Neostoizismus

Eine späte Strömung des europäischen Humanismus, deren Vertreter ihr Schaffen der Wiedererweckung der stoischen Philosophie widmeten. Sie studierten die Lehren der großen griechischen Stoiker Zenon, Kleantes, Krysippos, interpretierten und übersetzten die Schriften von Epikthetos, Seneca und Marcus Aurelius. Sie stellten der Unberechenbarkeit und Unsicherheit der Welt die innere Abhängigkeit und das Gleichgewicht der menschlichen Seele gegenüber. Wie es János Rimay formulierte: "Wer sich selbst gehören kann, gehöre keinem anderen." Zentrale Kategorie des Neostoizismus war die Beständigkeit (constantia). Darunter verstand man eine moralischer Überzeugung entspringende Lebensenergie, die half, die Integrität der Persönlichkeit gegenüber den würgenden Einflüssen der Umgebung zu bewahren. Neostoizismus bedeutete nicht völliges Abkapseln bzw. Zurückziehen von den Höfen und vom politischen Leben. Bestreben der neostoischen Intellektuellen war es eher, die politische Moral zu erneuern bzw. zu bessern. Neben János Rimay gab es in Ungarn zahlreiche ausgezeichnete Vertreter des Neostoizismus: z.B. Péter Révai, der sich um die staatstheoretische Literatur verdient machte, den Ödenburger Bürgermeister Kristóf Lackner (1571-1631), der emblematische Werke schrieb und ein Emblemwörterbuch herausgab (Florilegius Aegyptiacus, Keresztúr 1617), oder Demeter Náprágyi, Prälat und Mäzen, oder den siebenbürgischen Dichter János Petki (1572-1612) oder den Epikthetos-Übersetzer János Thordai (1597-1636).

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