Tétel adatlapja
CÍMLAP
Bindorffer Györgyi
"Wir Schwaben waren immer gute Ungarn"

INHALT, EINFÜHRUNG



Inhalt

Danksagung

1. Einführung

2. Über die Forschung
2.1. Das Untersuchungsgebiet
2.2. Hypothesen
2.3. Forschungsmethoden

3. Identitätsdimensionen
3.1. Die Identität als eine Kategorie der Wissenssoziologie und der Sozialpsychologie
3.2. Die Identität als gesellschaftliche und historische Kategorie
3.3. Die ethnische Dimension
3.4. Nationale Dimension

4. Namensgebrauch
4.1. Name, Abstammung und Gruppenzugehörigkeit aus ethnischer Perspektive
4.2. Name und Gruppenzugehörigkeit in nationaler Dimension
4.3. Familiennamen und Vornamen
4.4. Sitautionsbezogener Namensgebrauch

5. Sprachgebrauch
5.1. Einführung
5.2. Zweisprachigkeit und Diglossie
5.3. Muttersprache: Deutsch oder Ungarisch?
5.4. Generationsbezogene Unterschiede beim Sprachgebrauch
5.5. Sprachgebrauch und Identität - Zusammenfassende Bemerkungen

6. Thematisierungen ethnischer und nationaler Ähnlichkeiten und Differenzen
6.1. Einleitung
6.2. Thematisierung demografischer Bedingungen
6.3. Thematisierung psychologischer Bedingungen
6.4. Thematisierung geografischer Bedingungen
6.5. Thematisierung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen
6.6. Thematisierung der gesellschaftlichen Bezüge
6.7. Thematisierung geschichtlicher Aspekte
6.8. Thematisierung des politischen Umfeldes
6.9. Kulturelle Thematisierung, kulturelle Repräsentation
6.10. Zusammenfassung

7. Glaubensleben und Religion
7.1. Religion und Ethnizität
7.2. Religiöses Leben im Dorf - gestern und heute
7.3. Festtage
7.4. Religionssprache und Identität
7.5. Religion, Nation und Assimilierung

8. Wo liegt die Heimat?
8.1. Staat, Heimat und Nation aus historischer Perspektive
8.2. Vaterland und Heimat
8.3. Vertreibung und Rückkehr

9. Interethnische Beziehungen
9.1. Charakteristika der interethnischen Beziehungen
9.2. Das Verhältnis zwischen der Mehrheit und der Minderheit
9.3. Schwaben und Ungarn
9.4. Schwaben und Schwaben
9.5. Schwaben und Deutsche
9.6. Die ethnische Hierarchie

10. Assimilierung und Überleben
10.1. Einführung
10.2. Akkulturation
10.3. Strukturelle Assimilierung - Mobilität
10.4. Die eheliche Assimilierung - Mischehen
10.5. Assimilierung auf der Basis der Identifikation
10.6. Assimilierung auf der Grundlage der Akzeptanz von Einstellung und Verhalten
10.7. Zivile Assimilierung
10.8. Assimilierung - ethnische und nationale Identität
10.9. Harmonie und Dissonanz

11. Die Doppelte Identität und die ethnische Gruppe in der Nation -zusammenfassende Bemerkungen
11.1. Ethnische Identität und Grenze
11.2. Die Zugehörigkeit zu der ungarischen Nation und die ungarische nationale Identität
11.3. Die Bewahrung der Kultur der ethnischen Gruppe und die ethnische Sozialisation
11.4. Nationale Sozialisation
11.5. Die Struktur der doppelten Identität
11.6. Gleichgewicht der Identität - Identitätskonflikte
11.7. Das kausale Modell der doppelten Identität

12. Nachwort

Literaturverzeichnis

Bilder



Einführung

Das Verhältnis der ethnischen Minderheiten zu der Mehrheitsgesellschaft sowie die Entwicklung einer eigenen Minderheiten-Identität innerhalb der Staatsgrenzen stellt eine stets aktuelle und wichtige Problematik dar. Die institutionelle Organisierung der Minderheiten, die Entwicklung ihrer Identität, die Ähnlichkeiten beziehungsweise Unterschiede zwischen identitätsstiftenden Elementen sowie die Wechselwirkung dieser Faktoren untereinander leisten, meiner Ansicht nach, einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung interethnischer Formen des Zusammenlebens zwischen der jeweiligen Minderheit und der Mehrheit. Darüber hinaus gibt die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Phänomenen Aufschluss über äußere und innere Isolationsabsichten sowie deren Ausmaß, die unterschiedlichen Wertsysteme und Interessenskonflikte, aber auch über bestehende Gemeinsamkeiten sowie über die unterschiedliche oder gegebenenfalls sehr ähnliche Wahrnehmung der Umwelt und etwaige Tendenzen zur Assimilierung. Die Forschung auf diesem Gebiet ist daher wichtig und notwendig.

Bei der Erforschung der ethnischen Minoritäten Ungarns hatte bisher in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Volkskunde, und innerhalb dieser die Volkskunst, die Folklore, die materielle Kultur sowie die Untersuchung der Geschichte der Nationalitäten eine große Bedeutung. Die die Volksgruppen homogenisierende Ideologie der sozialistischen Periode drängte im Zeichen des Internationalismus - indem sie auch die Erforschung der nationalen Identität des Ungarntums nicht bevorzugt behandelte - die Erforschung der Identität der verschiedenen Ethnien innerhalb der Staatsgrenzen in den Hintergrund.

Nach der Wende im Jahr 1990 nahm die Erforschung der Minderheitenthematik in Ungarn einen erneuten Aufschwung. Es war zeitgemäß und modisch, über die ethnischen Minderheiten zu berichten, ihre Interessen wahrzunehmen und zu verteidigen, in ihrem Interesse Politik zu machen und sie zur Erhaltung ihrer Traditionen sowie zur Pflege ihres Brauchtums zu ermutigen. Dies bedeutete innerhalb der Grenzen die Förderung des Wiederentstandens der vernichteten kulturellen Identität der Minderheiten. In diesem Sinne kann die ungarische politische Führung das LXXVII. Gesetz aus dem Jahr 1993 über die kollektiven Rechte der dreizehn in Ungarn heimischen nationalen und ethnischen Minderheiten und über die Einrichtung von Minderheitenselbstverwaltungen - trotz juristischer Fehler und Mängel - als einen Erfolg verbuchen. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen ihre früher unterdrückten und als praktisch nicht existent betrachteten Identitäten wiedergewinnen und leben können, wodurch der bereits weit fortgeschrittene Prozess der ethnischen Assimilierung verlangsamt wird.

Für mich war neben der Erforschung der ethnischen Identität der Ungarndeutschen auch die Untersuchung ihrer mit der ungarischen Mehrheit gemeinsamen nationalen Identität und deren Entwicklung bzw. Aufrechterhaltung von großem Interesse. Besonders interessiert hat mich auch, was genau die nationale Identität für die einheimische deutsche Minderheit und im Vergleich dazu für die ungarische Mehrheit bedeutete, und wie sich diese Identität im Laufe der verschiedenen historischen Epochen entwickelte und veränderte. Inwiefern kann die ideologisch konzipierte ungarische nationale Kultur und das sich auf dieser Grundlage entwickelnde National- und Identitätsbewusstsein für die Mitglieder einer Minder-heiten-gruppe, die über eine eigene ethnische Identität verfügt ein Mittel des Ausdrucks und der aktiven Selbstdarstellung sein? Hat die Veränderung der gesellschaftlichen Struktur sowie die soziale und geographische Mobilität die Herausbildung der nationalen Identität gefördert, und wenn ja, wurde dadurch die Loyalität zu den traditionellen Gruppen schwächer? Wie konnten diese Gruppen zur Herausbildung der Nation beitragen? Konnten sie daran überhaupt teilhaben? Meine diesbezüglichen Erfahrungen möchte ich im Rahmen dieser Arbeit mitteilen.


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