Barock
Der Begriff Barock ist eine auch heute umstrittene stilgeschichtliche Kategorie. Im 16. Jahrhundert verbreitet sich der barocke Geschmack von Italien aus in ganz Europa, besonders in den katholischen Regionen. Bei uns beginnt er Anfang des 17. Jahrhunderts. Substantiell ist er stark an die Ideologie der Gegenreformation gebunden, in seinen Vorbildern dagegen an den Renaissance- bzw. manieristischen Stil. Sein Hauptprinzip besteht unverändert in der Nachahmung des Antiken - selbstverständlich den veränderten Zielen und Geschmack des Zeitalters angepaßt. Das Wort selbst wurde ursprünglich in pejorativem Sinn auf das Zeitalter angewandt (unregelmäßig, unverständlich), welches diese Bezeichnung bei weitem nicht in dem Maße beleuchtet wie das der Renaissance oder des Manierismus. Der Barock denkt in jeder Kunst- und Kunstgewerbegattung in großen Einheiten, vor allem aber uniform: Merkmale der Architektur sind monumentale Gebäudekomplexe und ein die Mitkünste nutzender, alles überschwemmender Prunk, die der Plastik und Malerei dagegen Bewegtheit bzw. übermäßige Sensibilität. Das Erscheinen des Barock im königlichen Ungarn ist in die dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts zu setzen, wobei er im Laufe des Jahrhunderts auch hier nicht allgemein kennzeichnend wird, und in Siebenbürgen lebt in dieser Zeit die Spätrenaissance weiter.
Die barocke Poesie hält es für wichtig, gleichzeitig zu belehren und zu ergötzen, und beruft sich dabei auf die theoretischen Schriften von Aristoteles und Horatius. Da sie die Werke häufig in den Dienst ideologischer Ziele stellt, sind diese nicht frei von propagandistischen Kniffen, was in der Literatur soviel bedeutet, daß den Äußerlichkeiten, also den Formelementen, eine größere Rolle zufällt. In der Wahl seiner Kunstgattungen liebt der Barock die Monumentalität ebenfalls, weshalb auch das antike Epos wieder zum Leben erweckt wird. Im selben Moment, da das Ergötzen in den Vordergrund rückt, werden die Überraschung, das Staunenerwecken, die an Wendungen reiche Handlung zu wichtigen Komponenten. Wesentliche Mittel der Stilerneuerung sind das Erfinden möglichst frappierender Metaphoren sowie die langen und komplizierten Schachtelsätze.
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