Hutbe

Istambul, Rustem Pascha-Dschami
Im Gegensatz zur allegemein verbreiteten Auffassung bedeutet das vom arabischen Verb hataba (predigen, vortragen) abgeleitete Wort nicht das freitägliche Gebet, sondern die an diesem Tag gehaltene Predigt. Die Hutbe war sowohl in religiöser, als auch in politischer Hinsicht ein bedeutendes Ereignis im Leben der muslimischen Gemeinde. Die erste, sog. ermahnende Predigt beinhaltet die Lobpreisung Allahs, seines Propheten Mohamed und dessen Familie sowie das Glaubensbekenntnis. Diesem Teil schloß sich die an den jeweiligen Monat gebundene Ermahnung an, in deren Rahmen der Hatib die Gelegenheit ergriff, die Gemeindemitglieder an die Einhaltung der Vorschriften des Islam zu erinnern. Nach der Predigt forderte er die Gläubigen zum Gebet auf, woraufhin alle ihre Gebete verrichteten. Danach folgte der feierlichste und unter politischem Aspekt wichtigste Teil des Freitagsgottesdienstes, die zweite Hutbe, d.h. die Predigt der Eigenschaften. Darin erwähnte der Redner den Namen des Kalifen, in unserem Fall des osmanischen Sultans, was soviel bedeutete, daß über alle Gebiete, in denen der Hatib den Namen des Sultans in die Hutbe einschloß, der Sultan herrschte. Diese feierliche Form, die Oberhoheit zu proklamieren, war ebenso wie das Münzprägen ein äußerliches Zeichen der Macht, das alle Untertanen des Reichs leicht erkennen konnten.