Renaissance
Die Hinwendung zu der die europäische Kunst bis heute bestimmenden Renaissance nahm ihren Anfang in Italien. Ihr Anfangszeitpunkt ist ebenso umstritten wie der ihres Ausklingens. Der (französische) Begriff bedeutet Wiedergeburt, und das sich damit identifizierende Zeitalter sah das Wesentliche ihrer Neuheit darin, daß es nach dem allgemeinen Niedergang im Mittelalter gelang, die ursprüngliche Größe und Großartigkeit der antiken Kunst erneut ans Licht zu bringen. In der Architektur erneuerte man die antike Formsprache, veränderte die Proportionen und Fassadengestaltung der Gebäude, die einzelnen architektonischen Elemente folgten antiken Vorbildern. Auch die Plastik entwickelte sich unter dem Einfluß der antiken Skulpturen weiter; in den Mittelpunkt ihres Interesses rückte die Darstellung des menschlichen Körpers. In der Malerei erwies sich das Abbilden des Raumes als wichtigstes Problem neben der Menschendarstellung. Obwohl die Grenzen der Renaissancekunst auch in Ungarn umstritten sind, kann man ihre Anfänge - nach einer gewissen humanistischen Vorgeschichte - ab der Herrschaftszeit von König Matthias rechnen, und ihr Ausklang wird im königlichen Ungarn (wenngleich hier auch das Barock erscheint), mehr noch aber in Siebenbürgen erst durch das ausgehende 17. Jahrhundert markiert. Für die frühe Periode, die Zeit König Matthias', sind ein sehr hohes künstlerisches Niveau und Exklusivität kennzeichnend. Vom Zeitalter der Jagiellonen an nehmen die Stilelemente der Renaissance in der ungarländischen Kunst mehr und mehr Raum ein; neben den italienischen erscheinen auch deutsche Renaissancedenkmäler. Nach Mohács entwickelt sich die Kunst in den verschiedenen Landesteilen, der politischen Lage entsprechend, unterschiedlich: im königlichen Ungarn werden niveauvollere, in Siebenbürgen provinziellere Werke geschaffen. Doch in Siebenbürgen kommt es anschließend zu einer Konservierung der späten Renaissanceformen, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts weiterleben.
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