Julianus, Tataren, Riccardus, Paulus Hungarus
Julianus
Dominikanermönch, der zwei Reisen (1235-36, 1237) in den Osten unternahm, um nach den dort lebenden heidnischen Ungarn zu forschen. Im Verlauf der ersten Reise fand er sie auch, und zwar am Fluß Etil (Wolga). Doch als er Kenntnis von den Angriffsvorbereitungen der Mongolen erlangte, war er gezwungen, schnell nach Hause zurückzukehren. Seine zweite Reise blieb erfolglos, da der zwischenzeitlich begonnene Mongolenfeldzug die östlichen Ungarn hinweggefegt hatte. Die Reiseberichte des Julianus sind wichtige Quellen sowohl im Hinblick auf die ungarische Vorgeschichte als auch das Zeitalter des Mongolenüberfalls.
AZS
Tataren
In der Mehrzahl der mittelalterlichen Quellen Sammelname für mongolischsprachige Stämme. Im Jahr 1206 wurde Temüdschin unter dem Namen Dschingis Khan Herrscher aller Mongolen und vereinigte die mongolischen Stämme. Zur Herrschaftszeit Dschingis Khans (+ 1227) begann mit der Eroberung bzw. Unterwerfung zahlreicher asiatischer Staaten und Völker der Ausbau des Mongolenreiches. Schon zu Lebzeiten Dschingis Khans fielen die Mongolen in Ostereuropa ein, doch zu ihrem großen europäischen Feldzug brachen sie erst 1236 auf. Im Verlaufe dieses mehrjährigen Feldzuges vernichteten bzw. eroberten sie das Emirat der Wolgabulgaren sowie zahlreiche russische Fürstentümer und überfielen in den Jahren 1241-42 unter anderem auch Ungarn. Das in der osteuropäischen Steppe bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts bestehende nomadische Staatengebilde, die Goldene Horde, war Teil des mongolischen Weltimperiums.
AZS
Riccardus
Dominikanermönch. Lebte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und schrieb einen Bericht über die erste Reise (1235-1236) Bruder Julianus' in den Osten. Ob er ein ungarischer Ordensbruder des Julianus oder Notar der päpstlichen Kurie war, ist unklar.
KSz
Paulus Hungarus
Lehrte in den 1210er Jahren an der Universität zu Bologna kanonisches Recht und trat 1219 dem Dominikanerorden bei. Begleitet von vier seiner Ordensbrüder kehrte er 1221 nach Hause zurück, um die Ansiedlung des Ordens in Ungarn und die Bekehrung der Kumanen voranzutreiben. Starb 1241, zur Zeit des Mongoleneinfalls, auf kumanischem Boden als Märtyrer. Der Nachwelt blieben unter dem Titel Notabilia seine Kommentare zum kanonischen Recht und unter dem Titel Summa de paenitentia ein Handbuch zur Beichte erhalten.
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