Drahtemailletechnik, Herme des Hl. Ladislaus, Reliquie

Hl. Rechte
Trentschiner Herme
Ödenburg - Kloster
Székelyderzs
Drahtemailletechnik

Eine Art der Zellemailletechnik. An dem zu verzierenden Gegenstand befestigt man Bleche, auf die aus gedrehtem Silberdraht (Filigrandraht) gestaltete Zellen aufgelötet werden. Die Zwischenräume der Zellen füllt man mit Emaille aus. Nach dem Brennen zieht sich die Emaille zusammen und die Filigrandrähte heben sich von der Fläche ab. Die Technik aus dem 14. Jahrhundert ist byzantinischer Herkunft und gelangte über Norditalien nach Ungarn. Ihre frühesten ungarischen Denkmäler stammen aus der Sigismundzeit: die Herme (Kopfreliquie) des hl. Ladislaus (irgenwann zwischen 1406-1443) und ein Prunkschwert (1425), das Sigismund dem sächsischen Kurfürsten Friedrich schenkte. Allgemeinere Verbreitung fand die Technik in Ungarn und von hier aus in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

GB


Herme König Ladislaus des Heiligen

Einen Schädelknochen des hl. Ladislaus bewahrte man am Ort seiner Bestattung, im Dom zu Großwardein, in einem Kopfreliquiar auf. Dieser Umstand wird 1273 erstmals erwähnt. 1406 zerstörte ein Brand die frühe Herme, wie aus einer Urkunde König Sigismunds hervorgeht, die Reliquien kamen jedoch nicht zu Schaden. Der heutige Reliquienbehälter dürfte danach entstanden und 1443 schon fertig gewesen sein. Damals stürzte nämlich der Turm der Kathedrale ein, in dem sich die Herme befand, die aber unversehrt blieb. 1565 plünderten Protestanten das Grab des heiligen Königs. Bischof Demetrius von Náprágy konnte die Herme wieder beschaffen. Er nahm sie später nach Karlsburg, Preßburg und 1602 dann nach Raab mit. In Prag ließ er sie restaurieren. Dabei tauschte man auch die gotische Krone mit der heutigen aus. Das Schulterteil der Herme bedeckt Drahtemaille, der Kopf wurde aus vergoldetem, getriebenem Silberblech gefertigt. Im Inneren brachte man in einem Silberetui die Schädelreliquie unter. Einzelne Forscher hielten die Klausenburger Brüder Martin und Georg für die Meister der Herme, und sahen darin das Porträt Bélas III. Diese Annahmen sind jedoch unbegründet.

GB


Reliquie (Lat. reliquia, Relikt)

Relikte von christlichen Märtyrern bzw. Heiligen sowie all jene Gegenstände, die sich mit Jesus Christus und den Heiligen in Verbindung bringen lassen. Reliquien wurden in die Altäre der Kirchen eingebaut oder auf diesen plaziert, meist in kostbaren Reliquienschreinen.

GYR