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WIRTSCHAFT

Im Wirtschaftskreislauf Europas

Ungarn zerfiel nach 1541 politisch zwar endgültig in drei Teile, blieb aber wirtschaftlich auch während der Türkenzeit eine Einheit. Daran waren die türkischen Eroberer ebenso interessiert wie die Fürsten von Siebenbürgen oder die führenden Männer im königlichen Ungarn. Diesem Umstand verdankte es Ungarn, daß es auch weiterhin einen Teil des europäischen Wirtschaftskreislaufs bildete. Die Staaten Westeuropas kamen nicht ohne die ungarischen Rohstoffe und Landwirtschaftserzeugnisse aus, für die das Land in erster Linie Textilien, Eisenwaren und verschiedene Luxusartikel importierte. Der vom türkischen Eroberungsgebiet ausgehende Rinderhandel (jährlich ca. 200.000 Tiere) sicherte die Fleischversorgung Norditaliens, der süddeutschen Gebiete und der Kaiserstadt Wien, was Ungarn zum damals größten Fleischexporteur der Welt machte. Auch die leicht zu transportierenden ungarischen Weine gelangten in viele Gegenden Europas. Deshalb war der Handel in diesem Zeitalter neben der Rinderzucht, dem Weinbau und dem hauptsächlich auf Großgrundbesitzen und für den Binnenmarkt betriebenen Getreideanbau der bestimmendste und einträglichste Zweig der ungarischen Wirtschaft. Das wiederum bot vielen Menschen die Möglichkeit, reich zu werden oder sogar in den Adelsstand aufzusteigen, und es trug dazu bei, die Zeit der Türkenherrschaft zu überstehen.

Die Bedeutung der Großgrundbesitze

Grundlage der politischen, militärischen und ökonomischen Macht im türkenzeitlichen Ungarn waren die Großgrundbesitze. Die bedeutendsten Großgrundbesitzer des Landes (die Familien Batthyány, Nádasdy, Esterházy, Zrínyi, Széchy, Thurzó, Drugeth von Hommona, Csáky) verfügten über Ländereien, die sich über mehrere Komitate erstreckten. Hier konnten die Behörden des Staates und der Burgkomitate ihrem Willen nur dann Geltung verschaffen, wenn auch der Grundherr damit einverstanden war. Ein Teil der großen Grundherren besaß den Boden schon seit dem Mittelalter, eine andere Gruppe verschaffte sich die Güter im Laufe des 16.-17. Jahrhunderts durch geschickte Heiratspolitik und verschiedene Dienste. Mit diesen Besitzungen repräsentierten sie eine beträchtliche ökonomische Kraft, da sie sich neben dem Wein- und Getreideanbau auch in den florierenden Rinderhandel einschalteten. Im Grenzschutz des Königreichs Ungarn, das zu einem schmalen Streifen zusammengeschrumpft war, kam den Großgrundbesitzen eine wichtige Rolle zu, nahmen doch die Eigenheere der Grundherren gemeinsam mit dem vom König besoldeten Militär der Grenzburgen den Kampf gegen die einfallenden Türken auf. Darüber hinaus waren die in den als Wirtschaftszentren dienenden Burgen eingerichteten prunkvollen Aristokratenhöfe wichtige Zentren des kulturellen und geistigen Lebens.

Grenzen und Möglichkeiten der Industrialisierung

Der Aufschwung der Landwirtschaft und des auf ihren Produkten basierenden Fernhandels schränkten die Entwicklungsmöglichkeiten des ansich rückständigen ungarischen Gewerbes im 16.-17. Jahrhundert stark ein. Hinzu kam, daß die im Austausch für Rohstoffe und Lebensmittel aus dem Westen ins Land strömenden billigen Industriewaren den Rückstand des einheimischen Gewerbes weiter vergrößerten. Auch der Bergbau erreichte sein früheres Niveau nicht. Lediglich einer engen Schicht der Waffen und anderes Kriegswerkzeug herstellenden Meister, die sich als Heereslieferanten betätigen konnten, kam das ständige Kriegführen zugute. Das ungarische Handwerk beruhte auch weiterhin auf dem Zunftsystem. Allein dem Metallhandwerk gelang es, ein höheres Niveau zu erreichen. Die Zahl der Innungen hatte sich zwar bedeutend erhöht (besonders die der billige westliche Textilien verarbeitenden Schneider), doch Keime der manufakturellen Produktion bildeten sich nur in den bedeutenderen Städten (Preßburg, Ödenburg, Tirnau, Kaschau) sowie in der Eisen- und Glasherstellung heraus, und auch dort auf einem ziemlich primitiven Niveau. Die ersten Elemente kapitalistischer Unternehmungen erschienen im 17. Jahrhundert im monopolisierten Bergbau.

Die Steuerlasten der Bevölkerung im königlichen Ungarn

Während der Adel seinem Vaterland Blutzoll leistete, hatten die Untertanen des Königreichs Ungarn außergewöhnlich viele verschiedene Steuern zu zahlen. Der Leibeigene war seinem Monarchen ebenso steuerpflichtig wie seinem Grundherren und der Kirche. Ein Teil der Abgaben und verschiedenen Dienste mußte in Bargeld, der andere Teil in Form von Naturalien und Fronarbeit (Robot) geleistet werden. Die von den Landtagen zur Abwehr der türkischen Bedrohung beschlossene ständige Kriegssteuer (dica) zahlten die Leibeigenen in Bargeld, während sie die ebenfalls zum Gesetz erhobene unentgeltliche Arbeit (gratuitus labor) beim Bau von Burgbefestigungen ableisteten oder mit Geld ablösten. Zur gleichen Zeit schuldeten sie ihrem Grundherren nicht nur ein Neuntel von ihren Getreide- und Weinerträgen (nona) sowie Pacht (census) für die Benutzung ihre Leibeigenengrundstücke, sondern darüber hinaus auch noch Geschenke und sonstige Gebühren. An die Kirche lieferten sie ein Zehntel ihrer Erträge ab (Zehnt, decima), und sogar vom Burgkomitat durften sie zu dessen Eigenbedarf besteuert werden (Haussteuer). Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erdachte man zur Versorgung der in Ungarn stationierten kaiserlichen Truppen neue Steuerformen (Portion, Vorspann). Entgegen dieser hohen Steuerlasten boten sich für einen Teil der Leibeigenschaft dennoch Möglichkeiten, zu Reichtum zu gelangen.

Die Wirtschaft Siebenbürgens im 16. Jahrhundert

Siebenbürgen gelang es infolge seiner geographischen und ökonomischen Abgeschiedenheit nicht, sich in den Prozeß der durch die wirtschaftlichen Veränderungen in Europa anlaufenden Argrarkonjunktur in Ungarn einzuschalten. Mit dem hiesigen Getreideanbau bzw. der Tierhaltung wurden lokale Bedürfnisse befriedigt. Im Jahr 1568 verbot die Pforte Moldawien und der Walachei den Handel mit Siebenbürgen, was zu weiterer Isolation führte. Auch auf die Stadtentwicklung wirkte sich das begrenzte Angebot des Binnenmarktes nachteilig aus. Die siebenbürgischen Markflecken lassen sich weder in bezug auf ihre Bevölkerungszahl, noch ihre wirtschaftliche Rolle mit den damaligen Markflecken in der Großen Ungarischen Tiefebene vergleichen. Das Zunftgewerbe blieb auf mittelalterlichem Niveau stehen, wenngleich einigen Industriezweigen gegen Ende des Jahrhunderts der Schritt zur Spezialisierung gelang. Hermannstadt konnte seinen Wohlstand bewahren. Aber lediglich in dem nach und nach zu einer mehrheitlich von Ungarn bewohnten Stadt werdenden Klausenburg gab es Anzeichen eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums. Das war kein Zufall, denn dank des 1558 von Königin Isabella erhaltenen Stapelrechts kontrollierte die Stadt die nach Ungarn und Wien führende Handelsroute.

Das Schatzamt des Fürstentums

Die Grundlagen der späteren Finanzwirtschaft des fürstlichen Schatzamtes wurden im wesentlichen zur Zeit der Schatzkanzlerschaft von Frater Georg (1542-1551) gelegt, der die Ärareinkünfte des souveränen Fürstentums organisierte. Einen beträchtlichen Anteil an diesen Einnahmen hatten die Regalien, insbesondere die Einnahmen aus dem Salz- (Dés, Thorenburg, Salzgrub, Sechen, Salzburg) und Edelmetallabbau (Groß-Schlatten, Offenburg, Altenburg, Klein-Schlatten, Neustadt), sowie die Gewinne aus dem Goldumtausch und der Münzprägung. Im allgemeinen waren die siebenbürgischen Fürsten die größten Grundbesitzer des Landes, weil sie neben ihren Familienbesitzungen außerdem über die gewaltigen fürstlichen Fiskalgüter verfügten. Die Burgdomänen, zu denen sehr viele Dörfer gehörten (Kovár, Huszt, Szamosújvár, Somlyó, Jenõ, Wardein, Lugos, Karánsebes, Diemrich, Karlsburg), brachten dem Fiskus bedeutende Einnahmen. Ende des Jahrhunderts baute man an der Westgrenze des Fürstentums ein ausgedehntes Netz von ebenfalls sehr einträglichen Zollstationen (Dreißigstelzölle) aus. Zu diesen Einkünften kam die jährlich vom Landtag beschlossene Steuer, die von allen drei Nationen erhoben wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts beliefen sich die Einnahmen des Schatzamtes auf ca. 100.000 Forint, und unter den Báthoris auf schätzungsweise 300.000 Forint im Jahr.

Die Wirtschaftspolitik Gábor Bethlens

Bethlen baute eine starke Zentralmacht aus, und in hohem Maße hat dazu beigetragen, daß es ihm gelang, seine Fiskaleinnahmen auch von den Ständen unabhängig zu machen. Der Anteil der vom Landtag beschlossenen 60.000 Forint Jahressteuer betrug nämlich kaum zehn Prozent der jährlichen Gesamteinnahmen des Schatzamtes, die auf 600-700.000 Forint anzusetzen sind. Obwohl er von seinen Vorgängern ein veraltetes Steuersystem geerbt hatte, änderte er aus Achtung vor den ständischen Privilegien nichts daran. Da er auch die progressive Besteuerung der Städte nicht einführte, mußte er sich also nach anderen Geldquellen umsehen. Einen bedeutenden Platz in der wohldurchdachten, prä-merkantilen Wirtschaftspolitik Bethlens erhielten die Handelsmonopole. Der Fürst handelte mit siebenbürgischem Salz, Edelmetallen und Quecksilber, verkaufte im Ausland aber auch Rinder, Tierfelle und Fett gewinnbringend. Um den Bergbau lukrativer zu gestalten, rief er deutsche Bergleute nach Siebenbürgen. Im Jahr 1615 ließ er rückläufig bis 1588 die Güterschenkungen überprüfen und nahm dort, wo er konnte, die Güter in den Besitz des Fiskus zurück. Schließlich verschärfte er das Einziehen der aus dem Goldumtausch und der Münzprägung resultierenden Gewinne. Durch den Aufschwung des Handels verstärkte sich der Geldverkehr, was Siebenbürgen Reichtum brachte und dem Fürsten den notwendigen materiellen Hintergrund für seine militärischen Vorhaben sicherte.

Die Wirtschaft Siebenbürgens Ende des 17. Jahrhunderts

In den Krisenjahren zwischen 1657 und 1664 war Siebenbürgen von schweren Verlusten betroffen, es verlor Städte, Zollstellen und Handelsrouten. Fürst Apafi brachte mit starker Hand die Geldverschlechterung zum Stillstand: Er ließ den Geldumtausch streng kontrollieren und verbot die Ausfuhr von Edelmetall. Das fürstliche Handelsmonopol über die tratitionellen Bodenschätze - Salz, Kupfer, Quecksilber, Gold - brachte dem Fiskus hohe Gewinne ein. In den Meierhöfen erhielt der Anbau von Getreide und Gartenpflanzen neuen Antrieb, die Schaf- und Rinderhaltung wurde fortgesetzt. Nach den Anfangsschwierigkeiten des Zeitalters bildeten sich mit neuen Eisenhammerwerken, Glashütten und Papiermühlen die Anfänge der Manufakturindustrie heraus. Viele dieser Manufakturen wurden im Gebiet der Fiskalgüter betrieben. Vom Balkan kommende, aber unter dem Sammelnamen Griechen geführte Kaufleute brachten den Waren- und Geldverkehr Siebenbürgens in Schwung, und selbst einige siebenbürgischen Großherren beteiligten sich am Handelsverkehr. Die wachsenden Lasten des Staatshaushaltes versuchte der Fürst durch Steuererhöhungen auszugleichen (von 10 Forint pro Haushalt im Jahr 1664 stiegen die Steuerlasten 1686 auf 50 Forint). Die letzten drei Jahrzehnte des souveränen Fürstentums waren von beständigem Wirtschaftswachstum, Industrialisierung und Mehrung des Reichtums gekennzeichnet.

Besteuerung der Untertanen im Eroberungsgebiet

Den Türken standen in Ungarn hauptsächlich zwei Einnahmequellen zur Verfügung: die Landwirtschaftsproduktion der ungarischen Leibeigenen (Rajas) und die Verzollung des Warenverkehrs. Die Steuern der Landwirte lassen sich zwei Gruppen zuordnen: die sog. "Grundherrensteuern" und die staatlichen Steuern. Zur ersten Gruppe gehörte der Zehnt des Produktionsertrags und Tierbestandes (Getreide, Most, Schaf, Schwein, Fisch usw.), die verschiedenen Gebühren (z.B. Brautsteuer, Strafgelder usw.) sowie die sog. Torsteuer. Diese standen demjenigen zu, der die jeweilige Siedlung als Dienstgut erhielt (oder dem Schatzamt, wenn die Siedlung ein sog. Hassgut des Sultans war). Die staatliche Steuer bestand im 16. Jahrhundert im großen und ganzen aus der Dschisje und der zeitweilig erhobenen Kriegssteuer, die man in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aber ebenfalls in eine regelmäßige Jahressteuer umwandelte. Anfangs steuerten zahlreiche Gemeinden eine jährlich festgesetzte Pauschalsumme, doch diese Form wurde ab den 1650er Jahren immer seltener. Zu Lasten der Leibeigenen gingen auch die Versorgung des überwinternden Militärs und die Ausbesserungsarbeiten an den türkischen Burgen. Die Steuern und Dienstleistungen wuchsen ständig und mit minimalen territorialen Unterschieden. Geschütztere Marktflecken, Zollstellen und größere Dörfer wurden nach Möglichkeit vom Schatzamt selber besteuert, das den türkischen Beamten und Soldaten eher die Siedlungen entlang der Grenze überließ.

Doppelte Besteuerung und Kondominium

Obwohl eine dichte Kette von Grenzburgen sowohl die Grenzen des Eroberungsgebiets, als auch des königlichen Ungarn und Siebenbürgens verschloß, hinderte das die beiden Seiten nicht daran, von den im Gebiet des Gegners lebenden Leibeigenen Steuern einzutreiben. Besonders große Erfolge damit erzielte das Militär der ungarischen Grenzburgen, dem es innerhalb weniger Jahrzehnte gelang, die Tätigkeit der Steuereinziehung des ungarischen Adels bzw. zum kleineren Teil des Staates und der Kirche fast im gesamten Eroberungsgebiet wiederherzustellen. Im 17. Jahrhundert waren die Nachkommen der aus dem Eroberungsgebiet emigrierten Adligen zumeist wieder im Besitz ihrer früheren Güter, und zusammen mit ihnen nahmen nach und nach auch die geflüchteten adligen Burgkomitate ihre Tätigkeit wieder auf. Sie erhoben von ihren Leibeigenen im Eroberungsgebiet nicht nur Steuern, sondern unterstellten sie - bei striktem Verbot, sich an die türkischen Behörden zu wenden - teilweise auch der Juristiktion und Verwaltung der Burgkomitate. Das nennt man Herrschaft mehrerer Staaten über ein Gebiet (Kondominium). Es spielte im Bewußtsein der Aufrechterhaltung der Einheit des ungarischen Staates eine gewaltige Rolle. Im "Gegenzug" dafür erzwangen auch die Türken von zahlreichen Siedlungen im königlichen Ungarn Steuern, versuchten jedoch niemals, sich auf gesetzlichem Wege oder durch ihre Verwaltungsorgane in deren Alltagsleben einzumischen.

Aufblühende Marktflecken im Eroberungsgebiet

Durch den einträglichsten türkenzeitlichen Wirtschaftszweig, die Haltung und den Handel mit Rindern, gelangten viele Siedlungen, die sich daran beteiligten, zu Reichtum. Die Ackerbürger der "drei Städte" des Eroberungsgebiets (Nagykõrös, Cegléd, Kecskemét) und zahlreicher anderer, später wieder verarmter Siedlungen (Kálmáncsehi, Tolna, Ráckeve, Mezõtúr, Simánd) züchteten auf gepachteten Weidegründen Rinder und schalteten sich später in den westlichen Handel ein. Da die Haltung und der Wegtrieb in großen Herden geschah, waren am Zuchterfolg und Umsatz mehrere tausend Bauernwirtschaften interessiert. Die Bauern der wohlhabenderen Marktflecken und Dörfer hatten einen bedeutenden Anteil daran, daß die lokale Verwaltung der ungarischen Siedlungen trotz türkischer Besatzung aufrecht erhalten werden konnte. Die unternehmungslustigste Schicht von ihnen (z.B. Sebestyén Thököly, der Urgroßvater von Imre Thököly) verließ das Eroberungsgebiet später, wurde Bürger einer der größeren Städte des Königreichs (Tirnau, Kaschau), pflegte seine Beziehungen zum Eroberungsgebiet aber weiter.

Weinbau und -handel im Eroberungsgebiet

Der beste Wein im mittelalterlichen Ungarn kam aus dem Gebiet zwischen den Flüssen Save und Donau, aus Sirmien. Das auch außerhalb der Landesgrenzen begehrte Getränk wurde auf der Donau und Theiß in die großen Verteilerzentren (hauptsächlich nach Pest) gebracht.Doch nach den türkischen Angriffen von 1521 und 1526 floh die hiesige Einwohnerschaft und die Weingegend verlor ihre Bedeutung. Danach übernahmen zunächst die Regionen Somogy und Baranya diese Rolle. Die hier gekelterten Weine waren, teils aufgrund ihrer guten Qualität und weil es in der Nähe einen Wasserweg gab, ebenfalls für den Fernhandel geeignet. Noch im 17. Jahrhundert lieferte man von hier Wein in die großen Marktflecken im Donau-Theiß-Zwischenstomgebiet (deren Bürger sich zwischenzeitlich auch an den Rotwein aus der Großen Tiefebene gewöhnt hatten, der von den Serben gehandelt und verbreitet wurde). An der Wende 16./17. Jahrhundert stieg dann die Gegend Tokaj-Hegyalja zur namhaftesten Weinregion auf, wo man in den folgenden Jahrzehnten auch mit der Herstellung besonderer Aszúsorten begann. Am Ende des Jahrhunderts genossen diese Weine bereits europäischen Ruf. (In dieser Region standen nur die Weinbaugebiete von Gyöngyös und Miskolc unter türkischer Oberhoheit.) Obwohl man in erster Linie das Oberland und Polen mit Weinen von Hegyalja belieferte, wurden sie in einzelnen Teilen des Eroberungsgebiets ebenfalls gehandelt.

Ungarische, muslimische, jüdische und griechische Händler im Eroberungsgebiet

Im 16. Jahrhundert produzierte man die wichtigsten Artikel des ungarischen Außenhandels (das Rind, Tierfelle usw.) im Eroberungsgebiet. Da das erste Handelsabkommen zwischen Habsburgern und Türken erst 1615 zustande kam und die türkischen Untertanen das Königreich Ungarn langezeit nicht betreten durften, wickelten hauptsächlich ungarische Händler aus dem Eroberungsgebiet den Handelsverkehr zwischen beiden Landesteilen ab. Die türkischen Untertanen (Moslems, Juden, Balkanslawen, Griechen, Dalmatier) schalteten sich anfangs vorwiegend in den Binnenhandel des Eroberungsgebiets ein. Doch bald wuchs die Nachfrage nach ihren sog. "türkischen Waren" (verschiedene Textilien, Woll- und Baumwollstoffe, Futterstoffe, feines Leinen, Lederartikel, Teppiche, Kissen) auch außerhalb von dessen Grenzen. Im 17. Jahrhundert wurden diese Waren bereits mehrheitlich von Kaufleuten gehandelt, die man "Griechen" nannte (in Wirklichkeit waren es Serben, Armenier, Griechen, Dalmatier, Bulgaren, also einfach nur nichtmuslimische türkische Untertanen) und die sich von den 1620er Jahren an immer zahlreicher in einigen wichtigen Handelszentren des Fürstentums Siebenbürgen und des königlichen Ungarn (in Raab, Komarn, Kaschau und den Städten jenseits der Theiß) niederließen. Sie nutzten ihre Privilegien und verschafften sich Schritt für Schritt das Monopol im Handel zwischen den beiden Reichen.

HANDWERK

Ungarisches Handwerk

Ein Teil der in den Dörfern und Marktflecken des türkenzeitlichen Ungarn tätigen Handwerksmeister übte seinen Beruf als Leibeigener des jeweiligen Grundherren aus, dem er Pacht zahlte oder Frondienste leistete. Die geschicktesten Meister schlossen sich schon früh zu Zünften zusammen. Im 15.-16. Jahrhundert stieg die Zahl der Zünfte in den königlichen Freistädten, Kirchenzentren, Marktflecken der Grundbesitzer und Bergstädten, und der Kreis der Gewerbe erweiterte sich. In den unter dem Schutz des Sultans stehenden Orten im türkisch besetzten Gebiet (Nagykõrös, Kecskemet) ist das Weiterleben des Zunfthandwerks zu beobachten. Die zeitgenössischen Konskriptionen der Dörfer und Marktflecken zeugen von der Vielfalt der Handwerksberufe. Häufig wird darin neben dem Namen des Betreffenden auch seine Beschäftigung angegeben, wie z.B. im Falle des Stiefelmachers Péter Csizmár, des Türkenflötespielers Ferenc Sípos, des Büchsenmachers János Puskás oder des Drechslers János Tokár. Wie Peter Roussel, der Hauptkapitän von Tokaj und Szendro, 1574 in einem Brief an den König schrieb - dessen Gunst er einen Krieger namens Szabó anempfahl -, mögen es die Ungarn über alle Maßen, den Familiennamen der Handwerksmeister wegzulassen und sie beim Namen ihres Berufes zu nennen. Laut einer Eintragung im Komarner Jahresprotokoll von 1609 gab es in der Stadt 16 Metzger, und alle hießen sie Mészáros (=Metzger).

Müller, Bäcker, Honigkuchen

In der Lebensmittelversorgung der Städte und Marktflecken spielten die Müller und Metzger die Hauptrolle. Die vielen Flüsse und Bäche in Transdanubien und im Oberland boten sich geradezu an, Wasser- und Schiffsmühlen zu errichten, während im Donau-Theiß-Zwischenstromgebiet und in einem Großteil des Gebiets jenseits der Theiß Göpel- bzw. Trockenmühlen und Windmühlen das Mahlen verrichteten. Die alte ungarische Sprache hat mannigfaltige Bezeichnungen für Mühlen überliefert. So lief die "Höllenwettermühle" z.B. nur bei Gewitter (bei Höllenwetter), die "nach Wolken schreiende Mühle" bei Regen, und die "plappernde" Mühle war über einem Bach erbaut. Zu zahlreichen Gütern oder Burgen gehörten sog. Schnitzmüller, die bei Bedarf auch die Mühlen reparieren konnten.

In den Statuten der Städte verankerte man die Pflichten der Müller in Sonderregelungen. Die Stadt Kronstadt schrieb 1571 vor, daß ein Müllermeister, wenn er keine Mühle hat, nicht Zimmerleute, sondern Müller verdingen soll, die sich auf den Mühlenbau verstehen. Der von der Zunft gewählte Prüfer war verpflichtet, die Mühlen zweimal jährlich zu kontrollieren und diejenigen zu bestrafen, bei denen er Mängel feststellte. Bäcker gab es in dieser Zeit nur wenige. Gewiß ist, daß sowohl die Stadt- und Dorfhaushalte, als auch die adligen Landsitze ihr eigenes Brot bucken. Die Ofner Bäcker erhielten ihr Satzungen im Jahr 1695. Im Mittelalter spezialisierten sich die Zuckerbäcker auf das Herstellen von Süßigkeiten. Von ihrem ersten Erscheinen wissen wir hauptsächlich aus Westungarn. Die erste selbständige ungarische Innung der Zuckerbäcker wurde 1681 gegründet. Zuckerbäcker gehörten zu den ständigen Besuchern der Jahrmärkte und Wallfahrtsorte, wo sie eßbare und als Zierde gedachte (gemusterte, später auch bemalte) Honigkuchen, Met, Honigwasser sowie aus Bienenwachs gegegossene und gezogene Kerzen verkauften. Die zur Herstellung der gemusterten Honigkuchen erforderlichen Formen fertigten die Meister zum Teil selber an. Hervorragende Meister des 16. Jahrhunderts sind aus Pest, Debrezin, den Städten des Oberlandes und Transdanubien bekannt.

Metzger, Ölschläger

Die Mehrzahl der Metzgerinnungen bildete sich vom 15. Jahrhundert an in den dicht bevölkerten Landesteilen heraus. Um die bestmögliche Versorgung der Einwohnerschaft zu gewährleisten, regelte man die Pflichten der Pächter bzw. Besitzer von städtischen, dörflichen und zu Grundherrenbesitz gehörenden Schlachthöfen sehr streng. Vorschrift war beispielsweise, daß Seifensieder den Talg und Schuster bzw. Gerber die Tierfelle vorzugsweise erwerben durften. In der Großen Ungarischen Tiefebene trieben die Metzger selbst Handel mit lebendem Vieh. Die Nebenprodukte der Aufarbeitung von Rindern, Schafen und Schweinen - Fett, Speck, Talg - bildeten die Rohstoffe der Seifen- und Kerzenherstellung. Ähnlich wie das zum Waschen verwendete Natriumkarbonat, das Seifenkraut oder die Aschenlauge verbreiteten sich damals auch die Kenntnisse des Seifensiedens. Die frühesten Zünfte der Seifensieder entstanden in den Gerwerbezentren im Gebiet jenseits der Theiß; die erste bekannte Zunft wurde 1598 in Debrezin gegründet.

Die früheste bekannte Innung der Ölschläger bestand im Jahr 1517 in der Stadt Preschau. Meister, die das städtische Bürgerrecht erlangt hatten, wurden verpflichtet, aus einem halbem Scheffel Hanf- oder Leinensamen eigenen Anbaus Öl guter Qualität zu pressen. Das Öl mußte immer klar sein. Die Ölfässer mußten mit dem Meisterzeichen versehen werden, d.h. es war verboten, Leinen- und Hanföl zu vermischen. Ferner schrieb der Stadtrat vor, daß ausschließlich die Zunft Leinen- und Hanfsamen aufkaufen durfte. Auf diese Weise sorgten die Ölschläger für eine ausreichende Ölversorgung der Stadtbewohner. Im Gegensatz dazu wurden die Pottasche- und Salpeterherstellung oder das Sammeln von Natriumkarbonat niemals im Rahmen von Innungen betrieben. Die Ausübung dieser Beschäftigungen schränkte eine königliche Verordnung ein. Das Salpetersieden diente militärischen Zwecken, da Salpeter eine Komponente des Schießpulvers ist. Pottasche (Aschenlauge) und Natriumkarbonat fanden bei der Seifenherstellung bzw. in der alltäglichen Waschpraxis des bäuerlichen Lebens Verwendung.

Metallverarbeitung

Die bäuerische Praxis der Arbeitsphasen des Eisenhandwerks - Förderung, Verhüttung, Verarbeitung in Hammerwerken, Schmieden - ist unter anderem aus Torockó und dessen Umgebung bekannt. Torockó war das bedeutendste Eisenverarbeitungszentrum Siebenbürgens. Hier arbeitete eine große Zahl von Schmieden, Schlossern und Waffenschmieden, die Pflugschare, Werkzeuge und die verschiedensten Gebrauchsgegenstände herstellten. Die Eisenhammerwerke des Komitats Gömör schlossen sich 1585 in Jolsva zu einer Zunft zusammen, deren Satzungen der Burgkapitän von Murány herausgab. Über die Produkte der Hammerwerke informieren die Preisregelungen, die im Hinblick auf den Gerätebestand sehr lehrreich sind. In den Komitaten Borsod, Abaúj, Nógrád und Gömör wurden zahlreiche Hammerwerke betrieben, so daß die Preisbestimmungen für Schmiede auch über deren Erzeugnisse Auskunft geben. (Neben den herkömmlichen Schmiedearbeiten kommen darin Schieneneisen, Stangeneisen, Hacke, Pickel, für das Tiefland geeignetes Pflugeisen, Pflugmesser, Egge, Ketten, Beil, Sense, Sichel, Hammer vor.) Ein große Rolle spielten die Schmiedemeister bei der Herstellung von Eisengeräten für die Haushalte. Vorwiegend die in den herrschaftlichen Gutszentren und Marktflecken Transdanubiens tätigen Schmiede, Stellmacher und Schlosser gründeten im 17. Jahrhundert häufig gemeinsame Zünfte.

Mit Hilfe der Inventarverzeichnisse der einzelnen Herrschaftsgüter (z.B. des Herrschaftsgutes der Familie Rákóczi im 17. Jahrhundert) kann man sich ein Bild von den Geräten und Werkzeugen der Schmiede- und Schlosserwerkstätten machen. Die Schmiede und Schlosser in Marktflecken und Dörfern hatten vor allem viel zu reparieren (Richten von Pflugscharen, Reparatur von Wagenbeschlägen, Schleifen von Werkzeugen, Beschlagen von Pferden, Ausbesserung von Fenster- und Türbeschlägen), aber sie beschäftigten sich auch mit dem Anfertigen von Schlössern, Spornen, Hufeisen und Trensen.

Die Meister der Lederherstellung

Die Gerber waren in diesem Zeitalter weithin berühmt; sogar in Frankreich kannte man die Lederherstellung nach ungarischer Art. Ebenfalls mit Leder arbeiteten die Sattler. Im 15.-16. Jahrhundert kam es zu einer Trennung des Schuster- und Stiefelmacherhandwerks. Die im 16. Jahrhundert erscheinende und immer beliebter werdende türkische Mode führte dazu, daß man das Wort Stiefel in der Schuhwerkherstellung mehr und mehr für die ungarischen Schuhe zu verwenden begann. Von den Meisterstück-Bestimmungen der Zünfte wurde in dieser Zeit sogar vorgeschrieben, wie ein "gezackter Krummstiefel", ein "ordentlicher Pantoffel" und ein "stattlicher Stiefel" zu verfertigen sind, weiters daß alle drei aus Karmesin gemacht werden müssen und wie der Meisteranwärter das Karmesin "zuschneiden und verarbeiten" soll. Die städtischen Meister fertigten extra Bauernstiefel und Stiefel für Herren aus feinem Korduanleder. Die Bauernstiefel waren spitz, im Rist faltig und am Schaft mit einer blauen Schnur eingefaßt.

1568 schlossen sich die Schildmacher, Waffenschmiede und Sattler von Tirnau zu einer gemischten Innung zusammen. In Westungarn trennten sich im 16. Jahrhundert die ungarischen und deutschen Sattler. Während die Ungarn hauptsächlich Wagen- und Pferdegeschirre anfertigten, stellten die deutschen Sattler schwere Sättel her. Die Kürschner beschäftigten sich neben der Aufbereitung und Verarbeitung von Schaf- oder Ziegenfellen auch mit Pelzen von zalreichen Wildtieren. Die Mehrzahl dieser Pelze fand an der Bekleidung des Adels, später aber auch der wohlhabenderen Stadtbürger Verwendung (zum Füttern für Handschuhe oder Mützen, für Pelzmäntel oder Pelzjacken). Am größten und prächtigsten waren, in Transdanubien ebenso wie in der Großen Tiefebene, die Mäntel oder Jacken aus Schafpelz. Besonders in den reformierten Marktflecken der Großen Tiefebene achtete man streng darauf, daß sich die herrschaftliche von der bäuerlichen Tracht unterschied. 1698 bestrafte der Magistrat von Kecskemét den Schäfer György Dékány, weil dieser sich eine nicht zu ihm passende, geschmückte Pelzjacke hatte machen lassen. Deshalb nahm man ihm die Jacke weg und er selbst wurde ausgepeitscht. Der Kürschner aber bekam Arrest, wo er die Verzierungen von der Jacke entfernen mußte. Darüber hinaus mußte er dem Schäfer die Preisdifferenz zur einfachen Pelzjacke zurückerstatten.

Tuch-, Mützen- und Knopfmacher

Die Nebenprodukte der Lederherstellung - Pelzabfälle, Horn, Knochen - wurden von anderen Gewerken weiterverwendet, z.B. von Tuch-, Mützen- oder Hutmachern. Auf vielen zeitgenössischen Darstellungen begegnet man den Erzeugnissen der Walker und Schneider, die sich schon seit dem frühen Mittelalter zu Zünften zsammenschlossen. Ungarische Schneider bereisten im allgemeinen die Landesmärkte; die Wechselschneider arbeiteten nach Maß und auf Bestellung, während die Marktschneider Massenartikel anfertigten. In einem für das ganze Gebiet Siebenbürgens gültigen Fürstendekret werden sie 1627 erstmals erwähnt. Artikel 17 der Satzungen von Fülek verbot 1675 den Pfuschern, daß sie ihre Waren auf dem Markt anbieten. Die Knopfmachermeister befriedigten vorwiegend ungarische Bedürfnisse, doch der Schnurbesatz wurden von den hier lebenden Völkern ebenso übernommen. Ihre für Aristokraten und andere Adlige angefertigten Kleidungsstücke machten in ganz Europa Mode. Die ungarische Tracht war dermaßen populär, daß 1691 sogar in Wien eine Zunft der ungarischen Knopfmacher gegründet wurde. Die Posamentierer, die zumeist mit den Knopfmachern eine gemeinsame Zunft bildeten, arbeiteten nach deutschem Geschmack. Im Zunftbrief der Meister von Eisenstadt war verankert, daß Ungarn ihr Meisterstück nach ungarischer Mode und Deutsche das ihre nach deutscher Mode anzufertigen haben.

Blaufärber, Seiler

Das Blaufärben entwickelte sich aus dem in mittelalterlichen Städten und Klöstern praktizierten Zeugfärben; als seltenes Handwerk hatte es damals noch keine eigenen Zünfte. In den Städten Leutschau, Preschau, Käsmarkt und Zipser Neudorf bestand eine gemeinsame Innung (1608), deren Mitglieder sich mit dem Färben von Leinen, Tuch und Seide beschäftigten. Eine selbständige Zunft hatten dagegen im 16.-17. Jahrhundert die Mützen- und Hutmacher. Das Tragen einer Mütze gehörte im 16.-17. Jahrhundert zum guten Ton und war Bestandteil der Garderobe von Adligen. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Mütze dann ein beliebtes Kleidungsstück der bäuerlichen Volkstracht. Seiler arbeiteten in diesem Zeitalter als Leibeigene oder selbständige Handwerker auf den Gütern der Grundherren bzw. in den Zünften der Städte und Marktflecken. Im 16. Jahrhundert gründeten nach den Sachsenstädten Siebenbürgens auch immer mehr Bergstädte im Oberland neue Innungen. Infolge des Aufschwungs der Landwirtschaft, des Bergbaus, Fernhandels und der Schifffahrt stieg der Bedarf an Seilerwaren zu Wirtschaftszwecken beträchtlich. Zur Herstellung der langen, dicken Schiffstaue und Bergbauseile waren besondere Fachkenntnisse und Hanf guter Qualität erforderlich. Die Zünfte achteten auf die Qualität des Hanfes, den sie im allgemeinen selber aufkauften und an ihre Mitglieder verteilten. In Transdanubien wurden erst Anfang des 17. Jahrhunderts selbständige Seilerinnungen gebildet; in Gyõrsziget z.B. 1628 und in Ödenburg 1631.

Hausbau und Holzverarbeitung

Da man im Ungarn des 16.-17. Jahrhunderts fast alles aus Holz anferftigte, war dieses Zeitalter die Blütezeit der Beschäftigung mit Holz. Bereits im 16. Jahrhundert bildeten die Zimmerleute, Tischler, Stellmacher, Drechsler, Radmacher und Böttcher selbständige Zünfte. Die ungarischen Burgen, Schlösser, Bauernhäuser oder Meiereigebäude wurden aus Erde und Holz erbaut. (Man trieb Pflöcke nebeneinander in den Boden und verband diese durch ein dichtes Rutenflechtwerk, das man außen und innen mit mehreren Schichten spreuhaltigen Schlammes verschmierte. Dies nannte sich Strohlehmmauer.) Und wenn die Palisadenhölzer gut behauen, die Basteien gut verbunden sowie mit Dachsparren versehen und die fest geflochtenen Mauern gut mit Schlamm beworfen waren, dann hatte eine solche Burg nichts von den feindlichen Kanonen zu befürchten. Der Bauer baute sich sein Haus von eigener Hand. Er selbst zimmerte die Eckhölzer, schnitzte den Meisterbalken, flocht die Wände aus Weidenruten und deckte das Dach mit Schilf oder Stroh. Auch die Mühlen wurden von den Müllern erbaut, die sich ebenfalls darauf verstanden, Eichenholz zu schneiden und zu schnitzen. Aus zahlreichen Dokumenten erfährt man von den Faßbindern, Küfern, Böttchern, den Eimer und Kannen herstellenden Leibeigenen, die in Dorf oder Stadt Böttcherdienste leisteten. Die im 17. Jahrhundert geführten Urbarien von Homenau berichten, daß die Herrschaft jährlich 500 Holzschüsseln und -teller von ihren Meistern geliefert bekam. Darüber hinaus mußten alle Schreiner, Zimmerleute und Stellmacher jeweils zwei Schränke, das heißt Truhen, für den Grundherrn anfertigen.

Herausragende Denkmäler der in den Marktflecken und Dörfern tätigen Tischlermeister sind jene Kirchen des 16.-17. Jahrhunderts, deren Decken aus Balken und bemalten Holzkassetten, geschnitzte Kanzeln und Bänke von großem Einfluß auf die volkstümliche Dekorationskunst waren. Bei den Tischlern vererbte sich das Handwerk und seine Kenntnis oftmals vom Vater auf den Sohn (z.B. die Umling-Dynastie in Siebenbürgen). Die Decke der Kirche in Gogeschburg wurde zwischen 1503 und 1520 angefertigt. Die 1676 entstandene Decke der Kirche von Tesch ist eine Arbeit des Parajder Meisters János Illyés.

Töpferhandwerk, Keramik

Im 16.-17. Jahrhundert mehrte sich auch die Zahl der Zünfte der mit Ton arbeitenden Meister - der Töpfer, Hafner und Glaser. Die Töpfer in den Dörfern benützten zumeist die handbetriebene Töpferscheibe. Im Gegensatz dazu arbeiteten die städtischen Töpfer mit fußbetriebenen Scheiben, und sie gingen später auch zur Herstellung von glasierten Gefäßen über. Schon vor der türkischen Eroberung gab es in den hochherrschaftlichen Wohnungen grün oder gelb glasierte Kachelöfen. (Die Arbeit des Hafners und Töpfers ließen sich nicht voneinander trennen; die Ofenkacheln und verschiedenen Gefäße entstanden in ein und derselben Werkstatt.) Grün oder gelb glasierte Kannen und Schüsseln kannte man bereits seit dem 15. Jahrhundert. Später wurden auch die großen Weinkannen bzw. einzelne Gefäße der Dorfgemeinschaften, Zünfte und reformierten Kirchen glasiert. Auf diesen verewigte man den Namen der Besteller, die Namen des Zunftvorstandes, eventuell den Namen des Töpfers sowie die Jahreszahl. Die frühesten dieser Gefäße sind aus dem 17. Jahrhundert bekannt. Im Zeitalter der Türkenherrschaft erschien die glasierte Schüssel mit unterschiedlichen Verzierungen. Die häufigsten Dekorationsmotive waren Blumen, Vögel, der Hirsch, das Pferd und Menschengestalten.

Den polychrom glasierten sog. Kammstrichtyp mit geometrischen Mustern hält man für eine türkische Verzierung. (Man verwendete dazu ein kammartiges Werkzeug.) Schüsseln zierten nicht nur den Tisch, sondern auch die Wände der Küche oder Wohnräume. Die 1551 versteckten Gefäße des "Schulmeisterhauses" von Pásztó bezeugen, wie beliebt diese glasierten und verzierten Schüsseln damals waren. Am schönsten blieb der türkenzeitliche Keramikstil in der Gegend am mittleren Theißabschnitt erhalten; in Miskolc und Debrezin (wo 1570 eine Zunft enstand) sowie in Mezõcsát und Tiszafüred. (In den beiden letzgenannten Orten wird dieser Stil noch heute gepflegt.) Auch in Siebenbürgen bildeten die sächsischen und Szekler Töpfer schon früh eigene Innungen. Der ungarischsprachige Freibrief der Töpfer von Dés stammt aus den Jahren zwischen 1504 und 1532. In Klausenburg kann ab 1512 mit dem Bestehen einer Töpferzunft gerechnet werden. Am typischsten für das Töpferhandwerk der Szekler sind die Krüge und glasierten Kannen mit ihrer kräftigen kobaltblauen Verzierung.

Die Einbürgerung der Keramik mit Bleiglasur (Fayence) geht auf die Bewegung der Neophyten und ihre Ansiedlung in Ungarn zurück. Nur ihre Töpfer kannten bei uns das Geheimnis der Herstellung weißer, bleiglasierter Gefäße. Der siebenbürgische Fürst Gábor Bethlen stellte ihnen einen Schutzbrief aus, siedelte sie in Unterwintz bei Karslburg an und gewährte ihnen Privilegien. Fürstin Anna Bornemisza hat in ihrem Haushaltsbuch alle Gefäße aufgezählt, die sie von den Neophyten 1688 als Neujahrsgeschenke erhielt: ein Napf, eine Tasse, einen weißen und blauen Krug, eine Kanne, einen Becher, ein Salzgefäß. Unter György Rákóczi I. ließen sich 1645 Neophyten - darunter Töpfer - in Sárospatak nieder, die auch Ofenkacheln herstellten.

Die Öfen in den Adelssitzen der Aristokraten wurden bereits im 14.-15 Jahrhundert aus kunstvoll gestalteten glasierten Kacheln gesetzt. Im 15. Jahrhundert erschien das Hafnerhandwerk auch in den kleineren Werkstätten des Landes. Die sich an mehreren Punkten des Oberlandes, Siebenbürgens und Transdanubiens ansiedelnden Neophyten beeinflußten die Arbeit der Töpfer städtischer Zünfte ebenso wie die der ländlichen Töpfermeister. Im 16. Jahrhundert hatte der Kachelofen auch die Dörfer erreicht und es bildeten sich ländliche Zentren heraus, wo Ofenkacheln produziert wurden.

Türkisches Handwerk

Untersucht man das Erscheinen der osmanisch-türkischen Kunst bzw. des Handwerks des 16.-17. Jahrhunderts in Ungarn, sollte man die Unterschiede zwischen den drei ungarischen Landesteilen - also zwischen dem türkisch besetzten mittleren Landesteil, Siebenbürgen und dem königlichen Ungarn - auf jeden Fall berücksichtigen. In den beiden letztgenannten Gebieten, insbesondere aber am Hof der siebenbürgischen Fürsten, kam ein oftmals direkt aus Istambul wirkender türkischer Einfluß zur Geltung, der sich im Gebrauch türkischer Luxusartikel deutlich offenbarte. Auch die Wirkung der vom Ende des 15. - Anfang des 16. Jahrhunderts an nach Westeuropa strömenden türkisch-islamischen Mode machte sich in erster Linie in diesen Gebieten bemerkbar. Durch die türkischen Kaufleute und Handwerker, die sich im türkisch besetzten mittleren Landesteil niederließen, bürgerten sich dort neue, der muslimischen Lebensweise angepaßte und dieser dienende Gewerbezweige ein. Wie die erhalten gebliebenen gegenständlichen Denkmäler sowie archäologische Funde belegen, stand das Eroberungsgebiet außerdem stark unter dem Einfluß der materiellen Kultur der von der Balkanhalbinsel nach Ungarn umsiedelnden Völker, die selbstverständlich ebenfalls mit Elementen der osmanischen Kultur angereichert war.

Türkisches Töpferhandwerk

Mit den türkischen Eroberern bzw. den sie begleitenden Völkern südslawischer Abstammung tauchten im Gebiet Ungarns neue, bis dahin unbekannte Keramiktypen auf, die sich sowohl hinsichtlicher ihrer Form, als auch ihres Materials deutlich von der zeitgenössischen ungarischen Keramik abhoben. Diese Gefäße neuen Typs kennzeichneten das Erscheinen einer anderen Kultur und anderer Gebräuche des Speisens. Laut Zeugnis der türkischen Zollbücher gelangten große Mengen der die Bedürfnisse der türkischen Einwohnerschaft befriedigenden Gegenstände auf dem Handelswege ins Land. Doch die Vielzahl der bei Grabungen zum Vorschein gelangenden halbfertigen oder mißlungenen Töpferwaren und - nicht zuletzt - die Reste eines am Fundort Gran-Szent Tamás-hegy freigelegten türkischen Töpferofens beweisen, daß den Soldaten umgehend auch Meister folgten und ein Teil der Keramik an Ort und Stelle hergestellt wurde. Die typischsten Produkte des türkischen Töpferhandwerks waren die einfarbigen, mit einer dicken Glasurschicht überzogenen Fußschüsseln und Trinkschalen, in welchen die mit untergeschlagenen Beinen an niedrigen Tischen speisenden Türken hauptsächlich flüssigere Mahlzeiten, Gemüse und Suppen verzehrten. Ebenfalls sie bürgerten den Gebrauch der Kannen mit Henkel und Ausguß ein.

Vermittels der wohlhabenderen Türken fanden in Ungarn die Luxusgegenstände orientalischer Herkunft Verbreitung: Schalen und Tassen aus feinem chinesischen Porzellan oder die in Europa als Rarität geltenden grünglasierten chinesischen Seladongefäße. Auch die Erzeugnisse der beiden bedeutendsten Zentren der türkischen Keramikherstellung, die in ganz Europa berühmten und beliebten Fayencegefäße von Isnik und später von Kütahja, gelangten ins Eroberungsgebiet. In der Türkei wurde dem chinesischen Porzellan zur damaligen Zeit ein wesentlich höherer Wert beigemessen als den Fabrikaten von Isnik, was sich auch im archäologischen Fundmaterial Ungarns niederschlägt, wo bedeutend mehr chinesische Prozellantassen als Fayenceschalen aus Isnik vorkommen. Die schönsten Produkte der Izniker Keramikherstellung, die die Mauern der Gebäude bedeckenden, polychrom glasierten Wandfliesen, wurden in der ungarländischen türkischen Baukunst nicht verwendet. Der siebenbürgische Fürst Gábor Bethlen, und nach diesem dann György Rákóczi I., bestellten sich allerdings Wandfliesen - wenn auch nicht aus Isnik, so doch aus Konstantinopel -, um die Paläste in Sárospatak, Jalmarkt, Karlsburg und Fogaras damit schmücken zu lassen. Das mit türkischen Wandfliesen ausgelegte Zimmer im Roten Turm der Burg zu Sárospatak erinnert noch heute daran.

Türkisches Metallhandwerk

Die im Eroberungsgebiet eintreffenden türkischen Handwerker waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Vertreter der die grundlegenden alltäglichen Bedürfnisse befriedigenden Gewerbe. Zu den wenigen Ausnahmen gehörten die Gold- und Silberschmiede, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Ungarn erschienen. Von ihrer Arbeit sind nur wenige Denkmäler überliefert, und auch diese zumeist in den Privatsammlungen der Aristokraten. Denn kostbare Gegenstände aus Edelmetall gelangten nur sehr selten in die Erde, höchstens wenn man sie bewußt dort versteckte, wie beispielsweise die relative große Zahl erhalten gebliebener Silberschalen.

Ein typisches Beispiel eines solchen neuen Gewerbezweiges, der die angesiedelte muslimische Einwohnerschaft versorgte, war das Kupferhandwerk. Den Rohstoff für die auch mit einfachen Werkzeugen gut zu bearbeitenden und leicht zu transportierenden Kupfergegenstände lieferten die reichen Kupferbergwerke in Anatolien. Doch nicht nur auf dem Handelsweg gelangten die Arbeiten der türkischen Kupferschmiede ins Eroberungsgebiet. Zahlreiche Angaben belegen, daß solche Gegenstände auch hier hergestellt wurden. In der Ofner Burg z.B. hatten sich die türkischen Kupferschmiede, wie man weiß, in der Umgebung der Szentháromság utca niedergelassen.

Türkische Teppiche

Aufgrund der Technik der Teppichherstellung sind bei den türkischen Teppichen zwei Hauptgruppen zu unterscheiden: gewebte und geknüpfte Teppiche. Nach Ungarn kam in erster Linie der letztgenannte Typ. Wie vom Ende des 15. Jahrhunderts an aus zahlreichen Dokumenten hervorgeht, wurden nach Siebenbürgen gewaltige Mengen Teppiche auf dem Handelsweg eingeführt, und in kleineren Posten erwarben sie Käufer direkt in Konstantinopel. In den protestantischen Kirchen Siebenbürgens blieben fast bis in unsere Tage so viele türkische Gebetsteppiche erhalten, daß man diesen Typ - mit sog. "doppelter Gebetsnische " - heute weltweit schon als "siebenbürgischen Teppich" kennt. Hergestellt wurden diese Teppiche in der westanatolischen Stadt Uschak. Die ungarischen Bürger der Marktflecken und Städte des Eroberungsgebiets verwendeten türkische Teppiche in ihren eigenen Haushalten anscheinend nicht oder nur selten. Das ist ihrer Hinterlassenschaft zu entnehmen. Von den hiesigen Türken wurden natürlich eigene Teppiche mitgebracht und benützt. In ihrem Nachlaß kommen sowohl Kilimek genannte gewebte, als auch Halik und Sedschade genannte geknüpfte Gebetsteppiche vor.

Türkisches Textilindustrie und Stickerei

Schon vor der Eroberung durch die Türken wurde Ungarn von einer wahren Flut der verschiedensten türkischen Textilwaren überschwemmt. Das türkische Leinen, das sog. Bagasia-Leinen und der zum Grundmaterial der Bauerntracht werdende Fries fanden in allen drei Teilen des zerissenen Landes Verbreitung. Zwar bedeutete die Umstellung auf Produkte der türkischen Textilindustrie nicht, daß sich damit auch die ungarische Bekleidung änderte. Doch an bestimmten Kleidungsstücken war der türkische Einfluß unzweifelhaft zu erkennen. Zu einem beliebten Stück der Frauenbekleidung wurde die Kürdi genannte knappe, ärmellose Weste, während sich bei den Männern das Tragen des Dolmans bzw. der sog. Schalwar-Hose verbreitete. Nur ein typisches Kleidungsstück der türkischen Männertracht, der Kaftan, setzte sich nicht als Bestandteil der ungarischen Bekleidung durch, obwohl es in Ungarn große Mengen davon gab. Diese wurden jedoch, wie zahlreiche Hinweise bekräftigen, meist umgearbeitet oder aufgetrennt.

Die in ganz Europa gefragten türkischen Stickereien waren auch im Kreise des ungarischen Adels beliebt. Vom Ende des 16. Jahrhunderts an tauchen in den Aussteuern der Töchter aristokratischer und anderer Adelsfamilien immer häufiger Kissenbezüge, Bettlaken, Schürzen und Kragen mit türkischer Stickerei auf. Diese Handarbeiten ließ man vorwiegend von türkischen Mädchen und Frauen anfertigen.

UNTERRICHT

Die Schulen

Im renaissance- und barockzeitlichen Ungarn fand der Unterricht im wesentlichen innerhalb der traditionellen mittelalterlichen und - letzten Endes - altertümlichen Rahmen statt. Auf diesem Gebiet schien die Entwicklung, zumindest aus heutiger Sicht, ziemlich schleppend voranzugehen. Die Schulen wurden auch weiterhin von den Kirchen und unter kirchlicher Aufsicht betrieben, und die lateinische Sprache spielte zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine ebenso gravierende Rolle wie am Ende des Mittelalters. Eine Schulpflicht gab es nicht, und die Schule war auch nicht die einzige Form der Bildung. Viele Adlige wurden von Hauslehrern erzogen, die an den Höfen der Großherren angestellt waren. Auf Frauenunterricht bestand kein allzu großer Anspruch. Langezeit kümmerten sich nur die enthusiastischen Gattinen ungarischer Aristokraten in ihren Landsitzen um junge Mädchen, die hier (häufig bei musikalischer Begleitung) Handarbeiten verrichteten, sich die Kniffe der Haushaltführung und zuweilen auch das Schreiben aneigneten.

Der Wandel des Unterrichtssystems vollzog sich langsam, aber dennoch kontinuierlich und unaufhaltsam - selbst wenn er nur unbedeutend erscheinende Teilbereiche betraf. Denn diese kaum wahrnehmbaren Mikroveränderungen waren die ersten Schritte auf dem Weg zur Schaffung modernerer Organisationsrahmen des Unterrichts.

Anfang des 16. Jahrhunderts dauerte die Grundausbildung drei Jahre und wurde in den Dorf- bzw. Stadtkirchen sowie in den sog. Kleinschulen der Pfarrgemeinden absolviert. Hier brachte man den Schülern die Grundkenntnisse der Religion bei und sie konnten das Schreiben und Lesen in lateinischer und ungarischer Sprache erlernen. Weiterlernende Schüler besuchten danach noch viere Jahre lang die Gymnasien der Stadtschulen, wo sie anhand von antiken Texten in zwei Fächern des klassischen Trivium - in lateinischer Grammatik, und innerhalb dessen in Syntaxis, Metrik und Poesie, sowie in Rhetorik - unterrichtet wurden. Damit war die Ausbildung in den meisten einheimischen Schulen auch schon abgeschlossen. Wer sich jedoch in die Geheimnisse der Logik (also Dialektik) und aristotelischen Philosophie vertiefen wollte, konnte seine Studien nur an Einrichtungen höheren Ranges mit Hochschulcharakter fortsetzen. Jede bedeutende Kirche Ungarns rief ihr eigenes, Hochschulbildung vermittelndes Institutionensystem ins Leben. Namhafte reformierte Kollegien (Hochschulen mit angeschlossenem Internat) gab es in Debrezin, Sárospatak, Pápa, Großwardein, Karlsburg, Neumarkt und später in Strassburg. Die sich nach dem Tridenter Konzil erneuernde katholische Kirche war bestrebt, die Hochschulausbildung in den nach einem einheitlichen, modernen Lehrplan - Ratio Studiorum - arbeitenden Jesuitenkollegien (Tirnau, Klausenburg) zu verwirklichen. Hinzu kam die Hochschule der evangelischen Kirche in Preschau, und auch die siebenbürgischen Unitarier betrieben in Klausenburg eine berühmtes Kollegium.

Eine eigene Universität fehlte Ungarn schon seit langem. Deshalb wurden begabte, verdienstvolle Schüler von ihren Eltern und Förderern ins Ausland geschickt. Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin - auf höchster Stufe - studieren und graduieren konnten ungarische Studenten nur an den Universitäten in Italien, Polen und Deutschland bzw. später in den Niederlanden und England. Daraus darf man natürlich nicht auf das vollständige Fehlen naturwissenschaftlicher Fächer schließen. Die ungarländischen Humanisten verfügten über ausgezeichnete mathematische, astronomische, medizinische und medizinisch-botanische Kenntnisse, und schon ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erschienen auch naturwissenschaftliche Werke in ungarischer Sprache. Sowohl von der Debreziner Hoffhalter-Druckerei, als auch von der Heltai-Druckerei in Klausenburg wurden populäre Lehrbücher über Mengenlehre herausgegeben (1577, 1591). Das Buch über Heilpflanzen von Péter Juhász Melius, das Herbarium, mußte im 16. Jahrhundert sogar mehrmals aufgelegt werden. Auch das Buch über Chirurgie von dem Arzt János Vitus Balsaráti erschien in ungarischer Sprache - ging später aber leider verloren. Die umfangreichen medizinischen Schriften von György Lencsés sind als Manuskripte erhalten geblieben.

Nach den gescheiterten Plänen der mittelalterlichen ungarischen Könige unternahmen nun die siebenbürgischen Fürsten einen Versuch, die Voraussetzungen für den heimischen Universitätsunterricht zu schaffen. Als erster plante János Zsigmond Ende der 1560er Jahre, in Karlsburg eine Universität in antitrinitarischem Geiste zu gründen. Es blieb jedoch bei dem Plan. Danach rief der siebenbürgische Fürst und polnische König István Báthory in Klausenburg eine von Jesuiten erfolgreich betriebene Lehreinrichtung für höher theologische Studien ins Leben, die man später auf Druck der protestantischen Stände aber schließen mußte. Zur Zeit von Zsigmond Báthory wurde die Hochschule zwar wieder eröffnet (1594). Doch bald darauf mußten die Jesuiten dem Zorn der Bevölkerung endgültig weichen, die das Haus 1603 bis auf die Grundmauern zerstörte. Den Grundstein für die erste noch heute bestehende ungarische Universität - die Vorläuferin der jetzigen Eötvös-Loránd-Universität - legte der Graner Erzbischof Péter Pázmány 1635 in Tirnau. Diese Lehreinrichtung der Jesuiten konnte sich ohne weiteres mit anderen, in ähnlicher Weise Mittelstufenwissen vermittelnden Universitäten Mitteleuropas vergleichen. In den ersten Jahren gab es hier keine medizinische und juristische Fakultät, weshalb sie vom Papst auch nicht als Universität anerkannt wurde. Darum gründete Pázmány mit Zustimmung König Ferdinands II. die neue Universität, und zwar anfangs mit fünf philosophischen und sieben theologischen Lehrstühlen. Die juristische Fakultät mit vier Lehrstühlen kam 1667 hinzu. Daneben hatte die Universität eine eigene Druckerei - Vorgängering der späteren Universitätsdruckerei -, die mit der Zeit immer anspruchsvollere Lehrbücher und wissenschaftliches Hilfsmaterial herausgab.

Der Lehrstoff

Neben der Kirche wurde in unserem konfessionell gespaltenen Land ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch die Schule mehr und mehr zum Schauplatz religiöser Auseinandersetzungen. Davon abgesehen unterschieden sich protestantische und katholische Schulen eigentlich nur hinsichtlich ihre Weltanschauung und Organisation - Lehrplan und Lehrstoff stimmten im Grunde überein. Die von den Jesuiten gegründeten neuen katholischen Schulen wichen insofern von den protestantischen Schulen ab, daß man dort für Schüler, die nicht weiterlernen wollten, extra Muttersprachensektionen nach dem Muster der Kleinschulen einrichtet. Hauptziel des Unterrichts war - bei Protestanten ebenso wie bei Katholiken - die Ausbildung von Geistlichen. Daneben wuchs aber auch der Anspruch, weltliche Intellektuelle zu erziehen. Vom Ende des 16. Jahrhunderts kann man auch Schulen des Adels begegnen, wo hauptsächlich die zukünftigen höheren Offiziere der Grenzburgen ausgebildet wurden. Das Niveau der öffentlichen Bildung, Volksbildung und Frauenbildung steckte damals noch in den Kinderschuhen, obwohl man sagen kann, daß sich das Lesen der Muttersprache von der Mitte des 16. Jahrhunderts an in weiten Kreisen des Gemeinvolkes (städtische Bürgerschaft, Kaufleute, wohlhabendere Landwirte) und auch unter den Frauen verbreitete: Sie waren die Lesepublikum der in immer größeren Auflagen erscheinenden populären literarischen Werke.

Die großen Lehrplanreformen des Renaissance- und Barockzeitalters wirkten sich auch auf Ungarn aus. Das Vordringen des Humanismus begründete in ganz Europa die Dominanz des Trivium, d.h. der sprachlich-literarischen Kenntnisse, gegenüber dem von der mittelalterlichen Scholastik präferiererten Quadrivium. Dieser Prozeß versetzte die ungarischen Schulen, wo nur Trivium-Fächer unterrichtet wurden, in eine vorteilhafte Lage. Die humanistische Schulreform des 16. Jahrhunderts legte Gewicht auf die Aneignung der Studia humanitatis, d.h. eine niveauvollen Ausbildung in lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache. In den protestantischen Gymnasien, in Sárospatak, Debrezin, Tolna, Klausenburg, Neumarkt und vielen anderen städtischen Schulen stützte man sich beim Unterricht in den Humanfächern auf die populären Wittenberger Lehrbücher Philipp Melanchthons. Auch in der von Miklós Oláh neuorganisierten katholischen Schule in Tirnau wurde die humanistische Reform durchgeführt. Der ausgezeichnete, humanistisch gebildete Prälat vereinigte die beiden Tirnauer Schulen, die Stadt- und die Kapitelschule, und hob die so geschaffene neue Einrichtung auf Hochschulniveau an. Die humanistische Bildung verleihende Grundsektion der Schule ergänzte er durch eine Sektion der höheren Stufe, wo - natürlich in katholischem Geiste - lateinische und griechische Philologie gelehrt wurden. Die Lehrbücher des Protestanten Melanchthon ließ Oláh einsammeln und verbrennen.

Mit der zweiten bedeutsamen Reform des einheimischen Unterrichtswesens meldeten sich die Anhänger des Puritanismus, einer Reformbewegung innerhalb des Kalvinismus, zu Wort. Der von seinen Studien in England und den Niederlanden heimkehrende János Dali Tolnai plante, den Unterricht in Sárospatak radikal zu verändern. Anstelle der pädagogischen Methoden Melanchthons, die in der orthodoxen kalvinistischen Pädagogik damals noch bestimmend waren, empfahl dieser puritanische Reformer die Methode des französischen Philosophen und Pädagogen Petrus Ramus. Ramus wandte eine von der aristotelischen Betrachtungsweise gereinigte, neue, einheitliche, praktische und logische Betrachtungsweise der mittelalterlichen Scholastik an, die auf das Kennenlernen der Realität abzielte. Diese praktische Logik stellten die ungarischen Puritaner in den Mittelpunkt ihrer Pädagogik, womit sie auf der orthodoxen Gegenseite heftige Empörung auslösten.

Die Lehrer

Die in den ungarischen Schulen des 16.-17. Jahrhunderts unterrichtenden Lehrer - man nannte sie damals Schulmeister, Rektor oder Ludimagister - hatten einen recht unterschiedlichen Bildungsgrad. Fremden Reisenden fielen in ländlichen Städten oftmals die geringe Bildung und die schwachen Lateinkenntnisse der Geistlichen und Lehrer auf. Nicht ohne Grund wurden die Monarchen, Großherren und Magistrate der Städte, also die Kuratoren, von den protestantischen Predigern fortwährend bedrängt, niemals nachzulassen, die Schulen zu unterstützen. Praktisch hing die so inständig gewünschte Anhebung des Niveaus der ungarischen Schulen davon ab, ob man berühmte ausländische Lehrer einladen und bezahlen konnte. Diesen gelehrten Pädagogen verdankten es die meisten Hochschulen und Kollegien, daß sie zu Rang und Nahmen kamen. Aber auch in Ungarn gab es viele gute Lehrer, z.B. Gergely Molnár, Péter Károlyi und Balázs Fabricius Szikszai.

An der Tirnauer Schule lehrte Nicasius Ellebodius, einer der größten Philologen des Zeitalters, die griechische Sprache. János Zsigmond bemühte sich sogar, Petrus Ramus persönlich an die zu gründende Universität nach Karlsburg zu berufen. Viele ausgezeichnete Lehrer des Klausenburger Kollegiums der Unitarier waren in verschiedenen Ländern Europas verfolgte Anhänger der radikalen Reformation, die das geistige Leben Siebenbürgens nicht nur in religiösen Fragen beeinflußten, sondern gleichzeitig zum Bekanntwerden moderner Literatur- und Kunstströmungen beitrugen. Ihnen ist es zu verdanken, daß die italienische Renaissance in den siebenbürgischen Unitarierkreisen des 16.-17. Jahrhunderts gleichsam ihre zweite Blütezeit erlebte. Auf dem Katheder der in Karlsburg gegründeten reformierten Hochschule konnten die ungarischen Studenten 1622 einen der berühmtesten deutsche Dichter und Literaturtheoretiker sehen: Martin Opitz war der Einladung des Fürsten Gábor Bethlen gefolgt.

Die wissenschaftlichen Werke und Lehrbücher so namhafter deutscher protestantischer Professoren wie Johann Heinrich Bisterfeld, Johann Heinrich Alsted und Ludwig Philipp Piscator, die vor den Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges nach Karlsburg flohen, übten einen nachhaltigen Einfluß auf das ungarische Geistesleben aus. Der berühmteste Pädagoge unter den puritanischen Reformern, Johannes Amos Comenius, erhielt eine Einladung nach Sárospatak, wo er versuchte, die von ihm erträumte "pansophistische Schule" in die Praxis umzusetzen. Comenius verhalf dem Sárospataker Kollegium zwischen 1650 und 1654 zur Blüte, obwohl er die ungarische und universelle Pädagogik eigentlich nicht mit seinen Lehrplänen, sondern eher mit seinen wirkungsvollen, geistreichen und allgemeinverständlichen Lehrbüchern reformiert hat. Hier schrieb er unter anderem das mit Illustrationen versehene, mehrsprachige Lehrbuch Orbis Pictus. Doch der größte ungarische Pädagoge, János Csere Apáczai, überflügelte mit seinem neuartigen Bildungsprogramm selbst Comenius. Apáczai wollte auf der Grundlage des Kartesianismus, also der Philosophie des Franzosen René Descartes, die Gesamtheit der Kenntnisse zu einem einzigen großen System zusammenfassen. Er trachtete danach, seine in Westeuropa herausgebildeten Prinzipien und im Ausland geschriebenen Arbeiten in die einheimische Praxis zu verpflanzen. Seine Ansprache "Über das höchst notwendige Bestehen der Schulen und die Gründe der barbarischen Zustände bei den Ungarn", die er 1656 als Direktor des neuerbauten Klausenburger Kollegiums hielt, gibt einen gedrängten Überblick über sein Bildungsprogramm.

Die ungarländischen Druckereien sahen es seit den Anfängen im 16. Jahrhundert als ihre Aufgabe an, die Schulen mit entsprechenden Lehrbüchern zu versorgen. Honterus, Heltai und die anderen Druckwerkstätten des 16. Jahrhunderts gaben im allgemeinen immer wieder die bekannten und bewährten Lehrbücher oder deren nach lokalen Ansprüchen überarbeitete Fassungen heraus. Später dann, im 17. Jahrhundert, erschienen - auf Einfluß der großen pädagogischen Denker - der Reihe nach auch von ungarischen Autoren moderne Werke über Grammatik, Poesie, Rhetorik und Logik. Die Rhetorikbücher von Pál Medgyesi, György Tóth Martonfalvi, Márton Tönkõ Szilágyi oder Mihály Buzinkai wurden für die Lehrer und Schüler der protestantischen ungarischen Schulen geschrieben. Diesen Werken kommt in der Entwicklung des literarischen Denkens in Ungarn eine hohe Bedeutung zu. Comenius und Apáczai waren schillernde Geistesgrößen, aus deren Schaffen man leider nicht auf das allgemeine Niveau der einheimischen Pädagogik folgern kann. Der Konservatismus der damaligen Zeit und die jedewede Neuerung von vornherein ablehnende Anschauung haben ihnen und ihren Anhängern viel Bitternis bereitet. Unter diesen Umständen konnte sich die Unterrichtsentwicklung nur langsam und von Widersprüchen belastet vollziehen.

ALLTAGSLEBEN

Familienleben

Die Interpretation des Wortes Familie ist zur heutigen grundlegend verschieden. Denn im damaligen Zeitalter gehörte zu einer hochherrschaftlichen bzw. adligen Familie neben mehreren Generationen von Eltern und Kindern auch das gesamte Dienstpersonal, d.h. alle, die der Familie im engeren oder weiteren Sinne dienten. Eine vornehme Person, ob nun Frau oder Mann, war selten einmal allein, da sie in jeder Lebenslage von einem Mitglied der Dienerschaft begleitet wurde, so daß es schwerfiel, mit jemandem ein vertrauliches Verhältnis anzuknüpfen oder gar einer Dame unter vier Augen den Hof zu machen. Adlige, reichere Bürger und sogar wohlhabendere Bauern schliefen in einem Raum mit ihren Dienern, selbst dann, wenn es zwischen den Ehegatten zum intimen Beisammensein kam. Auch den einfachen Bauern dürfte es nicht an Gesellschaft gemangelt haben, weil ein Bauernhof nicht von einem Menschen allein bewirtschaftet werden konnte. Deshalb lebten häufig mehrere erwachsene Brüder im elterlichen Haushalt - "von einem Brot", wie die zeitgenössischen Quellen schreiben. Vorteilhaft war das in dem Fall, wenn die staatliche Direktsteuer pro Haus eingezogen wurde, unabhängig davon, wieviele Personen zum Haushalt gehörten. Auf solchen Fronbauernhöfen wurde die Arbeit von den Familienmitgliedern, die zueinander in einem komplizierten Verwandtschaftsverhältnis standen, sowie von Häuslern und einer ganzen Armee von Knechten und Mägden verrichtet.

In dieser Zeit brachte die heiratsfähigen jungen Leute meist der Wille der Eltern bzw. Verwandten zusammen. In Aristokratenkreisen, wo Reichtum und gesellschaftliche Stellung die Interessen bestimmten, kam es nur selten zu Liebesheiraten. Häufiger war, daß sich das Paar nach der ehelichen Bindung ineinander verliebte. György Thurzó beispielsweise schrieb seiner Frau Anfang des 17. Jahrhunderts folgende Zeilen: "Ich suchte unter den Preßburger Mädchen ein schöneres als Dich, doch konnte ich weder in Preßburg, noch anderswo eine finden, die schöner war, als Du es für mich bist." Viele der damals oft in den Krieg ziehenden und deshalb fern von ihren Familien weilenden Großherren schrieben ihren Gemahlinnen zärtliche Liebesbriefe. Vielleicht am berühmtesten wurden die Briefe, die Palatin Tamás Nádasdy und Orsolya Kanizsai in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einander schrieben. Ein verbreiteter Brauch war der Austausch von Verlobungsringen, was zur damaligen Zeit einen Ring mit Edelstein bedeutete. Die Bürger der Städte, Ackerbürger der Marktflecken und Bauern in den Dörfern tauschten bei der Verabredung einer Heirat meist nur ein Verlobungstuch aus. Danach galt es dann in allen Kreisen als Schande, von der Verabredung zurückzutreten. In der frühen Neuzeit kann man sehen, daß die gefühlsmäßigen Bindungen in dieser engen menschlichen Beziehung, der Ehe, immer wichtiger wurden.

Der Lebensstandard im zeitgenössischen Ungarn

Infolge der Preisrevolution, die Europa im 16. Jahrhundert erlebte, stiegen die Preise für Getreide und Lebensmittel auf ein vielfaches an. Deswegen brachen im Westen häufig große Hungersnöte aus, oder die Menschen mußten sich mit weniger Lebensmitteln schlechterer Qualität begnügen. Untersucht man den damaligen Lebensstandard, sind zwei Unterschiede zu beobachten: Der Preisanstieg in Ungarn war im Verhältnis zu Westeuropa geringer, und durch die florierende Rinderhaltung ging auch der einheimische Fleischverbrauch nicht so stark zurück wie im Westen. Andererseits wirkten sich auch Hungersnöte in Ungarn nicht so verheerend aus, weil bei uns eine unverändert große Zahl von Bauernwirtschaften existierte, die für den Eigenbedarf produzierten, und selbst Stadtbürger besaßen ein kleines Stück Acker oder einen Weingarten. Die Fronhöfe in Siebenbürgen waren dagegen ärmer, da der Ackerboden in den Hügel- und Berggegenden vielerorts eine schlechtere Qualität hatte und weniger Ertrag brachte. In Kriegszeiten, im Falle einer schlechten Ernte oder Naturkatastrophe standen die ansich über wenig Reserven verfügenden Leibeigenenhaushalte oft am Rande des Untergangs. Einer Quelle zufolge herrschte 1603 im Komitat Hunyad eine solche Hungersnot, daß die Menschen Stiefelsohlen, Sattelleder, Baumrinde und Knochenmehl verzehrten und selbst davor nicht zurückschreckten, das gebratene Fleisch von Leichnamen zu essen.

Die Luxusartikel

Im 17. Jahrhundert mehrten sich in den ungarischen Städten die gegen den Luxus erlassenen Verbote. Schon Péter Bornemisza hatte im 16. Jahrhundert den sich in Adelskreisen breitmachenden Luxus gegeißelt, wo man die aristokratische Mode nachzuahmen begann. Später strebten dann - sehr zum Verdruß der vornehmen Damen und Herren - auch die armen Dienstmägde und Knechte danach, sich in der Art der wohlhabenden Stadtbürger zu kleiden und zu betragen. Ödenburg, Kaschau und größere Städte versuchten, die Bekleidung durch strenge Vorschriften zu regeln: Jeder sollte sich seinem Stande gemäß kleiden. Diese Erscheinungen lassen sich damit erklären, daß sich die Wertverhältnisse im 17. Jahrhundert wandelten und daß durch die neuen Preisverhältnisse breitere Schichten neben den biologisch notwendigen Dingen auch mehr oder weniger Luxusartikel erwerben konnten. Die meisten dieser Luxusartikel kamen als Produkte der auf einen höheren Stand der Arbeitsteilung stehenden west- und mitteleuropäischen Industrie auf die einheimischen Märkte, wo sie zu Preisen angeboten wurden, die auch für niedrigere soziale Schichten erschwinglich waren.

Eßgewohnheiten

Die Einwohnerschaft Ungarns verzehrte im 16.-17. Jahrhundert wesentlich mehr Fleisch als die Bewohner westeuropäischer Länder. Das war in erster Linie der Rinderhaltung zu verdanken. Neben Rindfleisch standen Schaffleisch, Schweinefleisch, verschiedene Geflügelarten und Fisch auf dem Speiseplan. Üblich war auch die Zubereitung des Fleisches von Wildtieren (Hase, Reh, Hirsch) und kleinen Wildvögeln (Auerhuhn, Rebhuhn, Wachtel, Schnepfe), wozu man schmackhafte Soßen reichte. Am häufigsten wurde das Fleisch mit Kohl gekocht oder gebraten, denn das war sowohl bei den ärmeren Schichten, als auch in Adelskreisen die beliebteste Gemüsesorte. Kohl galt als Königin unter den Pflanzen der ungarischen Gärten. Er wurde ganz oder geschnitten, mit Salz, Dill und Meerrettichwurzel gewürzt, für den Winter eingelegt. Man hielt ihn für ein ausgesprochen schmackhaftes und gesundes Nahrungsmittel. Ein beliebtes Gericht der Menschen dieses Zeitalters war auch Fisch - die Quellen berichten von Hecht, Hausen, Grundel, Stör, Wels und Aal -, der vowiegend während der Fastenzeit, mit Pfeffer und einer aus Zitrone und saurer Sahne zubereiteten Soße angerichtet, auf den Tisch kam. Schweinefleisch mußte man wesentlich teuerer bezahlen als das reichlich vorhandene Rindfleisch, so daß auch der Speck als teueres Nahrungsmittel zählte. Schweine wurden überall auf den Meierhöfen gehalten, und sogar Stadtbürger mästeten ein oder zwei Schweine für den Eigenverbrauch. Als besondere Leckerbissen waren darüber hinaus Krebse und Schnecken bekannt.

Milch- und Milchprodukte hatten sich bei uns noch nicht in dem Maße verbreitet wie in den westlicher gelegenen Ländern. Käse servierte man bei Festessen in der Regel nach den fünf oder sechs Hauptgängen, zusammen mit den mit Quark und sauerer Sahne zubereiteten Gerichten. Da Rinder und Schafe überall gehalten wurden, stellte man Butter und Käse im allgemeinen zu Hause her. Im Kreis des in Siebenbürgen und im Oberland lebenden Rumäntentums, das sich ausgesprochen mit Schafzucht beschäftigte, war der Verbrauch von Milchprodukten verbreiteter. Wasser war zur damaligen Zeit bekanntlich fast ungenießbar und krankheitserregend. Deshalb trank man anstelle von Wasser mit Vorliebe Wein, und durch die deutsche Bürgerschaft wurde auch das Bier ein immer beliebteres Getränk.

Gewürze, Obst

Das im 16.-17. Jahrhundert über Europa hinwegfegende "Gewürzfieber" erreichte auch Ungarn. Anfang des 16. Jahrhunderts gelangte das kostbarste und populärste Gewürz, der Pfeffer, noch auf der levantinischen Handelsroute über Siebenbürgen ins Land. Später konnte man ihn nur noch auf dem Umweg über die Walachei und Kaschau oder aber aus dem Westen einführen. Safran und Ingwer waren heimische Gewürzpflanzen, doch Gewürznelke, Muskatnuß, Zimt und Zitrone wurden importiert. Gemüse für den Inlandsbedarf baute man in den Küchengärten oder Meierhöfen schon damals an: Erbsen, Bohnen, Petersilie, Möhren, Spinat, Kürbis und Gurken, ja sogar Blumenkohl und Spargel. Im Garten des berühmten Magnaten Boldizsár Batthyány in Transdanubien gab es 1588 bereits ein Beet mit Kartoffeln, die in dieser Zeit bei uns gerade heimisch zu werden begannen. Auch eine Beschreibung des Tabaks ist aus dem Jahr 1577 überliefert, den man ebenfalls im Garten Batthyánys in Güssing anpflanzte. Vom Reichtum der ungarischen Obstsorten hatte Mitte des 16. Jahrhunderts schon Miklós Oláh in seiner Hungaria geschwärmt; am verbreitetsten waren Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Pfirsisch und Aprikose. Die Aristokraten pflegten in ihren Gärten seltene Obst- und Zierbäume sowie exotische Pflanzen zu sammeln. Auf diese Weise wurden bei uns auch die ersten Arten der Wildkastanie, des Flieders oder der Tulpe heimisch.

Die Kleidung

Das 16.-17. Jahrhundert ist jener Zeitraum, in dem sich die typische ungarische Kleidung herausbildete. Die Männer trugen einen bis zur Hüfte engen, von da an weiter werdenden Dolman unterschiedlicher Länge und darüber einen Mantel, der von der Schulter an gerade oder von der Hüfte an weiter geschnitten sein konnte. Diese Kleidungsstücke zierten Stickereien, Borten, Schnüren und prächtige Knöpfe. Ergänzt wurde die Kleidung durch ein Hemd, die eng geschnittene sog. ungarische Hose, hartschäftige Stiefel oder Schuhe, eine Mütze und einen Umhang. Die Gewänder der Aristokraten waren selbstverständlich aus kostbareren und teuereren Stoffen (Samt, Brokat, Atlas) geschneidert, mit Pelz (Marder, Luchs, Fuchs) besetzt oder gefütter und mit Goldknöpfen geschmückt. Die Stickerei an den darunter getragenen weißen Seidenhemden bestand nicht selten aus Gold- und Silberfäden.

Auch die charakteristischen Stücke der ungarischen Frauenkleidung stammen aus dem 16. Jahrhundert. Dazu gehörten Rock, Hemd, Mieder, Schürze, Mantel und Umhang. Beliebt waren sowohl bei Frauen, als auch bei Männern die unterschiedlich langen Schafpelze. Vornehme Damen trugen anstelle des für bäuerisch gehaltenen Wolltuchs feine Stoffe guter Qualität. Anfang des 17. Jahrhunderts kamen Textilien mannigfaltiger Art und Farbe in Mode. Am kostbarsten waren die verschiedenen Seidenstoffe, aber auch Samt oder Atlas galten als vornehm. Für den Preis eines der aus diesen Stoffen gefertigten Kleider hätte man damals schon ein Haus in der Stadt oder einen Meierhof kaufen können. Am deutlichsten veranschaulichten die als Verzierung gebräuchlichen Gold- und Silberstickereien, Goldknöpfe- und Schnüren oder teuren Spitzen den Wert dieser Kleider. Pelze als Besatz oder Futter waren ebenfalls gebräuchlich. Bei den Stickereien verbreitete sich die Mode der türkischen Muster (z.B. das Nelkenmotiv), wobei man die Unterwäsche am häufigsten weiß, das Mieder dagegen rot bzw. blau bestickte. Als Material der Bauerntracht diente hauptsächlich Tuch, einfachere Leinen- und Wollstoffe. Aber auch diese Kleidungsstücke wurden meist reich bestickt.

Leben an den Grenzen: Beutezüge, Hinterhalte

Formell lebten die beiden Großmächte überwiegend in friedlichem Nebeneinander. Deshalb war es dem Militär der Grenzgegend streng verboten, den Frieden bzw. die Gebiete des anderen zu stören. Dieses Verbot zeigte jedoch kaum Wirkung. Denn der ewig ausbleibende Sold, die schlechte Versorgung und der Drang nach Berühmtheit zwangen die Soldaten beider Seiten, durch erbeuten von Gefangenen, Vieh und anderen Gütern selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Sobald der Winter vorüber war, begannen die Kämpfe, die nur im Sommer während der Erntezeit und bei zu großer Hitze vorübergehend eingestellt wurden. Beutezüge hießen damals Feldarbeit, während die auf Jagd nach Gefangenen gehenden oder Hinterhalte legenden Trupps in die Schlacht zogen. Letztere gingen immer bei Nacht an die Arbeit und wurden vom sog. Schlachtführer befehligt. An der Spitze sondierten Späher und Spurensucher das Gelände, das Ende des Zuges bildete die sog. Nachhut. Die für den Hinterhalt auserwählte Stelle (in der Regel an einer Straße) war der Haupthinterhalt, wo die Mehrheit der am Einsatz Beteiligten Stellung bezog. Gaben die aufgestellten Wachen das Zeichen, schickte man den Vortrupp (höchstens 15-20 Reiter) los, der die feindlichen Truppen in den Hinterhalt lockte, wo sie dann vom Hauptkorps umzingelt und niedergemetzelt oder ausgeplündert und gefangen genommen wurden. Die eine gegnerische Seite kannte die Tricks der anderen (Hinterhalt, Gegenhinterthalt, Verkleidung usw.) genau, und häufig gelang es auch, deren Absichten auszuspionieren, so daß diese abenteuerlichen Streifzüge nicht selten mit einem Mißerfolg endeten.

Spionage und Kundschafterdienst in der Türkenzeit

Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen die Türken war, daß die den Grenzschutz organisierende Wiener Heerführung und die ungarischen Hauptkapitäne immer rechtzeitig und genau von den Plänen des Gegners erfuhren. Im Interesse dessen baute die christliche Heeresleitung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen mehrstufigen Kundschafterdienst auf. Über die Pläne des Sultans berichteten die am Hof in Istambul weilenden Gesandten Habsburgs (diplomatische Spionage), die sich hauptsächlich von den serbischen, bosnischen, ungarischen oder deutschen Beamten des Diwans, einflußreichen Dolmetschern, jüdischen Ärzten des Sultans, Diplomaten anderer Länder und ihren eigenen "bezahlten Agenten oder Korrespondenten" geheime Informationen beschafften. Über die Absichten der an den Grenzen stationierten türkischen Truppen (Grenzspionage) informierten die ungarischen Besatzungen der Grenzburgen in erster Linie die ungarischen Schreiber der Paschas und Beis, aber auch die ungarischen Richter und Leibeigenen der Dörfer im Eroberungsgebiet - die unter dem Vorwand des Steuerzahlens freien Zutritt zu den türkisch Grenzburgen hatten -, die zwecks Auftreiben von Lösegeldern entlassenen christlichen Gefangenen, die bei Streifzügen in Gefangenschaft geratenen türkischen Soldaten - man nannte sie die "Zungen" -, und nicht zuletzt die ungarischen, ragusanischen und griechischen Kaufleute, die sich ebenfalls uneingeschränkt bewegen durften. Auf ähnliche Weise - die diplomatische Spionage ausgenommen, da sie keine ständigen Gesandtschaften unterhielten - versuchten die Türken, die Absichten der christlichen Seite auszukundschaften.

Gefangenenhandel an der türkisch-ungarischen Grenze

Entgegen der allgemein verbreiteten Auffassung haben die sich in Ungarn etablierenden Türken niemals mehrere zehntausend Gefangene aus Ungarn verschleppt. Doch im 16.-17. Jahrhundert bildete sich an der türkisch-ungarischen Grenze eine spezielle Form des Gefangenenhandels für Lösegeld heraus. Diese Lösegelder wurden für das Militär beider Seiten zu einer wichtigen Einnahmequelle neben dem nur unregelmäßig gezahlten Sold. Und so lief der Handel ab: Anläßlich der sog. Beuteverteilung wurden die bei den Streifzügen gefangen genommenen ungarischen oder türkischen Soldaten untereinander aufgeteilt, versteigert und verkauft. Danach kam es zwischen den Gefangenen und ihren Eigentümern zu langen und oftmals blutigen Verhandlungen, bei denen man sich über die Höhe des Lösegeldes (Schatzung) "einigte". Für die Rückkehr der freigelassenen Gefangenen, die das Lösegelde auftreiben mußten, bürgten deren Mitgefangene mit ihren Ohren, Nasen oder Zähnen bzw. die reicheren Marktflecken des Eroberungsgebiets - im allgemeinen gezwungenermaßen - mit Geld. Mitunter dauerte es Jahre, bis sie das Lösegeld zusammenbrachten, denn viele mußten dafür bettelnd durch das halbe Deutsche Reich wandern. Zahlreiche ungeschriebene Gesetze schützten diese umherziehenden Gefangenen (z.B. war es verboten, sie zu schlagen, aber Pflicht, sie auf Wagen mitzunehmen), während ihre Interessen gegenüber der Person, die sie gefangenhielt, von einem ihrer erfahreneren Gefährten vertreten wurden. Zur Beglaubigung von Schriftstücken im Zusammenhang mit der Beschaffung des Lösegeldes gab es sogar extra einen Gefangenenstempel.

Türkisch-ungarische Zweikämpfe

Die auf beiden Seiten zum Schutz der Grenze stationierten ungarischen bzw. türkischen Soldaten unternahmen nicht nur Streifzüge auf feindlichem Territorium, sondern lieferten sich häufig auch Zweikämpfe (Duelle). Ähnlich wie im Falle des Gefangenenhandels für Lösegeld bildete sich in der Grenzregion ein spezielles System der Zweikampfbräuche heraus. Häufig forderte ein vornehmerer christlicher oder türkischer Offizier die gegnerische Seite zum Duell heraus. In der schriftlichen Herausforderung gab man den Grund, den Ort, die Zeit, die Art und Weise des Zweikampfes (mit welcher Waffe er ausgetragen werden sollte) an, und mitunter verhöhnte der Herausforderer seinen Gegener sogar mit beleidigenden Worten, damit dieser die Herausforderung nicht ablehnen konnte. In Friedenszeiten waren nämlich Zweikämpfe per herrscherlichen Erlaß streng verboten, in Wirklichkeit aber fanden sie häufig statt. Nachdem sich beide Seiten über das Duell geeinigt hatten, stellten sie sich gegenseitig einen Garantiebrief darüber aus, daß keiner dem anderen unter dem Vorwand des Zweikampfes eine Falle stellen würde. In dieser Urkunde legte man auch die Stärke des bewaffneten Gefolges und die Austragungsumstände fest. Der Zweikampf wurde dann am vereinbarten Tag, zur vereinbarten Zeit, unter Leitung der Sekundanten und im Beisein mehrerer hundert Soldaten auf einer größeren Wiese ausgetragen. Berühmtere Zweikämpfer (z.B. György Thury, László Gyulaffy oder Bálint Magyar) schlugen sich gelegentlich sogar nacheinander mit mehreren türkischen Gegnern.

Türkische Häuser und Heime

Die von den Türken in Besitz genommenen Stadthäuser mußten sich bald einer eigenartigen Verwandlung unterziehen: Man vernagelte die Fenster der unteren Geschosse mit Brettern. Auf diese Weise schützten sich die muslimischen Familien vor den neugierigen Blicken der Außenwelt. Anschließend nahmen sie auch im Inneren Umgestaltungen vor: Die großen Räume wurden durch Trennwände in kleine Zimmer aufgeteilt, damit man sich nicht nur innerhalb der Familie zurückziehen konnte, sondern damit auch Männer und Frauen ihre gesonderten Gemächer bekamen (den Hausteil der Männer nannte man Selamlik, den der Frauen Harem). Türkische Familien, die kleinere Häuser bezogen, ließen alles so, wie sie es vorgefunden hatten, und das aus den alten ungarischen Häusern verdrängte Militär baute sich aus Flechtwerk und Lehm (Strohlehm) neue, anspruchslose Behausungen. Möbel gab es in den türkischen Häusern kaum, dafür aber umso mehr Textilien. Die Kleidung bewahrte man in Truhen oder zu Bündeln verschnürt auf. Zum Sitzen und Schlafen dienten ihnen Kissen, Matrazen und Teppiche. Das Kücheninventar bestand aus einfachen Ton- und Metallgefäßen. Größere, prunkvolle Möbel, wertvolle Waffen und Pferdegeschirr, kostbare Textilien, Duftstoffe, bedeutendere Lebensmittelvorräte und vor allem Bücher kamen nur in den Heimen der wohlhabenderen Türken vor.

Türkische Speisen und Getränke, Kaffee und Kaffeehäuser

Besonders beliebte Gerichte der Türken waren verschiedene mit Fleisch, Kräutern und Gewürzen gefüllte Gemüsesorten und am Spieß oder auf dem Rost gebratenes Fleisch (hauptsächlich Hammelfleisch). Das die Mehrheit der hiesigen türkischen Einwohnerschaft ausmachende Militär ernährte sich jedoch zumeist von billigen, in Gemeinschaftsküchen gekochten Suppen und von Obst. Die in den Krieg ziehenden Soldaten bekamen getrocknetes Räucherfleisch, Honig, Gerstengraupen und Zwieback als Wegzehrung. In friedlicheren Zeiten bestand große Nachfrage nach Süßigkeiten aus Honig, unter den Getränken dagegen nach dem mit Obstsäften verdünnten Sorbett, nach Most oder dem scharfen, gegorenen Bosa.

Der Kaffee wurde irgendwann Mitte des 15. Jahrhunderts im Jemen "entdeckt" und verbreitete sich Anfang des 16. Jahrhunderts - gemeinsam mit den zwischenzeitlich in Mode gekommenen Kaffeehäusern - überall im Nahen Osten. In Istambul, der Hauptstadt des Osmanisches Reiches, öffneten Mitte des Jahrhunderts die ersten Kaffeehäuser. Und obwohl die Behörden davon keineswegs begeistert waren, traten sie bald darauf auch ihren Eroberungszug in Richtung Balkanhalbinsel und Mitteleuropa an. Ein Kaufmann namens Behram brachte Ende des Jahres 1579 zum ersten Mal Kaffeebohnen nach Ungarn mit, und von da an trank man auch bei uns die nach türkischer Art zubereitete "schwarze Suppe". Doch während Kaffee bei allen hier lebenden Schichten der Türken durchgängig beliebt war und die Stadtbewohner (mit Ausnahme der Frauen) ihre Freizeit nach Möglichkeit in Kaffeehausgesellschaft verbachten, gewöhnten sich die Ungarn (die obere Gesellschaftsschicht) das Kaffeetrinken vorwiegend erst nach dem Ende der Türkenherrschaft an.


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