Postillen

Protestantischer Pfarrer
Die Reformation stellte das Predigen in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. In der Predigt bot sich Gelegenheit, religiöse und moralische Fragen eingehend zu erörtern. Anfangs waren das aus dem Stehgreif gehaltene Ansprachen. Doch als der Bedarf an Lesestoff wuchs, wurden die Predigten aufgeschrieben und auch gedruckt. Die in Buchform erscheinenden Predigten begannen sich mehr und mehr von den freigehaltenen zu unterscheiden und die Form theologischer Traktate anzunehmen. Der erste gedruckte Predigtband in ungarischer Sprache stammt von Gál Huszár (Predigten über das heilige Abendmahl..., Wieselburg 1558). Predigten nannte man auch Postillen (lat. post illa, danach), was darauf verweist, daß diese Darlegungen nach dem Verlesen der jeweils vorgesehenen Bibelstelle folgten. Die Thematik der Predigten ähnelte der der belehrenden Gedichte. Der Titel des Predigtbuches von dem Prediger Gáspár Decsi aus Tolna spricht für sich: Predigt über einige in letzter Zeit regierende Sünden, namentlich erstens über die Sünde, zweitens über die Trunkenheit, drittens über die Unkeuschheit, viertens über den Tanz (Debrezin 1582). Darüber hinaus enthalten Postillen zahlreiche grammatische, ethnographische und kunsthistorische Angaben, die heute zum Großteil noch unerschlossen sind.

PÁ-JúSz