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CÍMLAP
Franz von Löher
Die Magyaren und andere Ungarn

INHALT, VORREDE



Inhalt

Kap. I. Eintritt in Ungarn
Kap. II. Landes- und Volksnatur
Kap. III. Ungarns Mittelalter
Kap. IV. Das neue Ungarn
Kap. V. Auf der grossen Ebene
Kap. VI. Pustenvolk
Kap. VII. Im karpathischen Waldgebirge
Kap. VIII. Allerlei Völker
Kap. IX. Fortsetzung
Kap. X. Durch Oberungarn
Kap. XI. Fortsetzung
Kap. XII. Vom ächten und falschen Adel
Kap. XIII. Fortsetzung
Kap. XIV. In der Zips
Kap. XV. Aus der Geschichte der Deutschen in Oberungarn
Kap. XVI. In der Slovakei
Kap. XVII. Sechs Jahre des Ausgleichs
Kap. XVIII. Fortsetzung
Kap. XIX. Der Magyaren Verhängniss
Kap. XX. Gesetze der Völkermischung
Kap. XXI. Wird Ungarn deutsch oder magyarisch?
Kap. XXII. Karpathenjagd
Kap. XXIII. Bergnatur der Tatra
Kap. XXIV. Wir und die Andern
Kap. XXV. Deutsch-ungarische Gegenwart
Kap. XXVI. Die Siebenbürger Sachsen
Kap. XXVII. Oesterreich und Ungarn
Kap. XXVIII. Ueber den Krivan nach Galizien



Vorrede

"Ich brachte die Liebe zu meinem Volke mit und den Stolz ein Deutscher zu sein" - so begann ich im Jahre 1847 auf der Reise in Cincinnati meine "Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika", und schloss mit dem Hinweis, dass Deutschland bald wieder seine alte Hegemoniestellung in der Mitte Europas einnehme. Wie haben damals Yankees und Landsleute dieser Worte wegen gehöhnt und gespottet! Jetzt strömen mir von allen Enden der Vereinigten Staaten Briefe und Druckschriften zu über den fröhlichen Aufschwung der Deutsch-Amerikaner.

Als mein Werk "Jakobäa von Bayern und ihre Zeit, acht Bücher niederländischer Geschichte" von Holländern übersetzt wurde, glaubten sie Natur und Volk der Niederländer wie im treuen Spiegel darin wiederzuerkennen, und wenn die Stelle in der Einleitung "Die lange Trennung scheint allmählig zu enden: das Völkergewissen zieht und fügt leise wieder zusammen, was zusammengehört" im Jahre 1861 noch ein wenig anstiess, so finden jetzt Viele der Besten dort unten an den Rheinmündungen diesen Gedanken ganz natürlich.

Noch jüngst meinte das Londoner Athenäum in meiner Schrift "Aus Natur und Geschichte von Elsass-Lothringen" "in its discription of the country and its inhabitants a wonderfully accurate and thorough knowledge" zu finden, und auch die berühmte Feder eines geborenen Elsässers versagte nicht ihr Wohlwollen.

Es thut mir wahrlich noth, solche und andere Beispiele mir vorzuhalten, um den Magyaren nicht am Ende selbst zu glauben, in Völkererkenntniss wäre ich mit unseliger Blindheit geschlagen. Welch ein wüthendes Geschrei und Gelächter haben ihre Blätter über jeden meiner harmlosen Ungarn-Artikel in der Allgemeinen Zeitung angestimmt! Aber warum erhielt ich denn von ganz Unbekannten aus Oesterreich Ungarn und Siebenbürgen Zuschriften, ich möge den Magyaren doch noch etwas mehr die Wahrheit sagen? In Folge aber der Angriffe und Zustimmungen ist allmählig dieses Buch entstanden.

Sollte es denn wirklich jahrelanger Studien bedürfen, um ungarische Zustände zu verstehen? Da kann ich mit einem guten Beispiel aufwarten. Seit langer Zeit hat den Magyaren kein Buch so gefallen, als die "Ungarische Landwirthschaft" von Dr. Heinrich Ditz, und einer ihrer Lobredner, Patterson, sagt in seinem Werk The Magyars: Ditz habe auf diese "admirable treatise, the one most marked by a spirit of fairness and impartiality, and accuracy without the dryness of a statistican" zwei Jahre Studiums in Ungarn selbst verwandt. Nun, Dr. Ditz ist mein Neffe, und hat sein Buch von Anfang bis zum Ende in meinem Hause geschrieben, nachdem er gerade ganze zwei Monate in Ungarn gewesen. In Wirklichkeit liegt Ungarn noch immer wie ein Neuland in der Kulturgeschichte, gleich einer offenen Tafel vor uns, auf welcher man leicht überblickt, was sich da bewegt und abschattirt. Und die meisten Magyaren selbst sind so stolz und offen und erzgegossen in ihren Ideen und Ansichten, dass Jeder, der sie nur ein bischen kennt, gleichsam ein schönes Klavier vor sich hat von wenigen, aber elastischen Tasten: schlägt man eine Taste an, jedesmal erfolgt der erwartete Ton.

In der ungarischen Abtheilung gab es auf der Wiener Weltausstellung nur magyarische Aushängeschilder: sah man nun bei den besten Erzeugnissen näher zu, so fanden sich deutsche Namen wie Herz Posner Hölzl Schmidt Grüneberg Goldberger Ellinger Rupprecht Koller Heller Dörner Fischer Oberbauer Egger Goldschmid Michl Kramer Herold Bausek Klein Bleyer. Man glaubte irgendwo in Deutsch-Oesterreich zu sein, und sah nichts hervorstechend Magyarisches mehr, es seien denn Flaggen, ausgestopfte Honvéds, und ein bischen uralte Hausindustrie der Steppenregion.

Was aber soll wohl ein Deutscher denken, wenn er in der gelesensten Zeitung Ungarns, in einer Julinummer des Pester Lloyd dieses Jahres, Stellen wie folgende findet: "Das ungarische (magyarische) Volk hat den Staatsgedanken, von welchem dem deutschen Kulturvolke noch immer nicht träumen will, bereits vor tausend Jahren erzeugt, und denselben bis auf die Gegenwart herab energisch, entschieden und klar vor Augen gehalten. ... Dieser Staatsgedanke macht uns (Magyaren) zu einer Nation, dieser hat uns politische Reife, politisches Leben, politische Kraft verliehen und uns zu Herren dieses Landes gemacht. ... Wenn die Ungarn (Magyaren) gegenwärtig gegen das Deutschthum etwas energischer auftreten, als dies jemals früher der Fall war, so liegt der Grund hierzu einerseits in dem auch seitens der Deutschen in "Reich" unvernünftiger Weise genährten Nationalitätenschwindel: andererseits aber ist es eine Reaktion gegen die bodenlose Aufgeblasenheit, Selbstsucht, und Hoffahrt, welche sich mancher Deutschen seit dem letzten Kriege bemächtigt hat." Liest und hört man dergleichen Wunderlichkeiten in Ungarn tagtäglich, so fühlt man sich unwillkürlich versucht, nachzuforschen, was für Geisteskinder diese Magyaren eigentlich sind, und das führt dann von selbst in Natur und Geschichte der verschiedenen Völkerschaften Ungarns hinein.

Ohnehin sind wir Deutschen jetzt - wo Franzosen und Jesuiten in aller Welt gegen uns hetzen - genöthigt, all die Völker rings am Rande unseres Gebiets näher zu studiren, und ihre Instinkte und Machtstellung uns klar zu legen. Ungarn aber, dessen innere Zustände in Deutschland noch sehr wenig bekannt sind, liegt vor unsern Thoren, ist unser uraltes Kultur- und Handelsgebiet, und sein Hauptvolk jetzt von eigenthümlicher Bedeutung für Oesterreichs Politik. Insbesondere aber handelt es sich darum, ob dort nahezu zwei Millionen unseres eigenen Volksstammes, die auf nicht unwichtigen Aussenposten stehen, in ihrer deutschen Sprache und Bildung von Magyaren sollen unter die Füsse getreten werden?

Nur gegen solche ungerechte und gewaltsame Magyarisirung, die verderblich an Ungarns Kräften zehrt und schwer seine Zukunft schädigt, kämpfe ich. Im Uebrigen wird jeder redliche Magyar sagen müssen, dass Niemand das Edle und Tüchtige in seinem Volke freudiger anerkennt, und kein Fremder wärmer für Ungarns Heil und Aufschwung sich interessiren kann, als der Verfasser dieses Buches.

München, im September 1873.
Franz v. Löher.


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