V. Alsáni, Bartholomäus, B. Himfi, J. Kétyi

Ritter 1
Mittelalterliches Schreibzeug
Klarissen
Te Deum
Valentin Alsáni

Mitglied einer Baronsfamilie aus der südlichen Landesgegend. Er schlug die Priesterlaufbahn ein, wurde 1373 Vizekanzler König Ludwigs, 1374-1408 Bischof von Fünfkirchen. Im zehnten Jahr seines Episkopats verlieh Papst Urban VI. ihm die Kardinalswürde. Eine zeitlang war er Kanzler der Universität Fünfkirchen. Gehörte zu den Diplomaten des Monarchen, nahm als solcher 1381 in Turin an den Friedensverhandlungen mit Venedig teil und begleitete auf Wunsch des Königs die Reliquien des Eremiten Paulus von Theben aus Venedig nach Ungarn. Früher hielt man ihn für den Verfasser des Werkes Historia de translatione, das von der Überführung berichtet. Sein Grabstein befindet sich im Fünfkirchner Dom.

KSZ


Bartholomäus, Eisenburger Notar

Einer der ersten Vertreter jener weltlichen Schreibkundigen, die versuchten, sich mit dem erworbenen Wissen eine berufliche Existenz aufzubauen. Sein Vater war Richter der von Ladislaus IV. privilegierten Stadt Eisenburg. Er selbst tauchte mit dem Titel magister (= Meister) ab 1306 in der Familie der Güssinger auf, bekleidete verschiedene Ämter, war Notar des Palatins Ivan und des Schatzmeisters Nikolaus. Drei Generationen der mächtigen Baronsfamilie diente er, lieh seinen Herren sogar beträchtliche Geldsummen, weshalb sie ihm schließlich Grundbesitz schenkten. Danach übernahm Bartholomäus im Domkapitel Eisenburg, wo das Stallum des für Vorlesers fehlte, die Stelle des Notars. Aus der Zeit nach 1314 ist über seine Tätigkeit nichts bekannt, nur soviel, daß er seinen älteren Sohn Johann (vermutlich im Ausland) studieren ließ (1330). Seine Güter vererbte er dem Kapitel Eisenburg, damit es für seine Söhne sorgen möge. Seine Söhne Johann und Bartholomäus traten mit der Zeit dem Domkapitel bei, Johann wurde 1348 Dekan und ab 1350 Kustode. Der Titel magister vor seinem Namen ist vermutlich auch ein Hinweis auf seinen Bildungsgrad.

KSZ


Ban Benedikt Himfi

Aristokrat des 14. Jahrhunderts. Sohn des Paul, der wiederum ein Sohn des Him von Döbrente war. Ab 1343 tauchte er in den Schriftquellen auf, verstarb 1380 als Vertrauter König Ludwigs. Einen bedeutenden Teil seines bewegten Lebens verbrachte er auf den Kriegsschauplätzen der Feldzüge seines Königs (1376 führte er das Heer gegen Venedig) oder bei diplomatischen Missionen (z.B. am päpstlichen Hof in Avignon). Ab 1347 erwähnen ihn die Quellen als Ritter des Hofes, von dieser Zeit an bekleidete er in mehreren strategisch wichtigen Komitaten das Amt des Gespans (ab 1352 Burgkommandant in Somló, 1357 Gespan von Komorn, ab 1358 von Pilis, 1360-1362 von Szatmár, Marmaros, Ugocsa, 1365-1366 von Krassó und Keve, 1369-1370 von Eisen- und Ödenburg, 1371-1375 von Temesch und Csanád, 1379-1380 Gespan der Komitate Preßburg, Bakony, Raab, Fejér und Komorn). Als Gesandter in Avignon gelang es ihm, Ablaß und verschiedene päpstliche Genehmigungen für sich und seine Familie zu erringen. Er gründete eine Kapelle, trug die Kosten für die Kapitelversammlung des Franziskaner- und Dominikanerordens, sein Beichtvater war ein Franziskaner (Johann Budai, Guardian von Sebes). Mit seiner Familie, seinen Bekannten oder Leibeigenen korrespondierte der ohne Zweifel schreibkundige Baron auf Lateinisch. Ein Ereignis in seinem Leben könnte das Motiv für einen Roman abgeben: 1375 raubten die Türken seine Tochter Margarete und verkauften sie auf der Insel Kreta als Sklavin. Unter dem Vorwand einer Pilgerfahrt ins Heilige Land brach ihr Vater 1376 auf, um sie zu suchen. Doch Margarete Himfi kehrte erst nach dem Tod ihres Vaters, um 1405, nach Ungarn zurück.

KSZ


Johann Kétyi

Ein Minorit brachte die Ereignisse der Jahre 1345-1355 unter König Ludwig I. in Form einer Chronik zu Papier. Fragmente seiner Arbeit wurden in die Ofner, die Dubnicer und die Chronik des Johann Thuróczy übernommen, in seiner Gesamtheit ging das Werk jedoch verloren. Zur Person des Verfassers hat die Forschung festgestellt, daß es sich sehr wahrscheinlich um ein Mitglied des Franziskanerordens handelt, der in seiner Arbeit an die Traditionen der Geschichtsschreibung seines Ordens anknüpfte. Ein Teil der Forscher identifiziert den auch als Namenlosen Minoriten bekannten Autor mit Johann von Kéty (mit anderem Namen von Erlau). Er war Leiter der Erlauer Klosterschule, Kaplan Königin Elisabets sowie Beichtvater König Ludwigs und der Königinmutter. 1358 weilte er als Gesandter von Königin Elisabet am päpstlichen Hof in Avignon, wo er auch Papst Johannes XXII. auffiel. Der ungarischen Ordensprovinz stand er bis 1363 vor, zu dieser Zeit allerdings enthob ihn das Ordenskapitel wegen eines Vermögensdeliktes seines Amtes und er wurde vielleicht bis an sein Lebensende Pfarrer in Beregszász. Andere Forscher halten den Autor für identisch mit Dénes Lackfi, dem Erzieher und Diplomaten König Ludwigs, welcher zunächst Bischof von Agram und schließlich Erbischof von Kalocsa war.

KSZ