Gründungsbriefe von Fünfkirchen und Veszprém, Bonipert
Gründungsbrief des Bistums Fünfkirchen
Eine der drei von Stephan dem Heiligen signierten Urkunden in lateinischer Sprache, deren Text in mehr oder weniger authetischer (später veränderter, umgeschriebener) Form überliefert wurde. Mit dieser am 23. August 1009 zu Raab ausgestellten Urkunde hatte der König, mit Zustimmung des Papstes sowie in Anwesenheit des päpstlichen Legaten, Bischof Azo, und hochrangiger Adliger, das Bistum Fünfkirchen gegründet, und gleichzeitig dessen Grenzen festgelegt. Als ersten Bischof setzte er den mit Bischof Fulbert von Chartres korrespondierenden Bonipert ein. Obgleich man die Urkunde mehrfach umformulierte, blieb von ihr nur eine 1404 im Konvent Somogy angefertigte Abschrift erhalten. Der Urkundenschreiber dürfte früher in der deutschen Hofkanzlei tätig gewesen sein, vielleicht unter Kanzler Egilbert. Doch sicher war er nicht identisch mit jener Person, welche für König Stephan den Heiligen die Privilegienurkunde von Pannonhalma verfaßt hatte.
KSz
Gründungsbrief des Bistums Veszprém
Laut überliefertem Text 1009, früheren Meinungen zufolge im Jahr 1002 in dem Ort Sólyon im Komitat Veszprém ausgestellte Urkunde, in der König Stephan der Heilige die Burgkomitate Veszprém, Fejér (Weißenburg), Kolon und Visegrád (Plintenburg) sowie alle in ihrem Gebiet befindlichen Kircheneinrichtungen der Diözese Veszprém und deren Bischof namens Stephan unterstellte, mit anderen Worten, das Territorium der Diözese festlegte. Als Stammbesitz, mit allem was dazu gehört, übergab er dem Bistum im Burgkomitat Veszprém das Dorf Cari, im Burgkomitat Fehér die Dörfer Ausi, Cari und Bergen sowie jeweils ein Dorf im Gebiet der Komitate Kolon, Plintenburg und Hurhida. Den Urkundentext haben eine (gefälschte) Abschrift Bélas IV. aus 1257 sowie eine um 1295 angefertigte authentische Abschrift des Tihanyer Konvents bewahrt, doch über ein Datum verfügt nur die Fälschung. Obwohl sich beim Abschreiben Fehler eingeschlichen haben, ist sie im wesentlichen noch heute in unveränderter Form zu lesen. Nach der für das Lateinische typischen Terminologie zu urteilen wurde sie vermutlich von einem aus Norditalien stammenden Notar formuliert.
KSz
Bonipert
Erster Bischof von Fünfkirchen. Stand 1009-1036 der Diözese vor und wurde im Jahr 1036 von Bischof Maurus abgelöst. Die Gründe für seinen Verzicht auf das Episkopat oder seine eventuelle Versetzung in ein anderes Bistum sind unbekannt. Dem Namen nach stammte er vermutlich aus der Lombardei. Dürfte neben Bischof Peter von Como (Kanzler bei Otto III. und anschließend bei König Arduin von Italien) als Notar tätig gewesen und vor 1009 als Vermittler der Heirat zwischen der Schwester Stephans des Heiligen und dem venezianischen Dogen Otto Orseolo nach Ungarn gelangt sein. Es wird angenommen, daß er den stilistische Züge Norditaliens tragenden Gründungsbrief des Bistums Veszprém formuliert hat. Er korrespondierte mit Fulbert, dem Bischof von Chartres, dessen Antwortbrief zufolge sich Bonipert von ihm eines der beliebtesten grammatischen Lehrbücher des Mittelalters, die Grammatik des Priscianus, erbat. Seinen Tod setzen die Preßburger Annalen ins Jahr 1042.
KSz |
|