystem als auf Details, sie dienen der Verfeinerung und Glättung. Dadurch aber bereichert sich auch das Sprachsystem der mittelungarischen Zeit erheblich - im Wort- und Ausdrucksbestand ebenso wie in den grammatischen Mitteln.
Die Mundarten
Wie erwähnt, ist die wichtigste Entwicklung der Epoche die Herausbildung der sich vereinheitlichenden Literatursprache. Im Vergleich zu dieser Sprachnorm können die Mundarten bestimmt werden, die auch weiter auf die Literatursprache (vor allem auf ihren Wortschatz) einwirken. Die auffälligste Unterscheidungsmöglichkeit ist die Untersuchung der phonetischen Spezifika, die damals schon in engen Gebietsgrenzen erhalten bleiben und sich nicht in die Umgangssprache einbauen, z. B. ó > uo, ao im Gebiet jenseits der Theiß.
Das Lautsystem
In dieser Periode gibt es sehr wenige wichtigere, umfassende Lautveränderungen, die nicht nur in einem großen Teil der Mundarten, sondern auch in der Literatursprache vor sich gingen. Eine solche ist vor allem der Wechsel des langen offenen e > é (kez > kéz), der mit Ausnahme einiger Mundarten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts abgeschlossen war, womit das lange offene Phonem e verschwand. Das Phonemsystem wird durch ein einziges Element ergänzt, durch dzs, das seine Existenz den osmanisch-türkischen Lehnwörtern verdanken mochte: findzsa 'Schale', dzsida 'Pike'. Eine allgemeinere Erscheinung im Mittelungarischen ist die Veränderung der Phonembelastung. Dieser Prozeß berührt vor allem das Phonem ly: teils wird es zu j, teils zu l, z. B. Kiraj (1696), mihalt, heltelen (1585). Der Wechsel ly > l verbreitete sich in Transdanubien, vor allem in seinem südlichen und westlichen Teil, und wurde später zur Mundarterscheinung, während sich die j-Aussprache in einem großen Teil des ungarischen Sprachraumes ausbreitete. Die Affrikation im Ableitungssuffix -ózik/-ozik (1645: Rugodzik) erhöhte die Häufigkeit des noch relativ seltenen Phonems dz.
Wortschatz
Die beschleunigte Veränderung der Lebensweise im 16.-17. Jahrhundert bereicherte den Begriffsschatz der Ungarn trotz der historischen Wechselfälle weiter. Gefördert wurde dies durch die reicher werdende Literatur, das mit dem Buchdruck wachsende Lesepublikum und die sich entfaltende Literatursprache. Der kraftvolle literarische Einfluß fördert vor allem das Bestreben nach ausdrucksvollen Nuancierungen, weshalb die Entstehung von ausdrucksverstärkenden, stimmungs- und lautmalenden Wörtern intensiver wird. Beispiele aus dem 16. Jahrhundert: csahol 'kläffen', csetepaté 'Krawall', lohol 'sich eilen, hetzen', mekeg 'meckern', szürcsöl 'schlürfen', pehely 'Flaumfeder, Flocke', pottyan 'plumpsen' fickándozik 'zappeln'; aus dem 17. Jahrhundert: csámcsog 'schmatzen', fortyan 'sieden', vartyog 'quaken', döcög 'zotteln, bummeln', hadonász 'herumfuchteln', zsibbad 'taub werden, einschlafen (z. B. Hand, Fuß)'.
Die Wortbildung hat die ungarische Sprache in der Periode von der Katastrophe von Mohács bis zur Rückeroberung von Buda/Ofen mit einer großen Zahl neuer Elemente bereichert. Es entstehen Wörter zur Bezeichnung von konkreten Gegenständen: szegély 'Rand, Kante', kendo 'Tuch', kenõcs 'Salbe', tekercs 'Spule, Rolle', kelevény 'Geschwulst', küldemény 'Sendung'. Eine bedeutende Zahl von Ableitungen entstand zur Bezeichnung abstrakter Begriffe: lehetoség 'Möglichkeit', karcsúság 'Schlankheit', aggodalom 'Besorgnis', lelemény 'Erfindung, Invention'. Unter den Nomensuffixen fast als neu galt das Diminutivsuffix -i, das allerdings sehr schnell populär wurde (Mari 'Mariechen', Feri 'Fränzchen', Pali 'Paulchen'). Das Bildungssuffix von Frauennamen -né kam zwar schon in altungarischer Zeit vor, wird aber erst in dieser Periode allgemein (Kápolnay Ferencné 'Frau Ferenc Kápolnay'). Ein neues Substantivsuffix ist -aj/-ej, das zu fiktiven lautmalenden Stämmen hinzutritt: kacaj 'Lache, Lacher', dörej 'Knall, Dröhnen'. Die lebendigsten unter den Verbalsuffixen sind die Frequentativsuffixe -dogál/-degél/-dögél, -doz/-dez/-döz, -gat/-get: álldogál 'herumstehen', sírdogál 'greinen', hajladoz 'schwanken', ingadoz 'wanken', adogat 'weiter-, zureichen', und bei den Momentansuffixen sind -amodik, -int und -ít aktiv (folyamodik 'sich wenden an', legyint 'Handbewegung machen', sodorít 'umdrehen'). Es konnte auch eine Änderung der Suffixfunktion eintreten: -at/-et bezeichnete nicht mehr den Handlungsprozeß, sondern sein Ergebnis (Beispiele aus dem Altungarischen aratat, születet = Ernten, Geborenwerden, später dann épület = Gebäude, kereset = Vermögen). Die frühere Funktion von -at/-et wird jetzt von -ás/-és übernommen; dieses Suffix bildet im Mittelungarischen auch Ableitungen zur Bezeichnung des Ortes der Handlung (lakás 'Wohnung', szállás 'Quartier'). Ein großer Teil der Ableitungssuffixe bildet aber auch weiterhin neue Wörter gemäß der früheren Funktion.
Die Wortzusammensetzung ist eine vorteilhaftere Bildungsweise zur Bezeichnung neuer Begriffe als die Wortbildung. In dieser Periode häufen sich die zusammengesetzten Wörter sehr: könyvnyomtató 'Buchdrucker', harapófogó 'Kneifzange', versfo 'Strophenanfang, Akrostichon', fagyöngy 'Mistel'. Eine ganze Reihe von damals geschaffenen Wörtern existiert heute nicht mehr: hajnyomtató = hajpántlika 'Haarband', igazlátó = döntõbíró 'Schiedsrichter', szembelétel = kihallgatás 'Verhör, Audienz'. Auch Zwillingswörter entstanden: diribdarab 'tausend Stücke', terefere 'Plauderei'.
Die bewußte Wortschöpfung wird später zum entscheidenden Charakteristikum der Spracherneuerung, aber Einzelinitiativen gibt es auch schon in unserer Periode. János Sylvester hat viele grammatische Fachwörter geschaffen: köznév 'Gattungsname', tulajdonnév 'Eigenname', vádoló 'Wenfall, Akkusativ'; er schlug auch neue Monatsnamen vor: lágyhó statt februaris oder bojtelo hó, borvetõ hó statt október oder mindszent hava. Geleji Katona betonte auch in der Theorie, daß "az értelmesek ... a' dolgokhoz illendo ékes Magyar szókat" (die Verständigen ... den Sachen gemäße gute Ungarische Wörter" gestalten sollen. Viele seiner Wörter gerieten in Vergessenheit, wie: szülékeny 'gebärfähig' und úszékony 'schwimmen könnend', aber manche werden auch bis heute verwendet: szerzemény 'Erwerb; Anschaffung', hozomány 'Mitgift', emberiség 'Menschheit'. János Apáczai Csere schuf zahlreiche naturwissenschaftliche Fachwörter: középpont 'Mittelpunkt', súrlódás 'Reibung', kiterjedtség 'Weitläufigkeit', számláló 'Zähler', nevezõ 'Nenner'.
Im 16.-17. Jahrhundert entsteht die Sie-Anrede im Ungarischen, und im Zusammenhang mit ihr bilden sich neue Pronomina: kegyelmed 'Euer Gnaden' wird verkürzt zu kelmed, kend, und maga wird zum Personalpronomen. Das Siezen mag so entstanden sein, daß das Personalpronomen der 2. Person mit ehrenden Titeln und Anreden ergänzt wurde: te Kegyelmed 'Deine Gnaden', ti Nagysádtok 'Eure Gnaden'. Diese waren also anfänglich Duzformen. Infolge der erweiterten Anrede mußte aber dann die Wortform der 2. Person (te tegyed 'du sollst es machen/tun', ti jóságotok 'euer Wohlwollen') in die der 3. Person geändert werden: te Kegyelmed tegye 'Euer Gnaden soll es machen/tun', ti Nagyságtok jósága 'das Wohlwollen Euer Gnaden'.
Eine Art der Bereicherung des Wort- und Ausdrucksbestandes ist, daß viele Wörter - vor allem solche der wichtigsten Wortarten (Verba, Nomina) - eine neue Bedeutung bekamen. Im 16. Jahrhundert bedeutete jámbor (< jó ember) noch 'ehrlich, anständig', aber schon Geleji Katona bemerkt, daß viele das Wort in der Bedeutung 'verrückt, schimpflich' benutzen. Bis agyafúrt seine heutige Bedeutung 'durchtrieben, schlau' erhielt, hat es mehrere Bedeutungswandel erlebt: 'mit trepaniertem Schädel' > 'verrückt' > 'stur, hartnäckig' > 'schlau, spitzfindig' (1616). Eine Art der Bedeutungsänderung ist dadurch gekennzeichnet, daß aufgrund eines äußeren (räumlichen) Zusammenhanges durch Bezeichnungsübertragung Wörter gleicher Form (Homonyme) entstehen; eine Zeitlang bestehen beide parallel weiter, bis dann die eine Bedeutung dominant wird. Auf diese Weise erhielt im 16.-17. Jahrhundert bolt 'gewölbte Decke' seine heutige Bedeutung 'dem Handel dienender Raum'. Im Mittelalter war bolt ein als Werkstatt dienender Raum an der Seite größerer Gebäude, deshalb wurde er immer öfter in der Bedeutung 'Verkaufsraum' benutzt. Im 16. Jahrhundert häuften sich Zusammensetzungen wie kálmárbolt 'Krämerraum', patikaszesrzámos bolt 'Apothekengeräteraum', bis im 17. Jahrhundert die Bedeutung búzásbolt 'Getreidekammer' nur noch vereinzelt vorkam.
Eine sehr wichtige Art der Erweiterung des Wortschatzes auch in der hier behandelten Periode war die Entlehnung aus fremden Sprachen. Da die Sprache der Wissenschaft, der Politik und der Kultur das Lateinische war, hat es durch seine weite Verbreitung das Ungarische auch in dieser Zeit durch zahlreiche Lehnwörter bereichert. So bürgerten sich im 16.-17. Jahrhundert beispielsweise die Wörter der protestantischen Kirchenorganisation ein: kollégium, kurátor, presbiter, die Fachwörter der Schule: ceruza 'Bleistift', kotta 'Noten', professzor, Wörter des staatlichen Lebens: apellálni 'appellieren', citálni 'zitieren', diéta 'Landtag'. Der Kreis deutscher Lehnwörter erstreckte sich auf alle Lebensbereiche: porcelán [Wanderwort], kugli 'Kegelspiel', púder, kalap 'Hut [nicht direkt aus dem Deutschen]', cukor, prés 'Kelterpresse', drót, mundér 'Montur [Rückbildung]', kvártély 'Quartier, Absteige'. Die slawischen Lehnwörter stehen vor allem mit der alltäglichen Wirtschaftung in Beziehung: szecska 'Häcksel', repce 'Raps', hombár 'Speicher, Schüttkasten'; Krankheitsnamen: csömör 'Ekel', zsába 'Nervenschmerz'. Die italienischen Wörter sind in erster Linie Fachwörter der Kochkunst: saláta, mazsola 'Rosine', torta. Die türkischen Lehnwörter beziehen sich vor allem auf Verwaltung und militärische Ränge (in Balassis und Zrínyis Werken stößt man auf Schritt und Tritt auf sie), aber einige von ihnen sind heute nur noch als historische Fachwörter gebräuchlich: vilajet 'Vilajet', szandzsák 'Sandschak', olajbég 'Stellvertreter des Sandschakbays'. Neben den verschwundenen Wörtern sind aber einige auf das Speisen bezügliche Wörter, wie kávé, ibrik 'Schale', findzsa 'Tasse', sowie Kleiderbezeichnungen, wie pamut 'Baumwolle' und papucs 'Pantoffel', erhalten geblieben.
Das grammatische System
In der Konjugation sind bei der Benutzung der Formen der allgemeinen (subjektiven) und der bestimmten (objektiven) Konjugation folgende wichtigere Änderungen zu registrieren: In altungarischer Zeit waren die objektiven Formen der 2. Person Imperativ gewisser Verben (mit -t-Endung) in der Form taíits 'lehre', láss 'sieh' in Gebrauch. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verwendet sie auch Péter Bornemisza so: "Ne keseríts ezzel a te édes anyádat" (Verbittere damit deine Mutter nicht). Im 17. Jahrhundert verliert sich diese Erscheinung aber aus dem Sprachgebrauch, und die reguläre, auch morphologisch unterschiedene imperative Verbform der bestimmten Konjugation tanítsd 'lehre', lásd 'sieh', tanítsad, lássad 'ds.' wird wiederhergestellt. Schwankungen zeigen sich auch bei anderen Formen der bestimmten Konjugation: Nicht selten steht bei einem bestimmten Objekt die Verbform der allgemeinen Konjugation. Péter Kákonyi (Mitte 16. Jh.): "Oh te eros Sámson, nem tudunk [statt tudjuk], mit tegyünk" (O du starker Samson, wir wissen nicht, was wir tun sollen); Pázmány: "Minden doctorok irásait minnyájan el nem olvashatunk [statt olvashatjuk]" (Wir können gar nicht alle Schriften aller Doktoren lesen); Gyöngyösi: "Azt a kevély Mársot semmivé tehetünk [statt tehetjük]" (Diesen hochmütigen Mars können wir zunichte machen). Selbstverständlich ist der auch den heutigen Regeln entsprechende Gebrauch sehr viel häufiger, weshalb man nicht von einer Regeländerung sprechen kann, sondern nur von Schwankungen. In vielen Fällen kann eine solche Verwendung der bestimmten Konjugation auch ein Stilmittel sein. Darauf deutet Zrínyis bewußte Archaisierungstechnik in Szigeti veszedelem (Der Fall von Sziget) hin, die die Textwelt der Historienlieder mittels "Aufbrechen" der grammatischen Regeln zitiert: z. B. "Kever [statt Keverd] jo hiredet belé csalárdsággal" (Vermisch deinen guten Ruf mit Betrug); "harcban nem látott [statt látta] Senki vitézségedet" (im Kampf sah niemand dein Heldentum).
Der Zerfall der ik-Konjugation geht weiter. Die Formen der Paradigmen mit und ohne -ik vermischen sich immer mehr, und dies hinterläßt seine Spuren sogar schon in den Sprachlehren. So bezeichnet Pál Kövesdi (1686) im Falle der ik-Verben die Personalsuffixe einmal mit und ein andermal ohne ik und entscheidet sich eventuell für die Variante ohne ik. Auch die Gruppe der ik-Verben selbst wird variabel: ik-Verben (lépik 'treten', köpik 'spucken') werden ik-los und ik-lose (buv 'sich verstecken', hazud 'lügen', foly 'fließen') zu ik-Verben, für manche Verben gibt es in der 3. Person Singular sogar zwei Formen, z. B. omol und omlik 'einstürzen', romol und romlik 'verderben' (Pál Pereszlényi 1682). Es schwankt beispielsweise auch der Gebrauch der Formen pök ~ pökik 'spucken', tündököl ~ tündöklik 'glänzen, prangen'.
Beim Tempus der Verben läßt sich ein Verwischen der unterschiedlichen Funktionen der verschiedenen Vergangenheitszeiten beobachten. Als erste schwächt sich die Funktion der fortlaufenden Vergangenheit vár vala ab. Tinódis sich oftmalig mit sich selber reimendes vala bezeichnet zwar häufig eine unvollendete Handlung, vertritt aber auch schon die Erzählvergangenheit: No hozza, no hozza hajdúk mondják vala / Ott hátat ada, vár felé fut vala (Er soll es bringen, sagten die Heiducken / Er kehrte seinen Rücken und rannte zur Festung). Ebenfalls verblaßt der Typ vártam vala oder vártam volt (der eine andere Vergangenheit, das Plusquamperfekt bedeutete): langsam übernimmt er die Rolle der Erzählvergangenheit. Tinódi: "Titkos deákját szólította vala" (Seinen Geheimschreiber rief er), Magyari: "Az holdban ... fogyatkozás lõtt volt" (Im Mond ... war eine Finsternis). Nach und nach verblaßt auch der Funktionsunterschied vára (Imperfekt) : várt (Perfekt). Ein Hinweis darauf ist, daß beide abwechselnd in derselben Funktion auftreten. Magyari: "Egynehány holnapig nagy üstökös csillag fénlék az égen, ismeg rendelt seregek, véresek látattanak ... a megszegett kenyérbõl is vér folt ki" (Einige Monate prangte ein großer Komet am Himmel, blutige Heere wurden gesehen, auch aus dem angeschnittenen Brot floß Blut heraus), "De ám ezek után is ... nagy háborúság ... indíttaték" (Aber auch danach ... wurde ein großer Krieg ... angefangen). Die Grammatiken machen in Anlehnung an das lateinische Konjugationssystem noch einen Unterschied zwischen den ungarischen Vergangenheitszeiten, identifizieren sie aber nicht einheitlich mit den lateinischen Verbformen. Das System der Vergangenheiten begann sich also zu vereinfachen. Als Ergebnis dessen wurden die Formen mit dem Suffix -t von allen Vergangenheitsformen der Verben am häufigsten, doch war auch der Typ várá noch in Gebrauch. Verschiebungen gab es auch im Futurgebrauch. Im Mittelungarischen wird das auch mit einem Tempussuffix versehene Futur (várand) seltener, und stattdessen häuft sich das analytisch konstruierte Futur mit fog (várni fog) oder einfach die für das Futur verwendete Gegenwartsform.
Gefördert werden alle diese Veränderungen im Konjunktionssystem in großem Maße dadurch, daß das System der Verbalpräfixe sich kräftig zu entwickeln begann. Ständig entstehen Präfixe durch Wortartwechsel der Adverbien: Ihr Bestand wächst erheblich (neue z. B.: agyon 'übermäßig', neki 'beginnen mit etw.', keresztül 'hindurch, zuende', szét 'zer-'), und auch ihre Funktionen erweitern sich. Die Funktion der Futurform mit Suffix -nd wird z. B. von einer präfigierten Präsensform übernommen: látandom ~ (majd) meglátom 'ich werde es (bald/später/dann) sehen'; gleichzeitig erweist sich die perfektivierende Funktion des Präfixes zur Verdeutlichung des Präteritums und des Perfekts als ein müheloseres und geschmeidigeres Mittel gegenüber den entsprechenden Verbformen (auf diese Weise kann man z. B. die Perfektivierung auch im Konjunktiv ausdrücken: meglátta volna 'er hätte erblickt'). Präfigierte Verben aus dieser Zeit sind z. B. megbotoz 'durchprügeln', felcifráz 'ausschmücken', lemond 'abdanken, verzichten', leborotvál '(ab)rasieren'.
Im morphologischen Aufbau der einzelnen Verbformen kam es ebenfalls zu Veränderungen: Die Formen vom Typ várnája 'er würde warten', kérnéjék 'sie würden bitten' (Konjunktiv in der bestimmten Konjugation) werden in dieser Periode verdrängt: Statt ihrer verbreiten sich die einfacher konstruierten Formen (o) várná, (ok) kérnék 'id.'. Im Falle anderer Paradigmenglieder bleiben aber neben den kürzeren auch die längeren: láttak 'sie sahen', kértek 'sie baten' ~ láttanak, kértenek 'ds.'.
Der Gebrauch des von Latein beeinflußten Verbmodus (Konjunktiv in gewissen Nebensätzen) ist in dieser Periode in der Literatursprache noch in Geltung, aber der Sprachgebrauch ungarischen Typs verbreitet sich zunehmend. So sind in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Sätze wie der folgende bereits normal: Miklós Bethlen: "A fejedelmasszony nem engedte, hogy örömet lojjenek ..." (Die Frau Fürstin erlaubte nicht, daß vor Freude geschossen würde).
Auch für das System der Adverbialsuffixe und Postpositionen ist in dieser Periode die Bereicherung und feinere Nuancierung bezeichnend. Im 16. Jahrhundert wurden számra, számára 'für', (-vel) szemben 'gegenüber', folytán 'infolge' zu Postpositionen. Die Bedeutung von alatt 'während, unter' erweitert sich bzw. wird abstrakter: Pázmány: "õket érdemek alatt böcsülvén" (sie werden unter ihren Verdiensten gewürdigt). In dieser Zeit wird die Postposition képpen (> -képp) zum Suffix. Damals taucht in siebenbürgischen sprachgeschichtlichen Angaben das (vermutlich aus ugrischer Zeit stammende) sogenannte Familien-Ortssuffix -nott (wo?), -nól (woher?), -ni (wohin?) auf, das zu Gattungsnamen hinzutritt, die Personen oder Berufe bezeichnen.
Die substantivischen Attribute sind in der ungarischen Sprachgeschichte bis zu dieser Zeit seltener geworden. Aus einzelnen substantivischen Attributen werden z. B. Adjektive gebildet: 1634: "Egi ket kezü fürész" (Eine zweihändige Säge).
Als Infinitive mit Prädikatfunktion werden vor allem diejenigen verwendet, die aus Empfindungen ausdrückenden Verben gebildet wurden, z. B. Heltai: "könnyen megérthetni, mely iszonyusagos gonoszság legyen a részegség" (es ist leicht zu verstehen, welch schreckliches Übel die Trunkenheit ist). Nachdem der Infinitiv neben seiner ursprünglichen adverbialen Funktion auch eine Subjekt- und Objektfunktion erhielt, begann man ihn nach dem Muster anderer Nomina auch als nominales Prädikat zu verwenden.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts begann die langsame Verdrängung der Verbaladverbien mit dem Suffix -ván/-vén. Ihre Funktion wird der Ausdruck der Temporal- und Kausalbestimmung, während die Formen mit dem Suffix -va/-ve sich langsam als Modal- und Zustandsbestimmungen stabilisieren. Die Verbaladverbien mit Personalsuffix vom Typ mondvám, mondvád werden mangels besonderer Funktion verdrängt. Seltener wird das mit -val/-vel gebildete Verbaladverb, und das auch im übrigen seltene mit -atta/-ette gebildete (z. B. ülette 'beim Sitzen, wie oder während er saß') wird bis zum Ende der Periode vereinzelt; nur in der Szekler Mundart blieb es erhalten.
Eine wichtige Veränderung in mittelungarischer Zeit ist, daß sich statt Verbaladverbien die detaillierende, analytische Konstruktionsform mittels Nebensätzen ausbreitet: noch mit Verbaldaverb: Matthäus 26: 30: "Es edes Inek [ének] mondvan elki menenek" (Und ein süßes Lied sagend, gingen sie hinaus - Döbrentei Kodex); schon Nebensatzkonstruktion: "Ees mykoron dycheretet mondottanak wolna, ky menenek" (Und als sie den Lobgesang gesagt hatten, gingen sie hinaus - Gábor Pesti), "Es mikoron díczéretet éneklettec vólna, ki ménének" (Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus - Gáspár Károlyi).
Im 17. Jahrhundert blüht im Zeitgeschmack die umfangreiche, mit Attributen und Adverbialien gespickte Periode. Die größten ungarischen Schriftsteller, Pázmány und Zrínyi, vertreten ebenfalls diesen barocken Stil. Er wirkte sich förderlich auf die Bildung zusammengesetzter Sätze aus. Die Perioden des Barockstils, die auch ausgeglichene und mehrfach gegliederte Nebenordnung schätzten, bereicherten die Sprache mit zahlreichen neuen Konjunktionen. Damals entstanden oder verbreiteten sich das kopulative szinte, szintén 'ebenso', das disjunktive részint ... részint 'teils ... teils', das adversative ellenben 'dagegen', das konsekutive tehát 'also', die erklärenden hiszen 'denn' und ugyanis 'nämlich'. Auch die subordinierenden Konjunktionen vermehren sich, z. B. das temporale meddig, ameddig 'bis'; ha 'wenn' stabilisiert sich als Konjunktion der Konditionalsätze; mert 'weil', das früher als Übersetzung des lateinischen quia 'daß'-wertig war, wird zur Konjunktion von Kausal- und Finalnebensätzen.
DIE TÜRKISCHEN LEHNWÖRTER
Sprachgeschichtlicher Überblick
Die übergebende türkische Sprache
Wenn man von den osmanisch-türkischen Lehnwörtern in der ungarischen Sprache die eventuellen Veränderungen im Zuge ihrer Übernahme oder später innerhalb der ungarischen Entwicklung ablöst, spiegeln sie die osmanisch-türkische Sprache des 16.-17. Jahrhunderts wider. Diese türkische Sprache hatte unter sehr starkem arabischen und persischen Einfluß gestanden, ihr Wortschatz war mit arabischen und persischen Elementen durchsetzt. Die phonetischen Charakteristika der türkischen Lehnwörter im Ungarischen werden dadurch stark beeinflußt, daß ihre Übergeber großteils keine Türken aus dem Zentrum oder aus ferneren Gebieten des Reiches waren, sondern Balkantürken vom an Ungarn angrenzenden Teil der Balkanhalbinsel. Von dort wurden das Militär, das Verwaltungspersonal sowie die sie versorgende Handwerker- und Händlerschicht im Eroberungsgebiet ergänzt. Die Übergeber der türkischen Lehnwörter sind also unter den in den Balkanländern angesiedelten Türken und den dortigen, turkisierten Völkern ursprünglich slawischer Sprache zu suchen.
Die südslawische Vermittlung
Die Kraft der anatolischen Türken hätte nicht ausgereicht, die gewaltigen Eroberungen durchzuführen, infolge deren ganz Südosteuropa zum Steuerzahler des türkischen Sultans wurde. Nach Eroberung der Balkanhalbinsel spielten beim weiteren Vordringen die slawischen Völker auf dem Balkan eine ständig größere Rolle. Ein erheblicher Teil des muslimischen Militärs, das in Ungarn einmarschierte und es besetzt hielt, war slawischer Herkunft: Bosniaken, Kroaten und Serben. Auch die Soldaten der wertvollsten Waffengattung des Heeres, die Janitscharen, stammten - aufgrund des allbekannten Anwerbesystems - überwiegend von balkanischen christlichen Eltern ab. Diese balkanslawischen Soldaten sprachen sowohl türkisch als auch ihre slawische Muttersprache. Neben dem Militär spielte eine große Rolle bei der Vermittlung auch die massenweise vor den Türken flüchtende und sich im Süden Transdanubiens sowie in der Großen Ungarischen Tiefebene niederlassende balkanslawische Bevölkerung. Diese Balkanflüchtlinge gelangten bis nach Buda/Ofen und Esztergom/Gran. Verständlicherweise haben die Ungarn die türkischen Wörter also aus dem Munde von Menschen sowohl türkischer als auch slawischer Muttersprache gehört, die Lehnwörter gelangten gleichzeitig aus türkischer und slawischer Quelle ins Ungarische. Typisch für diese Doppelheit sind die in zwei Formen gebrauchten Wörter, wie szpáhi ~ szpáhia 'Spahi', pite ~ pita 'Fladen'.
Die rumänische Vermittlung
Siebenbürgen stand in engem und direktem Kontakt mit der Pforte, mit den Türken. Die in siebenbürgischen Quellen auftauchenden Lehnwörter stammen großteils aus dem Türkischen, aber eine rumänische Vermittlung ist nicht völlig auszuschließen; so können die rumänischen Formen vielleicht bei der damaligen Übernahme unter anderem von kantár 'Waage', kilim 'Teppich, grobe Decke', muszuj 'Stoffart' eine Rolle gespielt haben.
Die westliche Vermittlung
In der Geschichte der Beziehungen des Westens zum Osten spielte die Expansion des Osmanischen Reiches in Südosteuropa und im Mittelmeerraum eine große Rolle. Dadurch gelangten die Namen der wichtigsten türkischen Begriffe des Kriegswesens, der Staatsverwaltung, der Diplomatie, des Handels und der Religion in die europäischen Sprachen: aga 'Aga', basa 'Pascha', bég 'Bey', szandzsák 'Sandschak', szultán 'Sultan', kaftán 'Kaftan', kávé 'Kaffee', mufti 'Mufti', minaret 'Minarett'.
Bei nur einer einzigen damaligen zweifachen Übernahme mag der Gebrauch der türkischen und der westlichen Formvariante im großen und ganzen gleich stark gewesen sein: beim Bezeichnungspaar oszmán ~ ottomán wurde ersteres direkt aus dem Türkischen und letzteres durch westliche Vermittlung entlehnt.
Der Wortschatz türkischer Herkunft
Kriegsführung
Das Eroberungsgebiet in Ungarn war ein kritisches Grenzgebiet im riesigen Osmanischen Reich, ein Schauplatz immerwährender Kriege. Verständlicherweise haben die damaligen Menschen sich sehr vieles aus dem Wortschatz des Kriegswesens, der bewaffneten Kämpfe angeeignet: Sie kannten die Namen des türkischen Militärs, der Ränge und Waffen und zahllose Ausdücke der Kriegsführung. Das türkische Militär bestand aus Fußtruppen, Reiterei, Artillerie und der Donau-Kriegsflotte sowie verschiedenen Hilfsformationen.
Die Basis der Fußtruppen, aber eigentlich der ganzen Streitmacht bildeten die janicsárok 'Janitscharen' und die Truppen der zweiten Linie die azapok '...', deren Zahl zuweilen sogar die der Janitscharen überstieg. Ursprünglich zu den Janitscharen gehörten die szejmenek '...', später nannte man auch die geworbenen Söldner so. Ursprünglich ebenfalls Fußsoldaten bezeichnete der Begriff haramia 'Bandit, Wegelagerer'.
Die Reitertruppe der ersten Linie bestand aus gönüllü 'Freiwilligen', ung. gyömli. Eine selbständige kleinere Reitertruppe hieß besli oder besliak 'Fünfer', eine ihnen ähnliche Sondergruppe waren die deli 'Verrückten', die besonders gefährliche Aufgaben übernahmen. Die drittrangige Reiterformation war die großteils aus Christen bestehende Söldnertruppe der martalóc 'Freibeuter'. Die größte und wichtigste Einheit der Reiterei waren die szpáhi 'Spahi' und zaim '...', die mittels timar 'Lehnsgut' bezahlt wurden.
Die Artillerie spielte bei der Belagerung von Burgen eine sehr große Rolle. Zu ihr gehörten die Kanoniere, Bombenwerfer und Mineure. Auffallenderweise waren ihre Benennungen im damaligen Ungarischen ungebräuchlich. Auf den Schußwaffengebrauch verweisen die auch heute verwendeten mundartlich szatyma 'Schrot' und umgangssprachlich kazán 'Kessel', das ursprünglich den Salpeter-Kochkessel zur Herstellung von Schießpulver bezeichnete.
Die Donau-Kriegsflotte wurde vom "Donau-Kapitän" geführt und je eine Schiffseinheit von einem kapudán 'Kapitän'. Die Mannschaften wurden vor allem aus den Völkern an der unteren Donau rekrutiert und hießen azab 'Asabe'. In den schriftlichen Zeugnissen kommen viele Namen von Schiffstypen vor, von denen heute aber nur noch tombász 'Ponton' als mundartliches Wort existiert. Wahrscheinlich hat kátrány 'Teer' die Erinnerung an die türkische Schiffahrt bewahrt, das ursprünglich der Name des Materials zur Holzimprägnierung der Schiffe war.
Spezielle Formationen bildeten die Pioniere, Waffenschmiede, Zeltbauer, Fuhrleute und Köche, deren Namen allerdings nur in vereinzelten Angaben vorkommen. Eine Ausnahme ist szarahora, das einen irregulären Soldaten für den Brücken- und Straßenbau sowie den Waffentransport bezeichnete. Die Nachrichten- und Befehlsüberbringer wurden csausz 'Briefbote, Kurier' genannt. Sie dienten nicht nur beim Heer, sondern auch in anderen Bereichen der Staatsorganisation.
Die Namen der kleineren Militäreinheiten im türkischen Heer waren bölük und oda, sie bestanden im allgemeinen aus zehn Mann, die vom bölük basa bzw. odabasa geführt wurden. Der Kommandant einer Janitschareneinheit wurde auch csorbacsi '...' genannt. An der Spitze einer größeren Einheit von Soldaten einer Waffengattung stand der aga 'Aga' bzw. basa 'Pascha'. Der Stellvertreter des Aga war der kethüda 'Stellvertreter, Aufseher', im ungarischen Sprachgebrauch kihája. Die Amtsbezeichnungen basa und kihája wurden auch in der Verwaltung benutzt. Der Kommandant einer in Städten stationierten Janitscharengarnison war der szerdár 'Oberbefehlshaber der Reiterei', es war aber auch der Name des Oberbefehlshabers des ins Feld ziehenden Heeres, des Heerführers. Der szeraszker 'Oberbefehlshaber' oder cseribasa 'Rittmeister' war einer der militärischen Führer des Heeres, dessen Mitglieder mit Lehnsgut belont wurden, Serasker konnte aber zugleich auch den Heerführer bezeichnen. Alle diese Wörter sind aus dem Ungarischen verschwunden, bis heute geblieben ist jedoch dandar 'Brigade', die ursprüngliche Bezeichnung der Nachhut und des Reserveheeres.
Von den damaligen türkischen Waffen sind vor allem die Namen der Verteidigungs- und Angriffswaffen der Reiterei und des Fußvolkes erhalten geblieben: dzsida 'Art Lanze', handzsár 'Dolch oder Kurzschwert', fringia bzw. dömöcki 'Schwert oder Säbel aus feinem oder Damaszener Stahl'.
Von den vielen türkischen Feldzeichen hatten sich besonders boncsok 'türkische Kriegsfahne' und szandzsák 'Sandschak' weit verbreitet, allerdings in erster Linie nicht als Feldzeichen; boncsok war vor allem ein Halsschmuck mit Perlen für Pferde und erst in zweiter Linie das Pferdeschweif-Feldzeichen. Sandschak bedeutete ursprünglich 'Standarte', seine sekundäre, allgemein verwendete Bedeutung war aber 'Verwaltungseinheit, Kreis'.
Auffallend ist, daß die türkischen Benennungen des Zeltes, obwohl sie doch im damaligen Leben eine so große Rolle spielten, in den Quellen nur ganz selten vorkommen. Der Grund dafür mag sein, daß das türkische Lehnwort sátor 'Zelt' noch aus der Zeit vor der Landnahme das osmanisch-türkische çadir leicht ersetzt hat. Der türkische Vorgänger csardak des ungarischen csárda 'Tscharda' benannte ein Gebäude für militärische Zwecke. Der Ruheplatz des Heeres auf dem Marsch, das Quartier, war konak, aus dem vermutlich das ungarische konok 'verstockt, starrsinnig' entstand.
Als Strafwerkzeug diente dögönyeg 'Degenstock, Peitsche mit Bleikugeln', eine Art Stock oder Block war kalafa zur Bestrafung mit der Bastonade. Die Hand- und Fußfesseln der Gefangenen hießen csincsér. Zu jener Zeit wurde ins Ungarische der Name der kurzstieligen, aus Riemen geflochtenen Peitsche korbács 'Karbatsche' übernommen sowie nach eigentümlichem Bedeutungswandel das Wort pajzán 'neckisch, schlüpfrig', das eigentlich den Galeerensträfling bezeichnete.
Verwaltung
Die größte militärische und Verwaltungseinheit im Reich war das vilájet 'Vilajet, Provinz'. Dieses wurde in mehrere Kreise, líva, und diese wieder in noch kleinere Einheiten, nahije bzw. kaza 'Gerichtsbezirk', aufgeteilt. An der Spitze der Provinz stand der beglerbég 'Beglerbey' im Range eines pasa 'Pascha'. Im ungarischen Sprachgebrauch wurde statt des Beglerbey sehr oft pasa, basa benutzt, so nannte man auch die Budaer/Ofner Beglerbeys im allgemeinen budai pasa oder noch öfter budai basa. Der Stellvertreter des Gouverneurs war im ungarischen Sprachgebrauch der kajmakám bzw. kihája, der Vertreter der Pforte kapikihája und sein Kurier der csausz. Der Leiter der Provinzkanzlei wurde rézefendi und der Stallaufseher imrehor genannt.
Die türkische Entsprechung der mittleren Verwaltungseinheit, der líva, war der szandzsák 'Sandschak' unter einem szandzsákbég 'Sandschakbey'. Der Stellvertreter des Sandschakbeys war der alajbég, zugleich der Führer der Spahi im Sandschak. Da im türkischen Reich die höheren Amtsträger regelmäßig ausgetauscht wurden und man sein Amt auch leicht verlieren konnte, war im Besetzungsgebiet die Benennung der ihres Amtes verlustig gegangenen Personen mazur 'Amtsenthobener' oder mazul 'ds.' allgemein bekannt. Die Alltagsangelegenheiten versahen die Beamten niedrigeren Ranges und Aufseher über die verschiedensten Aufgabenbereiche, emin und basi - im ungarischen Sprachgebrauch eming und basa.
Die Güter- und Finanzangelegenheiten in der Provinz wurden im penibel geführten Steuerbuch, dem defter, registriert, dessen Leiter der defterdár war. Die schwerste Last der Bevölkerung des Besetzungsgebietes, der rája, war die von den nichtmuslimischen Völkern der Reiches verlangte harácsadó 'Requirierungssteuer'. Hatte man irgendwelche Angelegenheiten zu erledigen, war man ständig zur Zahlung eines festgelegten baksis 'Bakschisch' gezwungen. Durch die Steuer an die Türken und den Handel mit ihnen kannte man einige türkische Münzen und Maße. Ihr Wert läßt sich nicht immer eindeutig bestimmen, weil er in den verschiedenen Zeiten und Gebieten wechselte und der Wert der Maße auch von dem Meßgut abhing. Die Basis des türkischen Geldsystems, die Hauptberechnungseinheit, war die kleine Silbermünze akcsa (mit einem anderen Wort oszpora). Noch kleiner und noch geringerwertig war der Kupfer-mangur. Kleine, auch als Kleingeld verwendete Metallplättchen hießen para.
Der lokale Vertreter der türkischen Rechtsprechung war der "türkische Richter", der kádi 'Kadi', zugleich der wichtigste Vertreter des türkischen Verwaltungssystems am Ort, der neben Rechtsprechung, Güter- und Steuersachen auch noch andere Aufgaben versah. An der Spitze der Rechtsprechung stand der oberste Richter, der kádiaszker. Den Kadis und Rechtsgelehrten höheren Ranges und Einkommens stand der Titel molla 'Molla' zu. Etwa als Rechtsberater der Kadis wirkte der mufti 'Mufti'.
In der außerordentlich ausgedehnten Administration der Türken gab es zur Zeit der Besetzung zahlreiche Arten von Schriftstücken. Am bekanntesten waren atnáme 'zwischenstaatliche Vertragsurkunde, Registrierungsdiplom des Sultans', berát 'Ernennungsurkunde des Sultans; Schenkungsbrief', fermán 'mit Sultanssignatur versehene Sultansverordnung, oder schriftlicher Befehl einer anderen hochgestellten Person', bujurdi 'schriftlicher Befehl höherrangiger Personen', teszkere 'Schenkungsbrief über Dienstgut oder -einkünfte'. Der vom Kadi erlassene Rechtsbescheid wurde hücset und die schriftliche Stellungnahme oder Entscheidung des Mufti fetva 'Fetwa' genannt.
Die Religion des Islam
In der Glaubenspraxis der Muslime, in zahlreichen Momenten des Alltagslebens, aber vor allem in den Schlachtrufen erklangen oftmals die Namen Allah und Mohammed. Allgemein bekannt waren von den Fasten- und Festnamen bajrám und ramazán 'Ramadan', sowie der Ehrenname hadzsi 'Hadschi' jener Muslime, die eine Pilgerfahrt nach Mekka gemacht hatten. Die gemeinsamen Glaubensübungen verrichtete man in der mecset 'Moschee', deren leitender Geistlicher, das Oberhaupt der Glaubensgemeinschaft, der imám 'Imam' war, während der Lehrer der angegliederten Religionsschule hodzsa 'Hodscha' hieß. Die Zeit des Nachmittagsgebetes wurde ikindi genannt.
Eine große Rolle im Glaubens- und Geistesleben der Türken spielten die Mönche, in persisch-türkischer Sprache dervis 'Derwisch'. Den Türken nannte man muzulmán 'Muslim', während die erniedrigende Benennung der Christen und Juden gyaur 'Giaur' und csifut waren und die gerade zum muslimischen Glauben Übergetretenen potor genannt wurden.
Kleidung
Die orientalische Bekleidung war viel farbenfreudiger und abwechslungsreicher als die europäische und machte den Ungarn, die ohnehin den orientalischen Pomp liebten, großen Eindruck. Ein Teil der für die Kleidung benötigten Erzeugnisse des Textil- und Ledergewerbes war Importware, ein anderer Teil wurde in inländischen Werkstätten von türkischen und bosniakischen oder serbischen und dann auch von ungarischen Handwerkern hergestellt. Die wichtigste von den vielen Stoffarten war das dicke gewebte aba oder abaposztó 'Tuch, Flausch', das vor allem bei der Militärkleidung eine wichtige Rolle spielte. Ein ähnlich dicht gewebtes Tuch war ursprünglich auch csuha, das aber in den ungarischen Quellen eher schon den daraus gefertigten Mantel bezeichnete. Dünner gewebte Leinenstoffe waren bagazia, muszuly und futa. Noch feiner gewebt waren bulya und kármán-patyolat. Das ungarische Wort pamut 'Baumwollstoff' bezeichnete damals noch den Rohstoff, die Baumwolle.
Bei der Verbreitung der wundervollen türkischen Stickereien spielten die türkischen Stickerinnen und Näherinnen, genannt bulya, eine große Rolle. Ein goldgewebtes oder -besticktes Tuch war tesztemény. Vor allem in Siebenbürgen wurden die berühmten, in Webtechnik hergestellten türkischen farbigen Teppiche, Decken und bestickten Kissen beliebt. Zu ihnen gehörten die kilim-Teppiche, die dívány-Teppiche und -Kissen sowie die kelevet-Teppiche und -Kissen (kilim 'buntes Gewebe', dívány 'Sofa', kelevet oder kerevet 'ds.').
Der Einfluß der türkischen Kleidung kam am stärksten in der Oberbekleidung zur Geltung. Vor allem der am Körper anliegende, posamentenverzierte Übermantel, der türkische dolmány 'Dolman', erfreute sich großer Beliebtheit. Wichtig bei der Bekleidung der Ärmeren war der dicke Tuchmantel csuha. Durch die Diplomatie kam die kaftán genannte türkische Festkleidung nach Ungarn, die man umgestaltet selbst tragen konnte. Zu dieser Zeit bürgerte sich auch der Vorgänger des zubbony 'Bluse, Uniformrock' ein, der damals noch eine Art Kittel, kabátka, war. Schließlich verdanken wir dieser Zeit noch das ursprünglich selbständige oder an den Brustteil der Kleidung geheftete Säckchen zseb 'Tasche'. Binnen kurzer Zeit wurde der pelzverbrämte kalpag 'Kalpak' beliebt, der später zusammen mit dem Dolman Bestandteil der charakteristisch ungarischen Kleidung wurde, während den Turban die ungarischen Männer nie getragen haben.
Das uralte türkische Lederhandwerk war auf Einfluß des verfeinerten persischen Handwerks entstanden und erreichte im 16.-17. Jahrhundert ein sehr hohes Niveau. Anfangs kamen die türkischen Lederwaren nur auf dem Handelswege nach Ungarn, später aber wurden sie auch in den einheimischen Werkstätten gefertigt. Die Meister des Lederhandwerks waren vor allem Balkantürken oder serbische Raizen. Das ist der Grund dafür, warum sich unter den vielen einschlägigen Wörtern eine relativ große Zahl von durch das Slawische vermittelten Formen befindet.
Bis heute bewahrte sprachliche Zeugen des hochentwickelten türkischen Ledergewebes sind die Ledernamen bagaria 'Juchten' und szattyán 'Saffian'. Auf mundartlicher Ebene ist der Name der türkischen gerbenden Schuster und Gerber in tabak oder tabakos erhalten geblieben, und den Namen der einstigen Gerbereien bewahrt vermutlich auch die Bezeichnung Tabán in Buda/Ofen und anderen ungarischen Städten. Den Türken sind zwei charakteristische Arten von Schuhwerk zu verdanken, der langschäftige csizma 'Stiefel' und der papucs 'Pantoffel'. Zwar sind csizma und csizmadia 'Stiefelmacher' durch slawische Vermittlung ins Ungarische gelangt, doch hat sich die Tracht dieser orientalischen Schuhe unbezweifelbar in der Türkenzeit eingebürgert. Der Klebstoff der Stiefelmacher war csiriz 'Kleister'.
Ernährung
Ein weiteres bedeutendes Gebiet des türkischen Kultureinflusses ist das Essen. Einige Speisen, die wir heute für typisch ungarisch halten, wie die Füllung aus einer Mischung von Reis und Fleisch, die gulaschartigen Fleischgerichte, die getrockneten Nudelarten, stammen von den Türken, teils direkt, teils durch Vermittlung der Balkanslawen. Zu diesen Nudelarten gehören tarhonya 'Eiergraupen' und pite 'Fladen'. Der Name des letzteren stammt zwar letztlich aus dem Griechischen, bekannt wurde er aber in der Türkenzeit. Das getrocknete Brot peszmet war einst die Nahrung der Seeleute. Unter den Fleischspeisen kannte man pasztormány, ein getrocknetes Räucherfleisch, auch wenn man darunter eher das solches Fleisch gebende Schlachtrind verstand. Das Wort kaszab 'Schlachter' kommt heute als Familienname und in seinen verbalen Ableitungen im Ungarischen vor.
Von den türkischen Obstgetränken wurde mangels der notwendigen Rohprodukte Apfelsine, Zitrone und anderen orientalischen Obstes nur der serbet 'Sorbet' relativ bekannt, aber auch er wurde eher importiert als selbst hergestellt. Um so unaufhaltsamer eroberte aber der kávé 'Kaffee' das Land. Als wertvolles Importgut konnten ihn anfangs nur die vornehmeren Schichten der Gesellschaft genießen. Sein allmähliches Vordringen konnten aber weder der hohe Preis noch Verbotsmaßnahmen verhindern.
In der Türkenzeit kamen auch die verschiedensten Pflanzen ins Land, am bedeutungsvollsten von ihnen war der dohány 'Tabak'. Das deutsche Tabak und das türkische dohány erschienen im Ungarischen etwa gleichzeitig, aber ohne Zweifel verbreiteten den Brauch des Rauchens die Türken in Ungarn, ebenso wie die Tabakerzeugung auf balkanslawischen und türkischen Einfluß einsetzte. Anfänglich kämpften sowohl der Staat als auch die Kirche energisch gegen das Rauchen, aber ohne Erfolg.
Von den Obstarten bewahren kajszibarack 'Aprikose' und kálmánkörte 'Pfundbirne' die türkische Herkunft sogar im Namen, die originale Form der letzteren war kármánkörte, dessen Vorderglied vom türkischen Volksnamen karaman stammt. Vermutlich gelangten auch Gewürze und verschiedene andere Nutzpflanzen nach Ungarn, aber ohne daß die türkischen Namen mit übernommen wurden; nur das Vorderglied ihrer Benennungen deutet auf ihre Herkunft hin (z. B. törökbúza 'Mais', wörtlich 'Türkenkorn', törökborsó 'Art Erbse', törökbab 'Feuerbohne', törökbors 'türkischer Pfeffer', törökmogyoró 'Baumhasel, Dicknuß', törökköles 'Türkenhirse').
Auffallenderweise gibt es keine Blumennamen türkischer Herkunft, der Name der typischsten türkischen Blume, der tulipán 'Tulpe', kam, auch wenn er letztlich türkisch-persischen Ursprungs und mit turbán identisch ist, mit europäischer Vermittlung nach Ungarn. Eine Art der anderen typisch türkischen Blume, der Nelke (ung. szegfû) wurde als törökszegfû 'Bartnelke' zur beliebten Blume ungarischer Kleingärten.
Neben den beiden wichtigen Genußmitteln Kaffee und Tabak lernte man über die Türken auch das Rauschgift maszlag 'Stechapfel' kennen. Durch Miklós Zrínyis bekanntes Werk wurde der türkische Name des Opiums, áfium, bekannt, und im Zusammenhang mit dem starken Rauchen, den alkoholischen Getränken und Rauschmitteln wurde im Ungarischen das Adjektiv mámoros 'berauscht, trunken' heimisch.
Die türkischen Back- und Kochgefäße waren überwiegend aus Kupfer. Aus Kupfer war auch das typische Kochgefäß jener Zeit, der bogrács 'Kochkessel', in dessen Name sich das türkische Wort für 'Kupfer' verbirgt. Im allgemeinen war tepsi 'Pfanne (heute: Backblech)' aus Kupfer, doch gab es sie als feinere Tischgefäße auch aus Gold oder Silber. Dasselbe bezieht sich auch auf ibrik 'Schale'. Die sich mit dem Kaffeetrinken einbürgernde findzsa 'Tasse' dagegen wurde aus feinem Porzellan hergestellt. Körnerfrüchte, Getreidearten, Mehl und Reis wurden im harár 'Sack' gelagert. Und dem Transport wie der Lagerung größerer Getreidemengen diente der hombár 'Getreidekasten, Schüttlade', eine Bretterkiste. Den der Aufnahme des Reiseproviants dienenden Bündel, szofra, nutzte man ausgebreitet auch als Tischtuch. Die Truhe oder der Korb, die man zur Aufbewahrung und zum Transport verschiedenster Gebrauchsdinge (Kleidung, Lebensmittel, Geld) verwendete, hieß mit türkischem Namen szepet.
