Jüngerer König, Stephan V., Meister Ákos

Doppelsiegel Stephans V.
Siegel der Königin Elisabet
Münze Stephans V. 1
Geschichtsschreiber
Jüngerer König

Vom älteren Sohn König Bélas IV., Herzog Stephan, in der Zeit zwischen 1262 und 1270 getragener Titel (rex iunior). In der Geschichte der Arpaden kam es häufig vor, daß sich die Mitglieder der Dynastie (Vater und Sohn bzw. Söhne, Geschwister, Vettern) in die Macht teilten. Eine spätere Form dessen war das jüngere Königtum, das Herzog Stephan in seinem eigenen, östlich der Donau gelegenen Landesteil Herrscherrechte sicherte. Demenstprechend ließ der jüngere König Stephan Geld prägen, verfügte in den Angelegenheiten der in seinem Landesteil befindlichen Krongüter, verschenkte Besitztümer, gewährte Privilegien und verfolgte eine selbständige Außenpolitik. Auf diese Weise führte das Bestehen des jüngeren Königtums, obwohl es die Einheit des Landes prinzipiell nicht in Frage stellte, praktisch zur Verdopplung der staatlichen Einrichtungen. Nach der Thronbesteigung Herzog Stephans schaffte man das jüngere Königtum restlos und endgültig ab.

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Stephan V.

1239 als älterer Sohn Bélas IV. geboren. Zu Lebzeiten seines Vaters betraute man ihn als Herzog erst mit der Regierung Siebenbürgens (1257-58), dann der Steiermark (1259-60) und schließlich erneut Siebenbürgens (1260-62). War ab 1262 mit dem Titel jüngerer König Herr des Landesteils östlich der Donau und führte als solcher in den Jahren 1264-65 einen bewaffneten Kampf gegen seinen Vater. Noch als Kind heiratete er die Tochter eines kumanischen Fürsten, Elisabet, die ihm später zwei Söhne (Ladislaus, Andreas) und fünf Töchter (Katharina, Maria, unbekannter Name, Elisabet, Anna) schenkte. Verstarb am 6. August 1272 und wurde im Dominikanerinnenkloster auf der Margareteninsel bestattet.

AZS


Meister Ákos (Akusius)

Seit langem weiß man in der ungarischen Chronikforschung, daß ein Geschichtsschreiber am Hof König Stephans V. (1270-1272), den Anschauungen der nach Einschränkung der Königsmacht strebenden Großgrundbesitzerfamilien (der sog. Oligarchen) entsprechend und unter Verwendung früherer Chroniken, die Geschichte der Ungarn geschrieben hat. Diesen Chronisten identifizierte György Györffy mit dem in der ersten Hälfte des Jahrhunderts geborenen und 1272 verstorbenen Meister Ákos aus dem Geschlecht Ákos, der zwischen 1235 und 1244 Pfarrer in Pest, von 1244 an Mitglied der königlichen Kapelle, in den Jahren 1248-1251 Kustos in Stuhlweißenburg und 1254-1272 schließlich Ofner Probst gewesen ist, und der im Zeitraum 1248-1261 außerdem als Kanzler der Königin tätig war. Er ergänzte den Text der früher entstandenen Chronik, indem er die aus familiären Überlieferungen geschöpften Kapitel über die Genealogie (=Familiengeschichte) und die Geschichte der Streifzüge hinzufügte, daran anknüpfende historische Sagen aufzeichnete und die in den Schatzkammern der Basilika von Stuhlweißenburg und des Ofner Domkapitels verwahrten Schätze sowie deren Güter beschrieb. Wie dem Text zu entnehmen ist, hatte sein Verfasser an einer ausländischen Universität studiert und darüber hinaus in Italien und Deutschland diplomatische Missionen erfüllt. Als Quellen verwendete er außer den ungarischen Chroniken die vom Mongolenüberfall berichtenden Quellen sowie das "Pantheon" betitelte Werk des Gottfried von Vitterbo (1125-1192). Die lateinischsprachige Chronik von Meister Akusius blieb nicht in ihrer ursprünglichen und eigenständigen Form erhalten. Der Text fand im Konzept der Chroniken des 14. Jahrhunderts Eingang und diente allen späteren historischen Zusammenfassungen in Ungarn als Grundlage.

KSz