Maurus

Legende vom hl. Zoerard (Andreas) und hl. Benedikt
Herzog Emmerich
Gründungsbrief von Tihany 2
Der Verfasser der ersten ungarländischen Legende, Bischof Maurus von Fünfkirchen, war zugleich der erste namentlich bekannte Autor ungarischer Herkunft. Er zeichnete unter dem Titel Vita sanctorum heremitarum Zoerardi confessoris et Benedicti martiris die Lebensgeschichte der beiden Eremiten vom Waagtal auf - des Glaubensbekenners Andreas-Zoerard polnischer (nach neuester Meinung istrischer) Abstammung und des aus der Gegend von Neutra stammenden Märtyrers Benedikt. Nicht nur in den Legenden von Herzog Emmerich und Bischof Gerhard begegnet man dem Namen des Verfassers, sondern auch im zeitgenössischen Quellenmaterial: Bei den Unterzeichnern des Gründungsbriefes von Tihany aus dem Jahr 1055 ist er ebenso zu finden wie auf der nur zum Teil authentischen Urkunde des Palatins Radó. Die knapp formulierte und sprachlich einfache Legende beschreibt das Leben und die Wunder des hl. Zoerard-Andreas und erwähnt auch den Märtyrertod seines Schülers Benedikt. Das Leben seines Helden kannte der Verfasser aus den Schilderungen des Abtes von Zobor, und Benedikt hatte er in Pannonhalma noch persönlich kennengelernt. Möglichwerweise hat ihn die Bitte Herzog Géza's, eines Mitgliedes des Herrscherhauses, zum Schreiben des Werkes inspiriert: An Ostern 1064 trafen sich König Salomon sowie die Herzöge Géza und Ladislaus in Fünfkirchen, und bei dieser Gelegenheit trat Géza mit der Bitte an Bischof Maurus heran, ihm eine Hälfte vom Büßergürtel des Glaubensbekenners Andreas als Reliquie zu überlassen. Trotz Kürze und anspruchslosem Inhalt verrät der Text einen ausgezeichneten Stilisten, der weniger den chronologischen Lebenslauf denn das asketische Ideal in den Mittelpunkt seiner Erzählung stellte.

KSz