Ofner Burg, Friss-Palast, Skulpturenfund von Ofen
Ofner Burg
Die nach dem Mongolensturm erbaute befestigte Stadt Ofen war schon im 13. Jahrhundert königlicher Wohnsitz, von einer separaten Burg ist jedoch nichts bekannt. Solch eine Stadtburg hatte wohl erstmals Herzog Stephan am Südende des Burgberges errichten lassen. Vom Ende der 1370er Jahre an ließ Ludwig I. den aus einem quadratischen Bergfried (Stephansturm) und um einen rechteckigen Hof errichteten, eingeschossigen Palastflügeln bestehenden, bewehrten Wohnsitz erweitern. Der im Norden an die Stephansburg angeschlossene Hof wurde durch einen Trockengraben von der Fortsetzung des Burgberges getrennt. Den Ostflügel des Hofes nahmen ein kurzer Palasttrakt sowie die um 1382 beendete zweistöckige Palastkapelle ein. Am Westflügel entstand ein großer Palast mit Arkadenfassade, den vermutlich Profilziegel schmückten. Hier dürften die Wohnräume der Königin gewesen sein. Die den Hof abschließenden Wehranlagen - der Torturm am Trockengraben, der nordöstliche Eckturm, der Csonka-torony (Stumpfe Turm) im Nordwesten sowie die zur Donau führenden Kortinamauern - wurden schon nach dem Tod Ludwigs I. errichtet. Sigismund begann mit der Erweiterung des Burgpalastes in den Jahren nach 1410. Zuerst ließ er den Komplex im Norden um einen neuen, gleichfalls durch einen Trockengraben begrenzten Hof vergrößern. Hier entstand der L-förmige Sigismundpalast, dessen Nordflügel der große, zweigeschossige Saal einnahm und dessen Nordfassade ein prachtvoller Erkergang gliederte. Auch im Südteil ließ er um den Stephansturm einen neuen Palasttrakt bauen, den eine zweigeschossige Brücke mit den Wohnräumen der Königin verband. Dann umgab man den Palast mit starken, aus doppeltem Mauerwerk bestehenden Befestigungen. Nach seiner Fertigstellung in den 1420er Jahren gehörte der Ofner Palast zu den großangelegtesten Herrscherresidenzen Europas.
GB
Friss-Palast
Erstmals 1437, dann 1439 unter dem Namen "friyczpalotahaya" erwähntes Ofner Haus im Vorbereich des Königspalastes, nahe der Propstei St. Sigismund. 1514 war es sicherlich schon im Besitz des Königs. Vielleicht identisch mit dem großen Gebäude, das auf dem Schedel-Stich vor der Burg dargestellt ist. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bindet man es in die neuerbaute nördliche Schlußmauer der Burg ein. Im Keller eines der gegenüberstehenden Häuser kam 1974 der gotische Skulpturenfund von Buda ans Licht. Es wäre also denkbar, daß die Herstellerwerkstatt der Skulpturen im Friss-Palast untergebracht war.
GB
Gotischer Skulpturenfund von Buda (Ofen)
Bei der Freilegung eines mittelalterlichen Hauses im Gelände des heutigen Palastes stieß László Zolnay 1974 auf einen bedeutenden Skulpturenfund: Zum Teil kleine, feinbearbeitete Apostelfiguren, eine Madonna und Heilige beiderlei Geschlechts, zum Teil größere Skulpturen - Damen und Herren in weltlicher Kleidung, ein Page und ein Bischof. Darüber hinaus kamen unter anderem zwei figürliche Konsolen, der Helmschmuck eines böhmischen Königs sowie das Fragment eines ungarischen Wappens zum Vorschein. Ihre Anfertigung datierte Ernõ Marosi ins dritte Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts. Die Frage, wann und weshalb sie in die Erde gelangten, ist umstritten. Anhand der Begleitfunde scheint gewiß, daß sie "Abfall" einer Steinmetzwerkstatt waren und vielleicht niemals aufgestellt wurden. Nicht nur ihre Thematik und ihr Stil, auch ihr Maßsystem sowie die Art und Weise ihrer Bearbeitung weichen in so hohem Grade voneinander ab, daß sie kaum als ein einziges Ensemble vorgesehen gewesen sein dürften. Die Heiligenfiguren sollten vermutlich einen Innenraum zieren, z.B. einen Altar, während man die Damen, Herren und Ritter wohl eher als Gebäudeschmuck gedacht hatte.
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