SIEDLUNG UND WOHNSTÄTTE
Städte
Im Jahr 1301, zur Zeit des Aussterbens der Arpadendynastie, war in Ungarn erst ein Teil der Städte, die man nach dem Mongolensturm errichtet hatte, von Mauern umgeben. In der westlichen Hälfte Europas gab es befestigte Städte schon wesentlich früher, dort war man den einheimischen Verhältnissen um rund einhundert Jahre voraus.
Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Warenproduktion und die Kultivierung neuer Gebiete ermöglichten es, daß in den Dörfern mehr Nahrungsmittel als früher erzeugt wurden. Dieser relative Warenüberfluß führte zu einem demographischen Wachstum, als dessen unmittelbare Folge immer mehr Menschen in die ständig erstarkenden Städte zogen, um dort zu wohnen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch das Handwerk, das sich in den zu Städten heranwachsenden Siedlungen entfaltete, trug zu diesem Überschuß an Produkten bei.
Infolge des reger werdenden Warenaustauschs erwiesen sich die zeitgenössischen kirchlichen Einrichtungen und neben den Burgen entstandenen Märkte, die damals bereits über ihre örtlichen Rahmen hinausgewachsen waren, nach und nach als zu eng. Der Fernhandel forderte für sich einen größeren Anteil am Handelsverkehr.
Die Stuhlweißenburger Latiner hielten es Anfang des 13. Jahrhunderts für erwiesen, daß der ihre Rechte festschreibende Freibief, man nennt ihn kurz Weißenburger Freiheit, von König Stephan dem Heiligen stamme. Auf der Grundlage gerade dieses Freibriefs hatten 1238 Tirnau, 1248 Nitra, 1271 Raab und Szatmár, 1277 Ödenburg sowie im Jahr 1279 Eisenburg ihre Privilegien erlangt. Dasselbe wie Weißenburg zu erreichen, blieb für die Städte selbst im 14. Jahrhundert noch ein Wunschtraum. Wesentlichstes Element dieser Freiheit war die Zollfreiheit, und als wichtiges Privileg galt das Landesmarktrecht. Neben Stuhlweißenburg stand dieses Recht nur wenigen Städten zu, z.B. ab 1287 Ofen, ab 1344 Ödenburg und Preßburg, ab 1347 Kaschau und ab 1353 Bistritz in Siebenbürgen.
Der neuen Hauptstadt - Ofen - kam eine ständig wachsende Bedeutung zu. Während die wichtigsten Handeslrouten des Landes bis zum Ende des 13. Jahrhunderts von Weißenburg kontrolliert wurden, verlagerte sich dieser Knotenpunkt im Zeitraum nach dem Mongolensturm mehr und mehr nach Ofen. Immer häufiger werden vom Ende des 13. Jahrhunderts an die Ofner Stadtprivilegien als Beispiel erwähnt, als Muster dienten aber auch Korpona oder für die Bergstädte Schemnitz und Teschen. Gegen Mitte des 14. Jahrhunderts begann man zunächst, die städtischen Privilegien in einheitliche rechtliche Rahmen zu fassen.
Ein Gutteil der Städte, die man als Folge des Mongolensturms von 1241-42 mit Mauern umgab, zählte auch früher schon als weitläufig. Weißenburg beispielsweise war bereits Ende der Arpadenzeit eine Ansiedlung beträchlicher Größe, und im ausgehenden 15. Jahrhundert umfaßte es ein Gebiet von ca. 1780 ha. Ein solch riesiges Wohngebiet einzuzäunen, war weder möglich noch sinnvoll. Gerade deshalb wurden beim Bau der Stadtmauern zusammenhängende bzw. zusammengehörende Stadtteile oder Straßen durchtrennt.
Die ummauerte Innenstadt findet erstmals zwischen 1259 und 1270 Erwähnung. Ihr Territorium ist, gemessen an dem der ganzen Stadt, eher klein zu nennen. Es umfaßte insgesamt 20,8 ha, was Ende des 15. Jahrhunderts in etwa ein Neuntel des Weißenburger Stadtgebiets war. Von dieser Zeit an erwähnen unsere Urkunden die künstlich geschaffenen Vorstädte: Die spätere Ofner Vorstadt im Jahr 1331 als suburbium und 1406 als civitas exterior, die Neustadt 1327 als Insel, die Vorstadt Ingovány 1372 als Inguan, und Neudorf 1298 unter dem Namen Nova Villa.
Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Gran - Königsstadt -, Raab, Körmöcbánya, der Ofner Wasserstadt, Fünfkirchen sowie Preßburg zu beobachten. Als typisch urbanes Problem galt, daß die Einwohner innerhalb des von Mauern umschlossenen Gebiets nicht mehr genügend Platz fanden und daher nach außen drängten. Man löste das Problem, indem man entweder das Stadtgebiet erweiterte und die Stadtmauer um einen neuen Abschnitt verlängerte - wie wesentlich später in Rust -, oder außerhalb der Mauern ausgedehnte Vorstädte gründete, wie im Falle von Belgrad oder Kronstadt.
Diese zellenartig weiterwachsenden Stadtteile gingen später zum Teil im Stadtkern auf, oder sie erhielten als Vorstädte eventuell ähnlich wie die Innenstadt eine Befestigungsmauer (Raab, Hermannstadt, Fünfkirchen, Ödenburg). Preßburg bekam spätestens 1311 eine Stadtmauer, und im 14. Jahrhundert wurden auch die Städte Tirnau, Bartfeld, Preschau, Güns, Trentschin, Eisenstadt und Skalitz befestigt. Ein Großteil der Städte war neben einer früheren Burg entstanden, und der Herr dieser Burg übte auch die Aufsicht über ihren Markt aus. Diese Burgen, die sich im Besitz des Königs bzw. der Königin, sowie in erzbischöflichem, bischöflichem oder gräflichem Besitz befanden, mußten sich nicht unbedingt auf einer der umliegenden Anhöhen erheben (Kronstadt, Erlau, Gran, Schemnitz, Schloining, Trentschin, Veszprém, Visegrád, Sohl), sondern konnten - mitunter schon früher ausgebaut (Fünfkirchner Bischofsburg), mitunter durch einen Graben abgegrenzt (neue Königsburg in Stuhlweißenburg, Käsmarkt, Klausenburg, Eisenstadt) - auch im Verband der Stadtmauern stehen.
Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gab es an den Ende des 13. - Anfang des 14. Jahrhunderts ausgebauten Befestigungen der Städte fast keine qualitativen Veränderungen. Die relativ hohen, durch Türme mit rundem, hufeisenförmigem, halbrundem oder quadratischem Grundriß gegliederten Stadtmauern bewahrten ihre Form. Die an weniger geschützten Stellen erbauten Städte umgab ein breiter Graben, über welchen hölzerne Zugbrücken zu den in der Regel zwei oder drei Stadttoren führten. Diese Tore hatten zu ihrem Schutz selbstverständlich einen separaten Torturm. Über ähnliche Wehranlagen verfügten auch die damaligen Burgen, die in dieser Zeit noch immer eher auf Anhöhen als in flachem Gelände erbaut wurden. Da mit der Verbreitung und allgemeinen Anwendung der Kanone bei der Belagerung von Burgen erst vom Ende des 15. bis Anfang 16. des Jahrhunderts an gerechnet werden kann, dürfte sie im behandelten Zeitalter noch keinen Einfluß auf den Burgenbau bzw. die Anlage der Stadtmauern ausgeübt haben.
Die Befestigungsmauern waren damals also noch dünner und auch höher, weil man nicht das die Mauern zerstörende Kanonenfeuer, sondern die auf Leitern emporkletternden Belagerer fürchtete. Von den die Mauern in bestimmten Abständen gliedernden Türmen beschossen Bogenschützen die Angreifer, die die Festungsanlagen zu erstürmen suchten. Innerhalb der Städte hatte man mitunter die Pfarrkirche (Bartfeld, Bistritz, Kronstadt, Preschau, Földvár, Leutschau, Hermannstadt, Szepesszombat, Sohl) oder aber die königliche Basilika und den dazu gehörigen Gebäudekomplex (Stuhlweißenburg) extra mit einer Mauer umgeben. In vielen Fällen standen die Kirche (Altenburg) oder Kathedrale (Erlau, Klausenburg, Gran, Kremnitz, Fünfkirchen, Schässburg, Schemnitz) im Gebiet der innerstädtischen Burg.
Charakteristisch für die angesiedelten Städte Ungarns sind das regelmäßige, rechtwinklig angelegte Straßennetz sowie der zentral liegende Marktplatz mit quadratischem oder rechteckigem Grundriß. Solch einen Markt hatten Bistritz, Korpfen, Klausenburg und Leutschau schon im 13. Jahrhundert, aber auch im später ausgebauten Raab oder Fünfkirchen gab es solche Märkte.
Um einen mehr als zehntausend Quadratmeter Grundfläche messenden Marktplatz mit unregelmäßig viereckigem Grundriß errichtete man die Häuser und Stadtmauern der von 36 Familien gegründeten Siedlung Kremnitz. Im Jahr 1328 erhielt die Siedlung das Stadtrecht, ihre Stadtmauern jedoch wurden erst 1426 ausgebaut. Die durch den Goldabbau zu außergewöhnlichem Reichtum gelangenden Städte konnten sich auch den Bau von Hüttenanlagen leisten, und hinzu kam noch der Weinausschank, der die Einkünfte der Bürger ebenfalls mehrte.
Hauptsächlich bei Städten, die im Zuge einer spontanen Entwicklung am Rande von stark frequentierten Handelsrouten entstanden, bildete die sich verbeiternde Straße den Marktplatz (Gölnitz, Bistritz, Preschau, Kaschau, Pásztó - das 1407 den Rang eines Oppidum erlangte -, Mühlbach, Szepesszombat, Sohl). In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist ein erneuter Aufschwung zu beobachten: Es kommt zur Herausbildung dauerhafter Handelsbeziehungen zwischen den Städten. Auch ihre Rechtsstellung stabilisierte sich, und der Umstand, in welchem Maße sie am Fernhandel beteiligt waren, wurde noch bestimmender für ihre Entwicklung. Man eröffnete weitere Bergwerke, was wiederum zur Gründung neuer Bergstädte anregte (Aranyosbánya, Frauenbach, Felsõbánya, Szomolnok, Kremnitz, Telkibánya, Zólyomlipcse, Rosenberg).
Mitte des 14. Jahrhunderts hatten bereits mehr als zwanzig Siedlungen den Rang einer tatsächlichen Stadt erworben. Anfangs rivalisierten sie noch untereinander, doch schon zur Anjouzeit läßt sich auch Zusammenarbeit erkennen, in erster Linie bei der Abwicklung von Prozeßangelegenheiten (Zipser Sachsenrecht, Berufungsinstanz der sieben sächsischen Stühle). Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird das Ofner Stadtrecht maßgebend. Die Rechtsvorschriften von Schemnitz dienten den anderen Bergstädten als Muster, aber um 1370 forderten viele, die Rechtsstellung von Korpfen ebenfalls zu regeln. Von 1383 an zieht man zur Arbeit der Gerichte, bei denen der Schatzmeister den Vorsitz führte, auch bürgerliche Beisitzer heran.
Auch zu jener Zeit noch befaßte sich eine beträchtliche Zahl der städtischen Einwohnerschaft mit landwirtschaftlichen Arbeiten. Im 15. Jahrhundert allerdings gingen mehr und mehr Stadtbewohner dazu über, ein Gewerbe zu betreiben, selbst wenn ihr Anteil zu Beginn des 15. Jahrhunderts insgesamt gesehen nur etwa ein Drittel betrug. Eine bedeutende Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion der Städte kam dem Getreideanbau sowie dem Weinbau bzw. der Weinherstellung zu (Ödenburg, Preßburg, Weißenburg, Ofen, Kaschau).
Bestimmend im Stadtbild waren von der Straße erreichbare Kellerzugänge bzw. Wirtschaftshöfe, also Gebäude dörflicher Prägung. Erst im 15. Jahrhundert wandelte sich dieses Bild und zeigte eine geschlossenere, urbanere Bebauungsform. Die Rechte zur Abhaltung von Märkten sowie bezüglich des Binnen- oder Fernhandels aber blieben weiterhin grundlegende Privilegien. Gleichzeitig wuchs die Rolle des Außenhandels, der zu diesem Zweck ausgebauten wichtigen Land- und Wasserwege sowie jener Städte, die dadurch an Ansehen und Bedeutung gewannen.
Mit der Wende vom 14. auf das 15. Jahrhundert bzw. im Laufe des 15. Jahrhunderts kristallisierte sich ein neues Bild der ungarischen Städte heraus. An den Häuserfassaden erschienen von Steinmetzen geschaffene Kunstwerke, dekorative Fenster, Türen und Erker (Ofen, Ödenburg, Weißenburg), aber auch die Pfarrkirchen zeigten immer prächtigere Dekorationen. Dies war ein symbolischer Beweis für den Reichtum der städtischen Bürgerschaft.
Ein Teil unserer Städte dürfte bis zum 15. Jahrhundert das westeuropäische Niveau erreicht haben. Durch das 1405 erlassene Städtedekret war ihre Rechtsstellung gesichert. Daß es auch Rückfälle gab, bezeugt das Beispiel mehrerer Städte, die ihre Freiheit verloren und als Pfand oder Geschenk Eigentum von Grundbesitzern wurden (Sárospatak, Sárvár, Sátoraljaújhely, Güns). Als wichtiger Erfolg ist hingegen zu betrachten, daß das 1405 erschienene Dekret wesentlich zur Entwicklung der Marktflecken beigetragen hat.
Burgen
Burgen entstanden als selbständiger Komplex außerhalb von Städten oder als organische Bestandteil der Städte. Für alle ungarischen Burgtypen waren Anfang des 14. Jahrhunderts hohe, durch Türme gegliederte Mauern kennzeichnend, und in ähnlicher Weise errichtete man zur damaligen Zeit auch die Festungen. Die in Städten befindlichen bzw. zu deren Schutz und Aufsicht berufenen Burgen standen an den wichtigeren Handelsrouten bzw. in der Nähe von Kreuzungen solcher Straßen. Ein großer Teil der Burgen wurde als Gutszentrum oder als Bestandteil der Verteidigungslinien an den Grenzen erbaut.
Von vielen früheren Burgen blieb der Torturm bis zum 14. Jahrhundert erhalten, und häufig begegnete man ihm sogar im 15. Jahrhundert noch. Diese Türme hatten eine Grundfläche von 10-12 x 10-12 m, einige ihrer Räume dürften beheizbar gewesen sein. Ein solcher Torturm sowie die anschließenden Palastflügel bilden auch den Kern der Visegráder Oberburg. Im 14. Jahrhundert entstanden entlang der Befestigungsmauern mehrere neue Gebäude bzw. Wohntrakte, so daß der frühere Burgkomplex um mehrere Vorburgen und Höfe erweitert wurde (Trentschin). Typisch war auch, daß man die Ringmauern mit neuen Mauern verstärkte, wodurch die Zwinger entstanden.
Die Errichtung der über einem regelmäßig quadratischen Grundriß mit vier Ecktürmen erbauten Burg und des Palastes in Diósgyõr geht auf König Ludwig I. zurück. In diesen Zeitraum fallen auch seine Bauvorhaben bzw. Erweiterungen an den Königsburgen in Ofen und Visegrád, die von einem starken italienischen Einfluß zeugen. Schon zur Zeit König Sigismunds baute man die Burg von Végles, und zwar ohne Ecktürme, aber gleichfalls mit quadratischem Grundriß. Einen ebenso regelmäßigen Grundriß hat die Burg von Gesztes, deren Zentrum ein Hof mit quadratischem Grundriß bildet. Bereits in der ebenfalls zu dem Typ mit quadratischem Grundriß gehörenden neueren Stuhlweißenburger Königsburg, die König Béla IV. Ende des 13. Jahrhunderts erbauen ließ, sind die um einen zentralen Hof angeordnen Wohngebäude (Palastflügel) zu finden. Und auch im Fall von Eisenstadt oder Güns waren die um den quadratischen Innenhof errichteten Wohntrakte von Stadtmauern mit ähnlichem Grundriß umschlossen.
Klöster
Das Bauschaffen und die Tätigkeit der klösterlichen Orden setzte in Ungarn zur Zeit der Staatsgründung ein. Als erste kamen die Benediktiner, später dann die Zisterzienser und Prämonstratenser, die mehr und mehr Klöster gründeten. Ihre auf hohem Niveau ausgeführten Bauvorhaben, der Umbau bzw. die Erweiterung alter Kirchen oder Klöster waren von entscheidendem Einfluß auf die Architektur des Zeitalters. In der gewaltigen Entwicklung der Städte Ende des 13. Jahrhunderts jedoch spielte bereits die Bautätigkeit der Bettelorden eine bedeutendere Rolle. In den immer markantere urbane Züge aufweisenden Siedlungen erschienen in erster Linie die Klöster der Franziskaner und Dominikaner. Aber auch von den Kartäusern, den Eremiten des Augustinerordens, den Paulinern und Karmelitern wurden zahlreiche Klöster gebaut.
Einer aus dem Jahr 1303 datierenden Konskription zufolge fanden die Mönche und Nonnen des Dominikanerordens sowohl in den schon früher blühenden urbanen Zentren (Fünfkirchen, Gran, Csázma, Stuhlweißenburg, Eisenburg) als auch in den im Zeitraum nach dem Mongolenüberfall heranwachsenden Städten (Ofen, Pest, Margareteninsel, Sárospatak, Nagyolaszi, Tirnau, Kaschau, Schemnitz, Hermannstadt, Schässburg) ein zu Hause.
Nicht lange nach den Dominikanern ließen sich auch die Franziskaner hier nieder. 1316 gehörten ihnen in Ungarn und Slawonien bereits 43 Ordenshäuser, während die Dominikaner 1303 erst über 35 verfügten. Die ersten Franziskanerklöster entstanden in Bistritz, Ofen, Gran, Stuhlweißenburg, Raab, Steinamanger, Hermannstadt, Pest, Tirnau, Szeged und Sárospatak. Dagegen war der Einsiedlerorden der Augustiner in Ungarn kaum verbreitet. Sie besaßen bis zum Ende des Mittelalters nicht mehr als 22 Klöster; die bedeutendsten darunter standen in Gran, Stuhlweißenburg, Karlsburg und Fünfkirchen.
Neben den Bettelorden hatten sich bis zum 14. Jahrhundert auch verschiedene Einsiedlerorden in Ungarn etabliert. Die Kartäuser waren in relativ geringer Zahl vertreten (im Zipserland und im Bakony-Gebirge), doch der einzige von Ungarn gegründete Einsiedlerorden, die Pauliner, erfreute sich großer Beliebtheit. Vermutlich im Namen des Eusebius und seiner Gefährten hatten die Eremiten noch von Papst Urban IV. (1261-1264) die Erlaubnis eingeholt, nach den Regeln des hl. Augustin zu leben. Bis Ende des 13. Jahrhunderts formierten sich die Pauliner zu einem Orden und gründeten 1301 ihr Kloster in Budaszentlõrinc, das zum Ordenzentrum wurde. 1327 registrierte man schon etwa 30 Paulinerklöster, und bis zum Ende des Mittelalters war diese Zahl auf über 80 angestiegen. Typisch für Paulinerklöster ist, daß man sie zumeist in der Nähe von Burgen findet, z.B. im Gebiet der Großen Tiefebene hingegen vergeblich sucht.
Eine entscheidende Rolle im Leben der Orden spielten die Grundbesitzer, die mit ihrem Wirken als Patronatsherren bzw. mit der Auswahl ihrer Begräbnisstätten im 14.-15. Jahrhundert neben den Franziskanern vor allem die Pauliner beehrten. Die Pauliner bauten ihre Klöster mit Vorliebe in waldreichen, bergigen Gegenden fern von Siedlungen, aber auch in mehreren Städten oder deren Nähe waren sie zu finden (Schlaining, Huszt, Bereg). Im Gegensatz dazu galten die Franziskaner als ausgesprochener Stadtorden, obwohl sie sich in Dörfern ebenso niederließen. Mitte des 15. Jahrhunderts gab es in Ungarn bereits achtzig ihrer Klöster.
Unter den größeren Städten hatte der Frannziskanerorden in Bartfeld, Ofen, Pest, Debrecen, Erlau, in der Königsstadt von Gran, in Gyöngyös, Kaschau, Preschau, Klausenburg, Tirnau, Hermannstadt, Großwardein, Fünfkirchen, Preßburg, Ödenburg und Stuhlweißenburg Klöster gegründet. Die Dominikanermönche und Nonnen fanden unter anderem innerhalb der Mauern von Bistritz, Kronstadt, Ofen, Pest, Debrecen, Raab, Karlsburg, Kaschau, Klausenburg, Hermannstadt, Fünfkirchen, Schässburg und Stuhlweißenburg Aufnahme.
Klarissenklöster wurden in Altofen, Hermannstadt, Kronstadt, Preßburg und Schässburg erbaut. Karmeliterköster gab es in der Ofner Vorstadt, in Preschau, Fünfkirchen und Privigye. Die Bettelorden errichteten ihre Ordenshäuser überwiegend am Stadtrand nahe der Stadtmauern, seltener an innerstädtischen Straßen oder in der Nähe der Stadttore. Meist fanden sie nämlich nur noch im Gebiet der Vorstädte einen für das Kloster geeigneten Baugrund, der gewohnheitsgemäß mindestens die Größe eines Viertelhektars haben mußte.
Wichtigstes Gebäude der Klöster war die Kirche. Typisch für die Kirchen der Bettelorden ist ein relativ langes, schmales Schiff, das im Osten der Triumphbogen und der Lettner vom Chor trennen. Bis zum 13. Jahrhundert hatten die ebenfalls längliche Grundrißanordnung zeigenden Chöre einen geraden Abschluß. Vom 14. Jahrhundert an kamen dann meist schon die mit drei Seiten eines Achtecks abschließenden, von Strebepfeilern gestützten gotischen Chöre zur Anwendung. Diese Strebepfeiler waren deshalb erforderlich, weil die Mauern das Gewicht der Kirchengewölbe ansonsten nicht hätten tragen können. Die von Meisterhand gearbeiteten Rippen der im Zeichen der Gotik gebauten Kirchen bildeten wunderbare Netzgewölbe, und die bemalten Scheiben der riesigen Maßwerkfenster ließen die göttliche Helligkeit herein.
Der Turm erhob sich bei den Kirchen der Bettelorden an der Nordseite des östlich vom Schiff gelegenen Chores, meist in der Nähe des Schiffs oder vor der Apsis. Bei einigen im 13. Jahrhundert erbauten Klöstern kam es vor, daß der Turm vor der Westfassade stand. Zu jener Zeit wurden Bestattungen im Schiff oder Chor der Kirche bzw. im Kreuzgang oder Hof des Klosters vorgenommen; die Gräber deckte man mit eigens dafür bearbeiteten Steinplatten ab. In der Mehrzahl der Fälle lagen die Klöster an der Südseite der Kirche, bekannt sind aber auch Beispiele, wo sich das Kloster an der Nordseite befand (Zalaszentgrót, Altofen, Szécsény, Szeged). Von dem im Mittelpunkt des Klosterkomplexes umlaufenden Kreuzgang führte in der Regel eine Tür zum Kirchenschiff. Dieser Kreuzgang umgab einen Hof mit Viereckgrundriß. Im Hof stand ein Brunnenhaus, das dem Kloster oftmals zur Zierde gereichte. Aus dem Kreuzgang gelangte man in die für das Leben der monastischen Gemeinschaft wichtigen Gebäudeteile. Neben dem Chor der Kirche lag die Sakristei und in deren Nähe der Kapitelsaal. Hier hatten auch die Küche, die Heizkammer, das Refektorium (Speisesaal), der Anrichteraum und das Dormitorium (Schlafraum) Platz gefunden. In vielen Klöstern gab es ein Spital, ein Gästehaus und eventuell eine separate Kapelle. Weiters gehörte zum Kloster auch ein Wirtschaftshof mit den angeschlossenen Wirtschaftsgebäuden. Dies alles entstand im allgemeinen als geschlossener Gebäudekomplex, freiliegende Teile wurden von der Außenwelt durch eine Umzäunung abgegrenzt.
Dörfer
Im 14.-15. Jahrhundert bestand die Mehrzahl der Siedlungen des Landes aus Dörfern. Zwischen Stadt und Dorf rangierten in juristischem wie auch stadtbildlichem Sinne die Marktflecken (oppidum), die zwar Siedlungen dörflicher Prägung waren, aber über eine wesentlich größere Grunfläche verfügten. Das Bild der Dörfer zeigt, nach Beschäftigung und Zugehörigkeit ihrer Einwohner beurteilt, große Mannigfaltigkeit. Es gab Dörfer des Kleinadels (z.B. Sarvaly) und Leibeigenendörfer (wie Szentmihály oder Csút). Ende des 14. Jahrhunderts hatte schon mehr als die Hälfte der Siedlungen eine eigene Kirche. Diese Dorfkirchen standen immer im Zentrum der Siedlung oder an einer erhöhten Stelle. Innerhalb ihrer unregelmäßig kreisförmigen bzw. ovalen Umzäunung befand sich der Kirchhof (Friedhof), wo mehrere Generationen ihre letzte Ruhestatt fanden. Im 13. Jahrhundert baute man in diesen kleinen, meist 18-20 Häuser zählenden Dörfer noch einschiffige Kirchen mit halbrunder oder hufeisenförmiger Apsis. Doch schon Ende des 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts wurden sie von Kirchen mit quadratisch abschließendem Chor abgelöst. Später erhielten sie dann auch gotische Apsiden, überwölbte Räume, Strebepfeiler und andere gotische Details.
Ihrer Anordnung entsprechend lassen sich die Dörfer in zwei große Gruppen untergliedern: den Typ der regelmäßig (d.h. nach Gassen bzw. in Reihen) und der unregelmäßig angelegten Dörfer. Zu den Häusern gehörten Grundstücke, auf denen das aus einem Raum bestehende Grubenhaus zunächst von einem - mitunter sogar schon aus Stein erbauten - Haus mit zwei und später dann überwiegend mit drei oder mehr Räumen abgelöst wurde.
Als charakteristische Tätigkeit zählte in diesen Dörfern außer der Landwirtschaft auch das Handwerk; in erster Linie Schmieden, Schneidern, Schustern sowie das Töpferhandwerk. Bei archäologischen Freilegungen von Dorfhäusern fand man in den Küchenabfällen zu mehr als der Hälfte Knochenüberreste wilder Tiere, was darauf hindeutet, daß die Domestizierung der Tiere damals bei weitem noch nicht den Stand späterer Jahrhunderte erreicht hatte.
