Antichrist
Im biblischen Buch der Offenbarung vorkommende mythische Gestalt, negatives Ebenbild Christi. Es taucht in der Zeit vor dem endgültigen Weltuntergang auf. Mit seinen Wundertaten versetzt er die Menge der Gläubigen in Erstaunen und liefert sie damit der Verdammung aus. Im Mittelalter spann sich um die Taten des Antichristus eine weitverzweigte Legendenliteratur, welche auf die Gedankenwelt der Väter der Reformation einen starken Einfluß ausübte. In der zur Apokalypse tendierenden Geschichtsanschauung des Protestantismus war der Antichrist symbolische und zugleich existierende Kraft, die in der dem Weltuntergang vorausgehenden historischen Gegenwart am Verderben der Gläubigen arbeitet. Luther identifizierte ihn entweder mit dem Papst in Rom oder mit dem türkischen Sultan, am liebsten jedoch mit beiden. Seiner Auffassung nach war der Türke der "leibliche", der Papst dagegen der "seelische" Antichrist. Unter dem Einfluß der Lehren des Wittenbergers hat fast jede bedeutende Persönlichkeit der ungarischen Reformation ein Traktat über den Antichristus verfaßt. Als erster Imre Ozorai, der dem Thema ein ganzes Buch widmete.
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