Domestizierung, Weinbau-Weinherstellung, Fernhandel
Domestizierung (Lat. domesticatio)
Mit der Domestizierung von Tieren hatten sich bereits die landnehmenden Ungarn befaßt. Ihre Tiere wichen - wie die Knochenfunde belegen - von den Knochen des Tierbestandes der Ortsansässigen ab. Nach der Landnahme verbreitete sich die Schweine-, Geflügel- vor allem aber Rinderhaltung in immer stärkerem Maße. Beim Haus hielt man auch Hunde und Katzen. Das Pferd blieb weiterhin eines der wichtigsten Haustiere, doch immer weniger Menschen verzehrten sein Fleisch, da die Kirche dies verbot. Und wie sich an den größeren Abmessungen der gefundenen Tierknochen zeigt, wurde die Freiluftaufzucht von der Stallhaltung abgelöst.
GYS
Weinbau - Weinherstellung
Weinbau gab es im Karpatenbecken vermutlich schon vor dem Eintreffen der Römer. Auch im Kreis des lannehmenden und arpadenzeitlichen Ungartums wurde Weinbau betrieben. Menschen mit dieser Beschäftigung nannte man Vinitor (Winzer). Zu entscheidenden Veränderungen auf dem Gebiet des Weinbaus kam es im 12.-13. Jahrhundert mit Eintreffen der Latiner in Ungarn, die eine entwickeltere Technologie mitbrachten. Schon im 13.-14. Jahrhundert war Wein einer der gefragtesten ungarischen Exportartikel. Die Könige Ungarns unterstützten die Wein herstellenden und damit Handel treibenden Städte vom 13. Jahrhundert an durch Privilegien. Der bekannteste, beste, auch in Europa beliebte Wein des mittelalterlichen Ungarn war der sirmische Wein.
GYS
Fernhandel
Um die Fernhandelstätigkeit (den Außenhandel) der Ungarn geht es erstmals in Angaben, die sich auf die 960er Jahre beziehen. Damals erschienen sie bei den Messen in Prag und Bulgarien, wo sie sich am Sklaven-, Zinn- und Pelzhandel beteiligten bzw. Pferde und Silber zum Kauf anboten.
Vom 12. Jahrhundert an lieferten ungarische Kaufleute hauptsächlich Tiere (in erster Linie Pferde) und später dann Salz ins Ausland. Neben diesen Artikeln exportierte man bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts noch Getreide, Obst, Holz und Holzerzeugnisse, Leder, Kürschnerwaren, Honig, Fisch, Wachs und Metalle.
Ungarischerseits wurden zu jener Zeit Militärausrüstungen, handwerkliche Produkte und Luxusartikel importiert. Im 13. Jahrhundert kamen Kaufleute aus Venedig, Böhmen, Polen, Frankreich, Österreich und den deutschen Landen nach Ungarn. Diese an und für sich ausgedehnte Tätigkeit nahm im 14.-15. Jahrhundert durch die Aufnahme von Handelsbeziehungen zu florentinischen, walachischen und moldauischen Kaufleuten noch größere Ausmaße an. Die Monarchen trugen ihrerseits mit Privilegien, Stapelrechten oder eventuellen Embargos zur Belebung bzw. zum Schutz des ungarischen Fernhandels bei.
GYS |
|