Jesuitenorden
S.J. - Societas Jesu = Gesellschaft Jesu. Der einflußreichste Orden, der im Zuge der katholischen Reform 1540 von einem spanischer Soldatan gegründet wurde. Der hl. Ignatius von Loyola (1491-1556) spannte den Aufgabenkreis des Ordens sehr weit: alte und ganz neue Formen der Seelsorge (z.B. geistliche Übungen, Volksmissionen), Verbreitung des Glaubens außerhalb von Europa und seine Verteidigung gegenüber den Protestanten, offizielle Beteiligung am Mittel- und Hochschulunterricht, wissenschaftliche Tätigkeit im kirchlichen und nichtkirchlichen Bereich. Der Jesuitenorden hatte einen stark zentralisierten Aufbau und ein außergewöhnlich vielseitiges Programm. Seine Mitglieder erfuhren eine hervorragende Ausbildung und konnten für jede beliebige Aufgabe mobilisiert werden. Die Besten unter ihnen legten nämlich neben den drei üblichen Gelübden (Armut, Reinheit, Gehorsam) auch noch ein viertes Gelübde ab, das dem Papst unbedingten Gehorsam für jedweden Auftrag versprach. Vermittels dieser Eigenschaften stieg der Orden im 16.-17. Jahrhundert zur Elitetruppe der sich erneuernden katholischen Kirche auf. Er spielte eine gewaltige Rolle dabei, daß die katholische Reform ihren Kampf mit der Reformation erfolgreich aufnehmen konnte. Im 18. Jahrhundert erstanden der Gesellschaft Jesu infolge ihres auffälligen Reichtums und ihrer politischen Macht viele Feinde, so daß Papst Clemens XIV. (1769-1774) dem immer stärker werdenden politischen Druck schließlich nachgeben und den Orden 1773 auflösen mußte. Reorganisiert wurde er erst 1814. In Ungarn begann sich der Orden, nach Versuchen im 16. Jahrhundert, vom Anfang des 17. Jahrhunderts rasch zu verbreiten. Er gründete Schulen, dehnte seine seelsorgerische und Missionstätigkeit aus, nahm an Glaubensdisputen teil, betätigte sich auf literarischem und wissenschaftlichem Gebiet und war bald die wichtigste Kraft der katholischen Reform und Gegenreformation. Als er 1773 aufgelöst wurde, gab es bei uns 44 Ordenshäuser, in denen 838 Jesuiten arbeiteten. Erst 1854 siedelte sich der Orden erneut in Ungarn an. Bis 1950 konnte er vor allem im Bereich der Mittelschulausbildung und Organisierung der katholischen Presse ernsthafte Erfolge verzeichnen. Seit 1989 sind die Jesuiten wieder offiziell in Ungarn tätig.
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