Avignoner Gefangenschaft, Reformkonzile
Avignoner Gefangenschaft
Unmittelbar vorausgegangen war ihr die Besteuerung des französischen Klerus ohne päpstliches Einvernehmen, weshalb Bonifatius VIII. (1294-1303) den französischen König Philipp (den Schönen) IV. in Bann nehmen wollte. Doch die Männer des Königs setzten den Papst gefangen, der wenig später starb. Danach wählte man in der Person Klemens V. (1305-1314) den königstreuen Kardinal von Bordeaux zum Papst, der 1309 ins südfranzösische Avignon umsiedelte. Er war der erste Papst von Avignon, dem noch sechs weitere folgten. Als erster kehrte 1367, auf Druck der Deutschen und Italiener, Urban V. (1362-1370) nach Rom zurück. Da er jedoch mit der dort herrschenden Anarchie nicht zurecht kam, nahm er erneut in Avignon Zuflucht. Endgültig kehrte der Heilige Stuhl unter Gregor XI. (1370-1378) nach Rom zurück. Am 17. Januar 1377 hielt er im Vatikan Einzug, der von dieser Zeit anstelle des Lateran päpstliche Residenz wurde. Nach seinem Tod wählten sowohl die französische als auch die italienische Partei der Kardinäle jeweils einen Papst, was zur Spaltung der abendländischen Kirche (1378-1414) und zur tiefsten Krise des mittelalterlichen Papsttums führte. Die glanzvolle Hofhaltung und das neue Steuersystem der in Avignon residierenden Päpste lösten in ganz Europa Mißfallen aus. Zur Zeit der Avignoner Päpste entwickelte sich das Konsistorium (Rat der Kardinäle) zum entscheidenden Gremium der Kirchenregierung.
GYR
Reformkonzile
Universalkonzile, die dazu berufen waren, den nach der Avignoner Gefangenschaft des Papsttums eingetretenen Kirchenbruch zu beenden, die Einheit der Kirche wieder herzustellen und die Kirche von innen zu reformieren: Konzile von Pisa (1409), Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449). Mit dem Ziel einer Umgestaltung der Kirchenorganisation versuchte man, die päpstliche Macht einzuschränken und das Konzil über den Papst zu stellen. Am weitesten ging darin das Basler Konzil; mehrere seiner Beschlüsse wurden nicht zum allgemeinen Bestandteil des Konzils, wie beispielsweise der Angriff auf das päpstliche Primat. Daß es auch innere Schwierigkeiten zu bewältigen galt, zeigen die lange Dauer dieses Konzils, der mehrmalige Wechsel des Sitzungsortes (1438 Ferrara, ab 1439 Florenz, ab 1443 Rom) sowie das Fehlen eines formalen Abschlusses. Zwischen 1439 und 1442 wurde dann mehr und mehr die geplante Union mit der Ostkirche zum Hauptthema, die zwar theoretisch zustande kam, aufgrund der erfolgreichen türkischen Eroberungspolitik jedoch nicht realisiert werden konnte.
GYR |
|