Kodex, Prolog

Agramer Meßbuch
Ungarländisches Psalterium
Biblia Sacra
Graduale
Lectionarium mit Initialen 1
Lectionarium mit Initialen 2
Kodex

Handgeschriebenes mittelalterliches Buch, das zuweilen reich verziert wurde. Kodizi beinhalten überwiegend nicht nur eines, sondern mehrere Werke. Sie haben kein Titelblatt oder Inhaltsverzeichnis; eine diesen ähnliche Rolle spielt das Kolophon, welches - wenn überhaupt vorhanden - über das Werk, die Person des Kopisten, den Ort und Zeitspunkt der Anfertigung der Kopie informiert. Die Mehrzahl der Kodizi sind verschiedene liturgische Bücher der Kirche, unter denjenigen mit weltlichem Gegenstand findet man häufig philosophische und juristische Arbeiten mittelalterlicher Autoren sowie Werke von Geschichtsschreibern.

AZS


Prolog

Die Bedeutung des aus dem Griechischen stammenden Wortes ist "Vorwort", im Lateinischen war auch die Bezeichnung "poroemium, exordium" (= der Beginn, Anfang von etwas) gebräuchlich. Im allgemeinen einleitender Teil eines erzählenden, eventuell dramatisch geprägten Textes, der dazu diente, die Leserschaft für die Ziele des Verfassers zu gewinnen (captatio benevolentiae; konzeptionell kam ihm dieselbe Rolle zu wie bei Urkunden der Arenga). Meist führte der Autor im Vorwort seine früheren Arbeiten, seine Quellen an, erläuterte seinen literarischen Horizont, seine Methoden sowie den Sinn des Werkes und dessen Ziel. Hier verteidigte er sich gegen eventuelle Angriffe seitens der Kritiker, sprach mit Bescheidenheit von seiner eigenen literarischen und stilistischen Leistung. Nicht selten bot sich hier auch Gelegenheit, antike Kenntnisse durchblicken zu lassen. Die schematischen Prologe des Mittelalters übernahmen den Fundus der antiken Rhetorik. Sie waren auf außergewöhnlich vielen literarischen Phrasen gegründet, ließen jedoch im Falle guter Stilisten ziemliche Selbständigkeit erkennen. Mit Erscheinen des in persönlichem Ton gehaltenen Prologs wurde der Maßstab in bezug auf das Niveau der literarischen Prätension höher angesetzt. Das erste Werk in Ungarn, welches alles das in sich vereint, ist die kleinere Legende von König Stephan.

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