Pannonhalma, Privilegienbrief von Pannonhalma

Kirche Pannonhalma, Gewölbebögen
Abtei Pannonhalma
Pannonhalma, Porta Speciosa 1
Gründungsbrief von Pannonhalma 2
Gründungsbrief von Pannonhalma 1
Siegel Kolomans
Pannonhalma

Benediktinerkloster, dessen Gründung Großfürst Géza 996 mit der Ansiedlung böhmischer Benediktiner in Angriff nahm. Sein Werk wurde von König Stephan beendet, der dem Kloster im Jahr 1002 einen Privilegienbrief ausstellte. Die ersten namentlich bekannten Äbte waren Anastas und Maurus. In diesem Kloster versammelten sich Ende des 11. Jahrhunderts die Vornehmen Ungarns und faßten jene Beschlüsse, die Inhalt des sog. II. Gesetzbuches von König Ladislaus sind. Hier empfing König Koloman die Abgesandten Gottfrieds von Bouillon, der die durch Ungarn ziehenden Kreuzfahrer anführte. Bis zum Jahr 1137 ließ Abt David die abgebrannte Klosterkirche wieder aufbauen und lud zur Einweihung auch den König ein. Unter den Äbten des 13. Jahrhunderts verdient Abt Urosch besondere Erwähnung, der dem Kloster lange Zeit vorstand (1207-1241), und es auch vor dem Ansturm der Mongolen verteidigte. Abt Urosch ließ unter anderem das zur Abtei gehörende Volk registrieren, neben seinem das Siegel des Konvents eingravieren, er vermehrte die Zahl der Urkunden des Klosters um das Siebenfache, die der Güter um ein vielfaches und ließ die Privilegien der Ordensgemeinschaft vom Heiligen Stuhl bestätigen. Er begleitete König Andreas II. ins Heilige Land, reiste darüber hinaus fünfmal nach Rom und nahm auch am IV. Lateranischen Konzil teil. In seinem in sehr persönlichem Ton gehaltenen Testament gedachte er mit nicht wenig Eigenstolz der Jahre, in denen er die Geschicke des Klosters gelenkt. Nach 1240 lockerte sich die Disziplin der Mönche, auch gelangten immer weniger Güter als Schenkung in den Besitz des Klosters. Abt Favus wußte sich zwar noch zu helfen, doch die wirren Verhältnisse im ausgehenden 13. Jahrhundert leisteten eher dem Verfall Vorschub. Zur Arpadenzeit war das Kloster einer der wichtigen Schauplätze des literarischen Schaffens, um 1090 verfügte die Bibliothek über 80 Kodizes mit rund 200 Werken. Der Ernst-Kodex läßt sich an diesen Ort binden, und um 1240 entstand im hiesigen Scriptorium das Liber ruber. Hier wurden die größere Legende von Stephan dem Heiligen sowie die Legende des hl. Emmerich geschrieben, und seit der Zeit König Stephans führte man hier auch historische Aufzeichnungen.

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Privilegienbrief von Pannonhalma

Die einzige, scheinbar in Originalform erhalten gebliebene Urkunde König Stephans des Heiligen und gleichzeitig das früheste lateinischsprachige Diplom in Ungarn. Sie gab den Forschern viele Rätsel auf, denn ein zu Anfang des 12. Jahrhunderts oder an der Wende vom 12. auf das 13. Jahrhundert lebender Benediktiner hatte, indem er den Text der Stephan-Urkunde ergänzte, das Original mit so geschickter Hand kopiert, daß es einem Wissenschaftler in späterer Zeit gelang, darauf die Handschrift des nach dem Tod Ottos III. aus der deutschen Kanzlei an den Hof Stephans geflüchteten Schreibers (Heribert C) zu identifizieren. Im Privilegienbrief verbürgte Stephan der Heilige dem Kloster Pannonhalma die Vorrechte der Benediktiner-Urkolonie in Montecassino, er entzog es der Jurisdiktion des Komitatsbischofs (und unterstellte es anfangs wahrscheinlich dem Erzbischof), weiters sicherte er ihm das Recht auf freie Abtwahl, Priesterweihe und freie Wahl eines den Abt benedizierenden Bischofs. Neben den die Kirchenverwaltung betreffenden gestand er dem Abt auch liturgische Privilegien zu, die es gestatteten, daß man eine Kapelle (tragbaren Altar) vor ihm hertrug und daß er nach Art des Bischofs die Messe in Sandalen lesen konnte. Als wichtiges Privileg zählte zu damaliger Zeit das sog. Immunitätsprivileg, was bedeutete, daß weltliche Organe ohne Zustimmung des Abtes nicht in Angelegenheiten urteilen durften, die dem Kloster unterstellte Güter oder Menschen betrafen. Die Urkunde ist nicht einheitlich formuliert: ein Teil davon steht in der ersten Person Singular, ein anderer Teil in der ersten Person Plural. Einzelne Forscher meinen, daß es sich bei dem in der ersten Person Singular geschriebenen Text um spätere Interpolation handelt, während Heribert C in der ersten Person Plural formuliert hat. Die in der ersten Person Singular stehenden, narrativen Teile sollen, so nimmt man an, Spuren eines Heldenepos' der Stephanszeit bewahrt haben. Bezüglich der Interpolation sind die Forscher geteilter Meinung. Einige setzen die Entstehungszeit der heute bekannten Urkunde ins 11.-12. Jahrhundert, andere wiederum an die Wende 12./13. Jahrhundert. Später wurde an der Urkunde das Siegel König Kolomans angebracht.

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