Königsberger Fragment und Streifen, Zeilen von Karlsburg
Königsberger Fragment und Streifen
Der Sprachzustand der Fragmente deutet auf die Zeit um 1200. Dieses zweitfrüheste der arpadenzeitlichen Sprachdenkmäler dürfte zugleich das umfangreichste gewesen sein. Der Text blieb als Kopie des 14. Jahrhunderts in einem teils lateinische, teils ungarische Schriften beinthaltenden Kodex erhalten. Dieser Kodex wurde noch im 14. Jahrhundert, in Breslau, zerschnitten - vielleicht weil man die Texte nicht verstand -, und zum Binden einer anderen Handschrift verwendet. Das größere Fragment entdeckte Franz Hipler 1863 in der Königsberger Universitätsbibliothek auf dem Vorsatzblatt zu einem Kodex. Die vier als Streifen bezeichneten weiteren Fragmente kamen 1894 beim Restaurieren im Einband desselben Kodex zum Vorschein, sie gingen verloren. Das Fragment wird in der Universitätsbibliothek Torun (Polen) aufbewahrt. Die Gattung des Textes, der die Gottesmutterschaft und Jungfräulichkeit Mariens lobpreist, ist nicht genau zu identifizieren. Hier kann man das früheste ungarischsprachige Fragment des Avemaria (Gegrüßet seist du) lesen.
KSz
Zeilen von Gyulafehérvár (Karlsburg)
Das dritte der frühesten zusammenhängenden Sprachdenkmäler und zugleich bedeutendste frühe Dokument neben den Predigten in ungarischer Sprache sowie der Grabrede und Fürbitte. Der in der Batthyány-Bibliothek zu Gyulafehérvár (Karlsburg, Alba Iulia - Rumänien) um 1320 zusammengestellte lateinischsprachige Kodex beinhaltet Predigten von Franziskanern und ungarische Urkundenmuster aus dem 13. Jahrhundert. An den Rand der Predigttexte hatten die einstigen Benutzer - als Gedankenstütze für die muttersprachliche Predigt - Elemente des Gerüstes der Ansprachen in gereimter Form, sog. gereimte Divisonen, in Ungarisch notiert. Der aus fünf, vier und sechs Zeilen bestehende Text wurde 1898 von Elemér Varjú entdeckt. Das erste Textstück ist ein auf den Namen Jesus geschriebenes Akrostichon (in den Anfangsbuchstaben- bzw. wörtern der Verszeilen verborgener Text), von welchem auch eine selbständige lateinische Analogie bekannt ist.
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