SIEDLUNG UND WOHNORT
Städte im königlichen Ungarn im 16.-17. Jahrhundert
Obwohl Ungarn trotz Dreiteilung auch während der Türkenherrschaft Bestandteil des Systems der europäischen Wirtschaftsbeziehungen blieb, erschwerten die Kriege sowie die Teilung des Landes die Entwicklung unserer Städte dennoch maßgeblich. Das mittelalterliche Stadtnetz zerfiel, da mehrere königliche Freistädte (Ofen, Pest, Szeged) unter türkische Oberhoheit gerieten. Gleichzeitig gelangten die Marktflecken im Eroberungsgebiet dank des Rinderhandels zu beträchtlichem Wohlstand. In den nach Westen und Norden gerichteten Rinder- und Weinexport schalteten sich allerdings - hauptsächlich als Vermittler - auch königliche Freistädte ein (z.B. Tirnau, Preßburg, Kaschau, Ödenburg, Raab), woraus deren Bürgerschaft ebenfalls ansehnliche Einkünfte erwuchsen. Dieses angehäufte Kapital legten sie jedoch nicht in industriellen oder finanziellen Unternehmungen an, sondern erwarben stattdessen Ackerboden und Weinplantagen, um sich mit ihren eigenen Produkten stärker am Außenhandel beteiligen zu können. Deshalb vermochte das städtische Handwerk nicht, die herkömmlichen Rahmen der Zünfte zu sprengen. Folge davon war, daß die Entwicklung der königlichen Freistädte im Vergleich zu früher immer weiter hinter der der westeuropäischen zurückblieb und daß deren Bürgerschaft im Leben des Landes eine wesentlich geringere Rolle spielte als beispielsweise die Bürger deutscher oder französischer Städte.
Das Zentrum Oberungarns: Kaschau
Die königliche Freistadt Kaschau war schon vor der Schlacht bei Mohács eines der wichtigsten Wirtschaftszentren des Landes. Durch das Vordringen der Türken entwickelte sich die Situation der seit dem Zeitalter der Angeviner über ein bedeutendes Zunfthandwerk und Handelsbeziehungen verfügenden Stadt in mancherlei Hinsicht günstig, unter mehreren Aspekten jedoch nachteilig. Mit der Herausbildung des Systems der Grenzburgen und der Entstehung des Fürstentums Siebenbürgen wurde Kaschau in den 1560er Jahren das militärische und diplomatische Zentrum Oberungarns. Von hier aus lenkte der in der Stadt residierende Hauptkapitän die Verteidigung der Grenzburgen sowie die Beziehungen zu den siebenbürgischen Fürsten bzw. zu den Türken. Darüber hinaus war Kaschau das Zentrum der Finanzverwaltung, denn hier hatte die die Ärareinkünfte des Landesteils verwaltende Zipser Kammer ihren Sitz. Alle diese Funktionen verhalfen der Stadt zu einer, verglichen mit früher, bedeutenderen Rolle innerhalb des Landes. Für die Bürgerschaft hatte dieser Vorteil allerdings einen hohen Preis. Denn sie mußte es sich desöfteren gefallen lassen, daß der Hauptkapitän sich in die städtischen Belange einmischte, wenngleich das anwesende Militär für die Kaufleute und Handwerksmeister einen sicheren Markt bedeutete. Wirtschaftswachstum konnte die Stadt auch während der Türkenzeit verzeichnen, gelang es ihr doch, ihre früher führenden Positionen auf dem Handels- und Industriesektor in Nordostungarn beizubehalten. Das trug dazu bei, daß Kaschau in der Lage war, seine Privilegien als königliche Freistadt auch im 16.-17. Jahrhundert zu bewahren.
Bollwerk der Kaiserstadt Wien: Raab
Für den bischöflichen Marktflecken Raab brachten die türkischen Eroberungen einschneidende Veränderungen. Als im Jahr 1543 Stuhlweißenburg und Gran fielen, befand sich die Stadt am Ufer des Flusses Raab mit einemmal in der Nähe der türkischen Frontlinie. Infolge dessen baute sie der Wiener Hofkriegsrat bis zu den 1560er Jahren als militärisches Verwaltungszentrum der die Kaiserstadt verteidigenden Hauptmannschaft aus. Raab wurde zu einer modernen Festung, einer sogenannten Festungstadt. Sie erhielt ein regelmäßiges Straßennetz, ihre Wehranlagen wurden in bedeutendem Maße erweitert und in der Festung eine mehrere hundert Mann starke ungarische und deutsche Garnison stationierte. Die militärischen Ziele gingen also weit über die Interessen der Bürgerschaft hinaus, was damit verbunden war, daß der Hauptkapitän die Privilegien und Wirtschaftstätigkeit der Bürger auf jedem Gebiet stark einschränkte. Aber auch für Raab hatte die Nähe der türkischen Frontlinie Vorteile. Einerseits bedeutete das Militär einen Absatzmarkt für die Händler und Handwerker der Stadt, andererseits konnten sich auch die Raaber Kaufleute als Vermittler am einträglichsten Zweig des Außenhandels beteiligen, nämlich am Rinderexport des türkischen Eroberungsgebiets in Richtung Westen. In erster Linie diesem Umstand hatte es die Bürgerschaft zu verdanken, daß ihre Privilegien nicht nur bestehen blieben, sondern trotz Einmischung des Militärs sogar erweitert wurden, und daß Raab im 16.-17. Jahrhundert eine der bedeutendsten Festungs-, Handels-, ja sogar Schulstädte des Landes war.
Ofen zur Zeit der Türkenherrschaft
1541 wurde Ofen, die Renaissance-Hauptstadt von König Matthias, das Militär- und Verwaltungszentrum der Grenzprovinz eines Weltreiches und Sitz eines Paschas. Seine ungarische Einwohnerschaft, die zwar 150 Jahre hindurch ausharrte, schrumpfte auf die Hälfte. An ihre Stelle traten Moslems (überwiegend serbischer und bosnischer Abstammung), jüdische und Zigeunerbevölkerung, die hauptsächlich Soldaten, Beamte oder Kaufleute waren. Insgesamt lebten in der Stadt dennoch weniger Menschen (7000-7500) als zu Matthias' Zeit. Die einzelnen Religionsgemeinschaften waren streng voneinander getrennt. Die Türken nahmen zwar die leerstehenden oder geräumten Wohnhäuser in Besitz, bauten aber nur selten neue. Lediglich mit dem Bau der für ihre Lebensweise notwendigen öffentlichen Gebäude (Dschamis, Moscheen, Bäder, Schulen, Armenküchen, Basare) befaßten sie sich, und auch das überwiegend auf den Grundmauern oder durch Umbau mittelalterlicher ungarischer Gebäude. Das Wirtschaftsleben der balkanisch geprägten Grenzstadt ruhte auf drei Pfeilern: dem Handwerk (und innerhalb dessen den typisch türkischen Gewerken wie z.B. Leder- und Kupferhandwerk), der Landwirtschaft (Weinbau, Kelterei, Getreideanbau, Gärtnerei) sowie dem Handel. Obwohl der Warenverkehr zwischen dem türkischen Eroberungsgebiet und dem königlichen Ungarn zum großen Teil über Ofen abgewickelt wurde, was dem türkischen Zollamt beträchtliche Einnahmen brachte, hatte die Stadt ihre frühere Rolle als Wirtschaftszentrum und Marktorganisator verloren.
Siebenbürgische Städte
Die größten Städte des Fürstentums Siebenbürgen waren jene - zumeist - sächsischen Städte (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Schäßburg, Medwisch, Klausenburg), die durch die Aufsicht über die Siebenbürgen durchquerenden spätmittelalterlichen Handelsrouten und den Handel mit levantinischen Waren schon Anfang des 16. Jahrhunderts zu außerodentlichem Reichtum gelangten. Infolge der zunehmenden Isolation Siebenbürgens vom Handelsgeschehen kam die Entwicklung der sächsischen Städte im Laufe des 16.-17. Jahrhunderts ins Stocken, denn ein Teil der wichtigsten Handelsrouten in Richtung Moldau und Walachei blieb ihnen verschlossen. Dank der verbliebenen Handelsbeziehungen zu Süddeutschland gelang es den sächsischen Gewerken jedoch, ihre weithin berühmten Produkte des Goldschmiedehandwerks auf westeuropäischen Märkten umzusetzen, wodurch der Wohlstand der sächsischen Städte auch unter der Herrschaft der siebenbürgischen Fürsten gewährleistet war. Siebenbürgische Marktflecken bildeten sich an solchen Orten heraus, wo die größten Märkte stattfanden (Neumarkt, Udvarhely), allerding in wesentlich geringerer Zahl und mit weniger Einwohnern. Die meisten davon waren sog. "Taxationsstädte", d.h., sie erhielten ihre Privilegien vom Fürsten und durften ihre Steuern als Gesamtbetrag an die fürstliche Schatzkammer abführen.
Schatzkästchen Klausenburg
Diese früher sächsische, Ende des 16. Jahrhunderts aber überwiegend schon ungarische Großstadt hat in der Geschichte Siebenbürgens eine führende Rolle gespielt. Sie kontrollierte die Handelsroute in Richtung Ungarn und erhielt 1558 von Königin Isabella das Stapelrecht, was entscheidend zum Reichtum der Stadt beitrug. Auch die Fürsten von Siebenbürgen hielten sich häufig hier auf, was für die Klausenburger Anreiz war, ihrer Stadt mit dem Bau von kleinen Renaissancepalästen bzw. neuen Häusern das Antlitz einer angemessenen Residenzstadt zu geben. Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts ergriff die Bürger ein regelrechtes Baufieber. Ganze Straßenzüge wurden verschönert oder umgestaltet, so daß Klausenburg neben Karlsburg zur zweiten Hauptstadt Siebenbürgens wurde. Lokale Steinmetzmeister schmückten nach dem Vorbild der italienischen Architektur Tore, Fassaden und Gewölbe, die die Stilmerkmale der siebenbürgischen Blumenrenaissance trugen. Hier traf sich die einfache Eleganz der auf Arkaden ruhenden Renaissanceloggien mit den typischen Zügen der volkstümlichen Baukunst, was besonders an den größeren Stadthäusern und adligen Landsitzen zu beobachten ist. Begleitet wurde der wachsende Reichtum der Stadt von einem pulsierenden Geistesleben. War es doch die Klausenburger Druckerei Gáspár Heltais, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Vielzahl der Werke der schöngeistigen. Disputations- und Wissenschaftsliteratur druckte.
Karlsburg
Die 1556 nach Siebenbürgen zurückkehrende Königin Isabelle bemühte sich zuerst darum, den verlassenen Karlsburger Bischofspalast als würdige Fürstenresidenz einzurichten. Sie ließ die Säle mit den hauptsächlich als Geschenke von Sachsen erhaltenen Silber- und Goldgegenständen, mit Tapisserien aus Seide und Brokat schmücken. Zu einem wirklichen Renaissancefürstensitz wurde die Stadt unter den Báthoris. Da die Landtage am häufigsten in Karslburg zusammentraten und die Stadt als fürstliche Residenzstadt fungierte, waren auch viele siebenbürgische Aristokratenfamlien bestrebt, hier ein Haus zu erwerben oder als Schenkung vom Fürsten zu bekommen.
Temeschwar im Zeitalter der Türkenherrschaft
Während Ofen dazu ausersehen war, Wien gegenüber die Pforte zu vertreten, bot es die geographische Lage von Temeschwar geradezu an, daß der hiesige Beglerbei (mit den ihm unterstellten 6-7000 Mann Burgbesatzung und Spahis) von hier aus Siebenbürgen im Auge behielt. Die Stadt hatte ähnlich wie Ofen mehrzählig türkische Einwohner und zeigte ein eher ländliches Bild. Ihre alte Burg benützten die Eroberer als innere Burg, wo es nur Militärbauten gab und der Burghauptmann wohnte. Eine der beiden Vorstädte nannte man Raizenstadt, aber türkische Moscheen standen überall, auch in den Vierteln der Raizen. Die unmittelbare Umgebung der Stadt hatten der Fluß Temesch und seine Nebenarme in ein Sumpfgebiet verwandelt, und selbst die Stadt fußte auf morastigem Gelände, so daß man die Straßen mit auf Pflöcken befestigten Brettern belegen mußte. Das Geschäftsleben spielte sich im Zentrum der Innenstadt und in einer seiner Straßen ab, hier befanden sich der Markt und zahlreiche Läden. Neben Moscheen verstärkten Karawansereien, Bäder, Schulen und Kaffeehäuser den Eindruck einer orientalischen Stadt. Der Großteil der Türken und Raizen wohnte in Häusern mit einem Zimmer, Küche und Hof. Ihre Wein- und Obstgärten lagen außerhalb der Stadt, und verborgen zwischen diesen die Klöster der Derwische.
Die "selbständigen" Marktflecken der Sultane in der Großen Tiefebene
Die wohlhabendsten Marktflecken im Eroberungsgebiet unterstanden als sog. Hassgüter in der Regel unmittelbar dem Schatzamt. Diese Siedlungen wurden nie bzw. erst vom Ende des 16. Jahrhunderts an türkisch verwaltet, und auch türkisches Militär oder Zivilisten wohnten nicht darin. Ihre Selbständigkeit erkauften sie sich mit gewaltigen Steuersummen. Die zuständigen türkischen Behörden schrieben die laufend wachsenden Geld- und Naturalienabgaben nur aus. Sie unter den Bürgern aufzuteilen und einzuziehen, war Aufgabe der Städte, deren Vetreter sie dann den türkischen Ämtern überbrachten. Das alles gewährte den Marktflecken relative Unabhängigkeit. Sie konnten eigenverantwortlich wirtschaften, hatten einen eigenen Haushalt und dadurch die Möglichkeit, sich bei der Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung nach den ungarischen Gesetzen zu richten. Die ökonomischen, richterlichen und Verwaltungsaufgaben versah der jährlich gewählte Stadtrat mit einem obersten Richter an der Spitze. Die Sitzungsprotokolle und Rechnungsbücher führte der Notar. Für die alltäglichen Belange der Wirtschaftstätigkeit waren Richter niedrigeren Ranges zuständig (Weinrichter, Marktrichter, Stuhlrichter). Die Stadt unterhielt die Kirche und die Schule, sie berief den Geistlichen und kam für seinen Unterhalt auf. Diese bis zum 17. Jahrhundert erstarkende Selbständigkeit der Marktfleckgemeinden, zu der auch die Selbstverteidigung gehörte, übte auf die Bewohner der Dörfer eine große Anziehungskraft aus.
Gartenstädte
Vor der Niederlage von Mohács war die Große Ungarische Tiefebene eine dicht besiedelte Region, in der es viele Dörfer mit großer Einwohnerzahl gab. Nach der Dreiteilung des Landes aber verweisten diese Dörfer eines nach dem anderen. Ihre Bewohner wurden entweder als Sklaven verschleppt, oder sie fanden in einer der nicht verwüsteten Gemeinden Zuflucht, wo mehr Menschen lebten und sie bessere Überlebenschancen hatten. Diese zu Marktflecken angeschwollenen Orte rissen dann die Fluren der vernichteten Dörfer an sich. (Debrezin hatte schon im Zeitalter der Hunyadis eine Gemarkung von 90.000 Katastralmorgen, die Gemarkung von Nagykõrös umfaßte 50.000, und auch zu Kecskemét gehörte der Boden von sechs zerstörten Dörfern.) Die weiten Fluren der ausgedehnten Marktflecken und Riesendörfer der Tiefebene wurden nur innerhalb der inneren Zone bestellt. Einen großen Teil des Bodens ließ man brach liegen und verwendete ihn in erster Linie als Weideland zur Tierhaltung. Historischen Angaben zufolge wurden die großen Rinderherden, die man als Export in Richtung Westen auf den Weg brachte, im wesentlichen auf den Weiden der Marktflecken des Tieflandes gezüchtet.
Die im großen Stil betriebene Haltung und Ausfuhr von ungarländischen Rindern entfaltete sich ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Südwesten wurde das ungarische Rind von Venedig, im Westen in größeren Mengen von den expandierenden deutschen Städten (Wien, Augsburg, Nürnberg), aber auch von böhmischen und mährischen Städten aufgekauft. In Nürnberg beispielsweise konnten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts jährlich 70.000 und in Wien in den Sommermonaten sogar wöchentlich 7-11.000 Rinde an den Käufer gebracht werden.
Der rasch aufblühende Wirtschaftszweig, die Rinderhaltung, benötigte jedoch riesige Weidegründe, und diese waren in der Tiefebene, hauptsächlich im Donau-Theiß-Zwischenstromgebiet, vorhanden. Kecskemét gehörte zu den wenigen Städten, die die Verwüstungen der Türken überlebt hatten. Es nahm einen Teil der Bewohner der zerstörten kleinkumanischen Siedlungen seiner Umgebung auf und vereinnahmte dann nach und nach auch die Fluren dieser verlassenen Dörfer. Das gepachtete Brachland wurde in Winter- und Sommerfluren aufgeteilt. Das Vieh der ärmeren Bewohner trieb man zu Gemeinschaftsherden zusammen und ließ es auf den Sommerfluren grasen. Jene Teile des Brachlandes, die sich für den Ackerbau eigneten, beließ man als Winterfluren. Sie wurden umgepflügt und darauf das notwendige Getreide angebaut. Hier überwinterten die Rinder. Diese Weiden nannte man Quartier, Garten oder Gehöft. Die Bezeichnung Garten bedeutete jedoch nicht, daß es sich um Kulturboden handelte, sondern dies waren lediglich Hürden ohne Überdachung, in denen man das Vieh hielt, damit es nicht auseinander laufen konnte.
Flurgärten konnten sich sowohl in den inneren, als auch den entlegeneren Gemarkungen der Marktflecken herausbilden. Die ältesten Flurgärten entstanden durch freie Besitzergreifung. Diese Ländereien wurden dann von Generation zu Generation weitervererbt, verkauft oder erworben. (In Nagykõrös nannte man sie "von den Ahnen überkommene" oder "nach dem Erbrecht besessene" Gärten.) Ähnliche Zustände wie in der Umgebung von Kecskemét herrschten im 15.-17. Jahrhundert auch in Szeged, Jazygien und Großkumanien.
Im Jahr 1570 erfaßten die Türken in der Gemarkung der Stadt Szeged und den umliegenden Fluren insgesamt 154 Quartiere. Die Szegediner Quartiere des 16. Jahrhunderts wurden gleichermaßen zur Heumahd wie zum Überwintern der Tiere und zur Bodenbestellung genutzt. Ihre Besitzer waren großenteils wohlhabende Ackerbürger, Szegediner Civis-Bauern, aber es gab darunter auch Handwerker, ja sogar türkische Beamte.
Einen besonderen Typ der Marktflecken mit zwei Innengrundstücken bildeten die Heiduckenstädte, die in den von den Türken verwüsteten Gebieten zu Verteidigungszwecken gegründet wurden. Den Kern der Städte, die aus der Kirche und den umliegenden Wohnhäusern bestehende Innenstadt, umgaben ein Wall und starke Palisaden. Die Gärten mit den Viehherden und den sonstigen landwirtschaftlichen Produkten bzw. Geräten befanden sich außerhalb der Palisaden. In Hajdúböszörmény war selbst der Garten durch einen Wall geschützt, weshalb es seine Kreisform bis in die Gegenwart behalten hat.
Osmanisch-türkische Architektur
Die Bautätigkeit der Türken, die sich in erster Linie in den Städten ansiedelten bzw. in den eroberten Burgen stationiert waren, hatte zwei Seiten. Bautätigkeit zu militärischen Zwecken bedeutete, daß die Burgen besser befestigt bzw. im Falle wichtigerer Zentren - wie z.B. Ofen oder Gran - das System der Wehranlagen bedeutend ausgebaut wurde. Die zivile Bautätigkeit war dazu berufen, den alltäglichen Ansprüchen des sich etablierenden Türkentums zu dienen. Die Veränderungen im Bild der von den Türken eroberten ungarischen Siedlungen vollzogen sich schrittweise. Innerhalb weniger Jahre tauchten in unseren Städten die charakteristischen Bauten der türkischen Architektur auf: die Dschamis, Moscheen, Medressen, Türben und die unentbehrlichen Bäder. Häufig nutzten die Eroberer die Werke der mittelalterlichen ungarischen Baukunst, hauptsächlich öffentliche Gebäude, die sie gemäß ihren eigenen Bedürfnissen um- oder neugestalteten. Entgegen diesen Umgestaltungen behielten unsere Städte ihr mittellaterliches Gefüge bzw. Straßennetz auch im Zeitalter der Türkenherrschaft. Nach der Rückeroberung von den Türken Ende des 17. Jahrhunderts bedurfte es eigentlich nur weniger Jahre, bis die türkischen Gebäude verschwanden. Und im Rahmen der großangelegten Umgestaltungen der Städte, die im 19. Jahrhundert einsetzten, wurden die noch stehenden Basteien oder Wehranlagen in den meisten Orten endgültig abgerissen.
Dschamis
Die wichtigste Gruppe der Bauten osmanisch-türkischen Ursprungs bilden die Dschamis bzw. Moscheen. Viele dieser Gebäude entstanden, indem man christliche Kirchen ganz oder teilweise umbaute. Die Inneneinrichtung, Altarbilder und Skulpturen wurden entfernt, die Wandgemälde bzw. Fresken ließ man unter einem Kalkanstrich verschwinden. Wo es möglich war, wie z.B. in der Pester innerstädtischen Pfarrkirche, richteten die Türken in der Südmauer des Chores eine Mihrap (Gebetsnische) ein. Bedeutende Umbauten nahmen sie an der Südseite der nach der Eroberung Ofens im Jahr 1541 rasch zu einer Dschami umgestalteten mittelalterlichen Liebfrauenkirche vor, ohne jedoch deren typische Masse bzw. gotische Grundrißanordnung wesentlich zu verändern. In ähnlicher Weise verfuhren sie mit der Sankt Georgskirche in der Ofner Burg, wo sie neben neben dem Kirchenbau, der seine mittelalterliche Architektur in vollem Umfang behielt, ein separates Minarett errichteten. Ein eigenwilliges Beispiel für die Verwendung vorhandener Gebäude ist die Graner Usitscheli Hadschi Ibrahim-Dschami, die durch Umbau eines aus dem 13. Jahrhundert stammenden Torturms der Stadtmauer entstand.
Man unterscheidet zwei Haupttypen der von den Grundmauern an durch und durch türkischen Dschamis. Zur ersten, allgemein verbreiteten Gruppe gehörten die Gebäude mit quadratischem Grundriß, deren Kuppeln auf einer außen achteckigen und innen kreisförmigen Trommel ruhten. Vor ihrer Hauptfassade erhob sich meist eine ebenfalls kuppelbedeckte Vorhalle mit drei Gewölbefeldern. Gemäß den Vorschriften des Islam wandten sich die Gläubigen beim Gebet in Richtung Mekka, dementsprechend waren die in Ungarn errichteten Dschamis südöstlich ausgerichtet. In der Mitte der SO-Mauer brachte man die Mihrap unter und daneben die Minbar (Kanzel). Ihr gegenüber, an der NW-Seite, lag der Eingang des Gebäudes. Neben diesem erhob sich an der NW-Ecke das zumeist aus dem Inneren der Dschami oder der Vorhalle zugängliche Minarett. Das schönste Beispiel für diesen Typ ist die Dschami des Gasi Kassim Pascha in Fünfkirchen. Sie wurde in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts an der Stelle der mittelalterlichen St. Bartholomäuskirche und unter Verwendung ihrer Steine erbaut. Ebenfall zu dieser Gruppe gehören unter den noch heute stehenden, bekannten Gebäuden die Dschami des Jakováli Hassan Pascha von Fünfkirchen, die Dschami des Malkotsch Bej in Siklós sowie die Ali Pascha-Dschami von Szigetvár.
Den anderen Typ der Dschamis bildeten die einfacheren Gebäude mit rechteckige Grundriß und Flachdecke oder einem Zeltdach. Bislang hat die Forschung zwei Bauten dieses Typs freigelegt. Beide wurden nach 1566 in der Burg von Gyula bzw. Szigetvár errichtet. Heute steht davon nur noch die Szigetvárer Suleiman-Dschami, das Gebäude in Gyula wurde bis zu den Grundmauern abgerissen. Seine ursprüngliche Form konnte aufgrund der hier durchgeführten Grabungen bzw. der aus dem 18. Jahrhundert erhalten gebliebenen Stiche rekonstruiert werden. Sein noch stehendes Minarett bewahrt das Andenken der Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Kethüda-Dschami von Erlau bzw. der Hamscha Beg-Dschami in Érd.
Grabdenkmäler (Türben) mit Achteckgrundriß und Kuppel gab es im türkischen Eroberungsgebiet Ungarns in großer Zahl, von denen jedoch nur zwei erhalten geblieben sind. Die Ofner Türbe des Gül Baba ließ Jahjapaschasade Mehmed Pascha zwischen 1543 und 1548 über dem Grab des Bektaschitenderwischs Gül Baba errichten, der zur Zeit des ersten Freitagsgebets nach der Eroberung der Burg von Ofen verstarb. Architektonisch sehr ähnlich ist dieser die Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Idriss Baba-Türbe in Fünfkirchen. Die inneren Organe Sultan Suleimans I. (1520-1566), der bei der Belagerung von Szigetvár fiel, wurden laut Überlieferung in Turbék bestattet. Während der Türkenzeit war dieser kuppelbedeckte, weiße Marmorbau mit Achteckgrundriß eine bedeutende Wallfahrtsstätte. Wo genau er gestanden hat, ist heute nicht mehr bekannt.
Bäder
Auch die türkischen Bäder lassen sich zwei großen Gruppen zuordnen. Die über natürlichen Quellen errichteten Warm- oder Thermalbäder werden Ilidsche, die Dampfbäder dagegen Hamam genannt. Der Unterschied zwischen beiden liegt in der Wasserversorgung bzw. in der Lösung des Problems der Beheizung. Bezüglich des Grundrisses bestehen keine wesentlichen Abweichungen. In beiden Fällen folgte man dem funktionellen Aufbau der römischen Bäder. Im türkischen Eroberungsgebiet Ungarns wurden beide Typen gebaut. Die sich einrichtenden Eroberer verwendeten auch in diesem Fall vorgefundene mittelalterliche Vorgängerbauten, und zwar in erster Linie dort, wo natürliche Thermalquellen entsprangen. Als türkisches Bad betrieb man in Ofen beispielsweise das heutige Kaiserbad (Bad des Veli Bej), das Raitzenbad und das Rudasbad (Jeschil direkli - Bad mit grünen Säulen). An ihrer Stelle hatten bereits im 15. Jahrhundert Badehäuser gestanden, lediglich im Falle des Király-Bades ist der mittelalterliche Vorgängerbau unbekannt. Dieses Bad, das türkenzeitliche Quellen übereinstimmend als Bad am "Hahnentor" erwähnen, wurde von Sokollu Mustafa Pascha (1566-1578) gegründet. Es ist ebenfalls ein Thermalbad, wurde allerdings von der im Garten des heutigen Lukács-Bades entspringenden Quelle gespeist, deren Wasser man durch Lehmrohre hierher leitete.
In der Stadt Erlau gab es zwei türkische Bäder. Das im Garten des Bischofspalastes noch heute stehende Bad des Arnaut Pascha wurde von Károly Esterházy vor dem Untergang gerettet. Er ließ das Gebäude renovieren und sogar noch zwei Räume anbauen. Gegenüber dem Eingang zur Burg lag das Valide Sultana-Dampfbad, von ihm sind heute nur noch die Grundmauern vorhanden. Es wurde nach der Rückerberung von den Türken noch kurze Zeit genutzt, doch nach 1765 erwähnen es die Quellen nicht mehr.
Den Namen des Ofner Paschas Güseldsche Rüstem (1559-1563) trugen zwei in Ungarn gegründete Bäder: Das in der Graner sog. Wasserstadt über einer Thermalquelle errichtete Ilidsche sowie das Stuhlweißenburger Hamam ähnlichen Namens. Von beiden Gebäuden blieben nur die Grundmauern erhalten. Unter den zahlreichen in Quellen erwähnten Fünfkirchner Bädern schließlich wurde bei archäologischen Forschungen in den vergangenen Jahren das als Teil einer Stiftung des Memi Pascha erbaute Bad freigelegt.
