Höllenfahrt des Laurenz Tar, Toldi-Sage

Jüngstes Gericht, Hölle
Oswald von Wolkenstein
Stephan Lackfi
Höllenfahrt des Laurenz Tar

Laurenz Tar, um 1370 in Tar geboren, enstammte dem Tarer Zweig des Geschlechts Rátót. Er war Ritter König Sigismunds und führte ein abenteuerliches Leben. Zwischen 1405 und 1407 Gespan der Komitate Hont und Nógrád, zwischen 1407 und 1409 königlicher Mundschenk, ab 1408 Truchseß der Königin. Nach 1426 erwähnen ihn die Quellen nicht mehr. Als Begleiter des reiselustigen Königs Sigismund hielt er sich desöfteren in westlichen Ländern auf, begleitete den Herrscher 1415 zum Konstanzer Konzil, war aber auch vorher, zwischen 1409 und 1411, schon einmal in Irland gewesen. Vermutlich durch den Eindruck, den die in der Umgebung Sigismunds kennengelernten Geschichten über Höllenfahrten auf ihn gemacht hatten, suchte er damals das Purgatorium des St. Patrik auf, jene Schwefeldämpfe ausströmende Höhle, die von den Pilgern im Mittelalter für den Eingang zur Hölle gehalten wurde. Seine hiesigen Erlebnisse und Visionen berichtete er dem königlichen Notar in Dublin, der diese aufschrieb. Doch nicht nur der offizielle Bericht, auch die Überlieferung im Volk hat die Erinnerung an ihn bewahrt: Aus der Zeit um 1520 blieb ein 13 Hexamterzeilen umfassender lateinischer Auszug jenes Gedichts erhalten, das von der Höllenfahrt des Laurenz Tar handelte. Und wahrscheinlich demselben Werk entnahm Sebastian Tinódi um 1552 die auf Sigismund bezogenen Visionen in seine Chronik über Sigismund.

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Toldi-Sage

Um 1574 faßte Peter Selymes von Ilosva die abenteuerliche Lebensgeschichte des Grundbesitzers Nikolaus Toldi (1320-1390) aus dem Komitat Bihar in Verse. Der Held der Handlung war zwischen 1352 und 1354 Preßburger Vizegespan und Burgkommandant, trat 1355 in den Dienst des Erzbischofs von Gran und wurde in den folgenden Jahrzehnten Ritter am Königshof. 1363-1364 führte er das Heer an, das König Ludwig I. zur Unterstützung Papst Urbans V. nach Italien entsandt hatte. Dort verdingte er sich als Söldner und geriet 1365 in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wurde er Gespan in Gömör (1366-1371) bzw. Szabolcs (1382-1385), und diente dann auch kurze Zeit noch König Sigismund. Die Sage von den Abenteuern Toldis entstand bereits im 15. Jahrhundert. Sie wurde nicht nur mit dem Werk des Peter Selymens von Ilosva, sondern auch vom Volksmund bis ins 19. Jahrhundert überliefert. Ihre schönste literarische Fassung aber gewann sie in der Trilogie des Dichters János Arany.

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