Bettelordenskirchen, Ödenburger Franziskanerkloster
Bettelordenskirchen
Die im 13. Jahrhundert gegründeten Bettelorden - Franziskaner, Dominikaner, Karmeliter und Augustiner - waren die beliebtesten Orden des 14. Jahrhunderts. Ihre Klöster bauten sie zumeist in Städten, im allgemeinen am Rand der Siedlungen, in den Armenvierteln. Als ihre Hauptaufgabe betrachteten sie die Betreuung der Armen bzw. den Kampf gegen das Ketzertum. Demgemäß lebten auch sie selbst in Armut und vermieden an ihren Bauten jeglichen Prunk. Wichtig war ihnen, dem Volk zu predigen, weshalb ihre Kirchen aus großen, ungegliederten Innenräumen bestanden, wo möglichst viele Menschen die Worte des Predigers hören konnten. Einen Teil ihre Gebete verrichteten sie in den im langen Chor der Kirche befindlichen Stallen stehend. Da man zwischendurch mitunter auch Läuten mußte, erbauten Franziskaner und Dominikaner den Glockenturm im allgemeinen neben dem Chor. Ein anderer Ort für Gebete war der als Kapelle benützte Kapitelsaal. Eine wichtige liturgische Rolle kam bei den Franziskanern der großen, als Kapelle eingerichteten Sakristei zu, in deren Obergeschoß man häufig die Orgel unterbrachte. Großes Gewicht maßen sie dem Lernen bei, so daß den Zentren ihrer Ordensprovinzen auch Schulen angeschlossen waren. Die Mönche/Nonnen lebten, im Gegensatz zu dem bei früheren Orden üblichen gemeinsamen Schlafraum, meist in gesonderten Zellen.
GB
Ödenburger Franziskanerkloster
Die Ödenburger Franziskaner werden 1278 erstmals erwähnt. Mit dem Bau ihres Ordenshauses am Hauptplatz der Stadt begannen sie im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts. Als erstes entstand der Kirchenchor, und um 1300 dann der quadratische Langbau - zunächst noch ohne Pfeiler und Gewölbe - mit einem spitzbögigen Gewändeportal im Westen sowie einer auf Arkaden ruhenden Chorsperre vor dem Triumphbogen. In dem an die Südseite der Kirche anschließenden Kloster wurde etwa in den 1330er Jahren ein ursprünglich durch eine Ostkapelle erweiterter Kapitelsaal mit zwei Pfeilern errichtet. An der Nordseite des Kirchenschiffs ließ die Familie Geissel im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts einen Turm bauen und mit dem eigenen, eine Ziege abbildenden Wappen schmücken. Zwar ist das Alter der vier Pfeiler und des Kreuzgewölbes im Langhaus umstritten, doch das an der Skulpturenkonsole eines Pfeilers erscheinende Wappen der Geissels deutet darauf, daß auch diese etwa so alt wie der Turm sein dürften.
GB |
|