Puritanismus, Puritaner (lat. purus, rein)

Radikaler Zweig der englischen Reformation. Setzte sich der unter Führung des Königs stehenden und von Bischöfen gelenkten anglikanischen Kirche gegenüber für das presbyteriale Kirchenmodell Kalvins bzw. eine von der katholischen Lehre und den Resten der Liturgie gereinigte Kirche ein (von daher ihr Name). Die Anhänger des Puritanismus wurden von den englischen Königen hart verfolgt, weswegen viele in den 1620er Jahren nach Nordamerika auswanderten. Unter König Karl I. (1626-1649) bildeten die Puritaner die parlamentarische Opposition, die 1640 im Bündnis mit den Schotten und unter Führung Oliver Cromwells (1599-1658) die bürgerliche Revolution in England zum Ausbruch brachte. Als Folge davon waren sie in den Jahren der Stuart-Restauration (1660-1688) erneut gnadenloser Verfolgung ausgesetzt. Die radikalsten, vollständige Reliogionsfreiheit verkündenden Anhänger des Puritanismus bezeichnet man als Indepentenden (engl. independent, unabhängig). In der ungarländischen und vor allem siebenbürgischen reformierten Kirche erschien der Puritanismus ab den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts. Seine Vertreter zeichneten sich in erster Linie durch ihr pädagogisches Schaffen bzw. ihre Schulreformen aus (János Csere Apáczai). Die aus England und Holland heimkehrenden Anhänger des Puritanismus - allen voran János Dali Tolnai (1606-1660) - setzten auf Einfluß der englischen Revolution eine Bewegung in Gang, die eine Demokratisierung der Kirchenorganisation und Verinnerlichung des religiösen Lebens anstrebte. Ihre strenge Auffassung zeigte sich auch in Äußerlichkeiten (einfache, schmucklose Kleidung, kurz geschorenes Haar). Ihre Bestrebungen blieben zwar weit hinter den Zielen der englischen Independenten zurück. Dennoch übersetzten und publizierten sie enthusiastisch - viele beherrschten die englische Sprache ausgezeichnet - die Werke der englischen puritanischen Autoren (z.B. William Perkins, Lewis Bayly, William Ames).

AM-PÁ-JúSz