Kirchen von Karlsburg, Lébény und Vértesszentkereszt
Dom von Gyulafehérvár (Alba Iulia, Karlsburg, Rumänien),
erste Hälfte 13. Jahrhundert
Dort, wo sich einst Apulum befand, das Zentrum der römischen Provinz Dazien, lag der Sitz der Gyula und darin die Kirche des Bistums Siebenbürgen, der am unversehrtesten erhalten gebliebene ungarische Dom romanischen Stils. An der Stelle der Kirche aus dem 11. Jahrhundert begann man Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Bau des dreischiffigen Doms mit Querschiff und quadratischen Türmen. Damals schmückten seine Hauptfassade zwei niedrigere Türme und dazwischen eine offene Vorhalle. Pfeilerbündel trennten die drei Schiffe, und das Hauptschiff schloß noch, wie heute die Nebenschiffe, mit rundbogiger Apsis.
Die zur Zeit des Mongolensturms bereits fertiggestellte Kirche erlitt schwere Schäden. Ihre Wiederherstellung wurde - nach den Dekorationen im Hauptchor zu urteilen - zwischen 1242 und 1252 von den Steinmetzen der Jáker Werkstatt durchgeführt. 1277 steckten die Siebenbürger Sachsen die Kirche in Brand, der aus Saint-Die stammende Sohn des Tyno, Johannes, ließ sie 1287 wieder restaurieren.
Auch eine bedeutende Bildhauerwerkstatt war in Karlsburg tätig. An den Kapitellen tauchen die aus Vértesszentkereszt bekannten Drachen auf. Die mit Blattornamentik geschmückten Gesimse im Hauptchor und in den Nebenchören sind mit den Arbeiten in der Kirche von Ják verwandt. Einige sekundär plazierte Reliefs (z.B. das sich umarmende Paar, dessen Sinn rätselhaft ist, sowie die Apostel Peter und Paul) deuten darauf hin, daß man auch hier ein Hauptportal mit figuralem Schmuck geplant hatte.
Quelle: Dezsõ Dercsényi. Romanische Architektur in Ungarn. Budapest 1972, 193. Abb. 89, 95.
Empfohlene Literatur: Géza Entz. Erdély építészete a 11-13. században (Die Architektur Siebenbürgens im 11.-13. Jahrhundert). Kolozsvár, 1994.
Kirche der Benediktinerabtei St. Jakob zu Lébény,
Anfang 13. Jahrhundert
Schon 1199 wird die von dem Geschlecht Gyõr im Zentrum seiner Güter gegründete Abtei erwähnt. Lébény ist das früheste Denkmal in der transdanubischen Gruppe der Geschlechterkirchen. Der Innenraum der dreischiffigen Basilika lombardischen Stils wird nicht von einem Querschiff unterbrochen. Ihre Schiffe schließen mit rundbogigen Apsiden, die Westfassade zieren zwei Türme, zwischen denen die Herrschaftsempore plaziert ist.
Die reiche Gestaltung der Pfeilerkapitelle, noch eher aber des Hauptportals und des südlichen Seitenportals, zeigt normannische und zisterziensische Merkmale: An den Pfeilerkapitellen wird das Dekor der weit ausladenden Akanthusblätter von normannischen Rautenstäben begleitet, während der Schmuck der Kapitelle im Inneren mit der Bauornamentik österreichischer Zisterzienserklöster verwandt ist.
Quelle: Dezsõ Dercsényi. Romanische Architektur in Ungarn. Budapest 1972, 195-196. Abb. 119-121, 122.
Kirche der Benediktinerabtei Vértesszentkereszt,
erste Hälfte 13. Jahrhundert
Bereits 1146 findet das Heiligenkreuzkloster in den Wäldern des Vértesgebirges Erwähnung. Die heutige Kirche wurde an der Wende 12./13. Jahrhundert erbaut, 1231 stand sie schon. Ihr Grundriß stellt eine ungewohnte Lösung dar und ist mit den französischen Denkmälern verwandt. Die dreischiffige Pfeilerbasilika hatte entweder auf dem östlichen, letzten Flügel der Seitenschiffe sitzende Türme oder einen quadratischen Turm. Ergänzt wurde die Architektur durch prächtige Steinmetzarbeiten. Der Reliefschmuck, insbesondere die Tierfigurenfriese an den Kapitellen der achteckigen Pfeiler, sind späte Erscheinungen der lombardischen Tierphantasie in Ungarn.
Quelle: Dezsõ Dercsényi. Romanische Architektur in Ungarn. Budapest 1972, 193. |