Grabstein von Aracs, Palmette

Grabstein von Aracs
Werkstein mit Palmettendekor 2
Werkstein mit Palmettendekor 3
Grabstein von Aracs, 11. Jahrhundert

Der im Kreuzgang des Benediktinerklosters Aracs (Araca, Jugoslawien) als Fußbodenplatte verwendete Reliefstein entstand - nach Darstellung und Inschrift zu urteilen - zum Gedenken an die Gründung der Kirche. Ursprünglich dürfte der Stein doppelt so hoch gewesen sein wie heute, und unter dem Flechtbandornament war eine Szene mit mehreren Gestalten zu sehen (Kirchengründung, Donatoren?). Die später eingemeißelte Inschrift belegt die Zerstörer des Denkmals mit einem Fluch. Ein bedeutsamer Umstand ist, daß auch die Seiten des Gedenksteines plastische Dekorationen zieren (Flechtband, Adler mit ausgebreiteten Flügeln, beschirrtes Pferd); er stand also frei. Diese binden das Relief an die ungarischen Denkmäler des 11. Jahrhunderts, deren Stil mit dem dalmatinischer Denkmäler verwandt ist.

Ungarische Nationalgalerie, Budapest (Leihgabe an die ständige Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums)

Quelle: Dezsõ Dercsényi. Románkori építészet Magyarországon (Romanische Architektur in Ungarn). Budapest 1972, 189.

Palmette

Pflanzenornamentik: Stilisierung sich fächerartig öffnender oder herzfömiger Palmenblätter oder Lotusblüten. Es gibt zahllose Variationen. Schon die Ägypter, Mesopotamier und auch die Griechen wandten sie an. Man kann sie unter den byzantischen Ziermotiven ebenso finden wie auf den Taschenplatten der landnehmenden Ungarn. Die Palmette ist das charakteristische Dekorationselement der frühromanischen Architektur. In den ungarischen Lapidarien zeugen zahlreiche schöne Steinfragmente mit Palmettendekor, überwiegend aus dem 11. Jahrhundert (Szekszárd, Gran, Stuhlweißenburg, Veszprém), von der einst prachtvollen Innengestaltung der Kirchen.

TK