Mufti

Gelehrter und seine Schüler in einem Garten
Im Türkischen müfti. Muslimischer Rechtsgelehrter, der das Fetwa, d.h. ein schriftliches Rechtsgutachten, ausstellt. Der ranghöchste Religionsjurist im Osmanischen Reich war der Istambuler Obermufti, den man ab dem 17. Jahrhundert immer öfter Schejhülislam nannte, d.h. Alter des Islam. Obwohl er nicht Mitglied des höchsten Legislativ- und Richterorgans (Sultansrat) war, entschied bei Rechtsstreitigkeiten zwischen den Kadiaskern und Kadis dennoch seine Meinung. Der berühmte Schejchülislam Sultan Suleimans, Ebussuud Efendi, riß das Recht zur Ernennung der Richter und Schulmeister an sich und wurde damit der einflußreichste Religionsjurist. Muftis gab es auch in einzelnen Provinzen des Reiches. Der ranghöchste ungarländische war der Ofner Mufti, er hatte die Entscheidungsgewalt bei lokalen Rechtsstreitigkeiten. Diese hochgebildeten muslimischen Rechtsgelehrten betätigten sich im allgemeinen auch als Lehrer an der Ofner Medresse des Mustafa Pascha und spielten im kulturellen Leben der lokalen muslimischen Einwohnerschaft eine wichtige Rolle. Die Bibliothek des Ofner Muftis war eine der reichsten lokalen Bibliotheken.