CÍMLAP
|
INHALT, VORWORT |
Inhalt
Vorwort
Skizze der ungarischen Geschichte
Ungarn im Krieg und während der Revolutionen
Der Boden
Das Volk
Die Bevölkerungsbewegung
Bevölkerungs- und Sozialpolitik
Besitzverhältnisse und Agrarreform
Landwirtschaftliche Produktion
Bergbau
Gewerbe
Handel
Verkehrswesen
Das Kapital
Die Staatsfinanzen
Kirche und Schule
Ungarische Kunst und Wissenchaft
Die Beamten- und Arbeiterfrage
Die neue Nationalitätenfrage
Die Politik und das Wirtschaftsprogramm Rumpfungarns
Anhang
Vorwort
Selbst in den blühenden Jahren des Friedens und der Arbeit war die
eigentliche Lage Ungarns dem westlichen Ausland wenig bekannt. Dies ist
vielleicht auch mit ein Grund dafür, dass man die Rolle Ungarns im
Weltkriege nicht verstand und dass dieses Land, trotzdem es vor dem
Friedenstribunal nicht als Hauptangeklagter fungierte, dennoch die
schwerste Strafe zu erleiden hatte.
Der Friede ist in Kraft getreten, bevor er noch tatsächlich abgeschlossen
war und im Innern Europas ist mit Rumpfungarn eine neue Staatseinheit
entstanden, die kaum ein Drittel des seit 1000 Jahren innegehabten Gebietes
des Landes umfasst.
Bei Gelegenheit der Ratifizierung des Friedensvertrages wurden über dieses
verstümmelte Land einige Worte der Sympathie laut, so dass es vielleicht
noch Leute gibt, die Ungarn ob seines Schicksals bedauern, bei denen das
Wohlwollen jedoch mangels näherer Kenntnisse kaum tiefer Wurzel fassen
dürfte.
Die Kenntnis der Einzelheiten... Dies fehlt gegenwärtig für jeden einzelnen
Staat Europas, dessen Grenzen durch die Friedensverträge abgeändert wurden.
Die Geographiebücher müssen neu geschrieben, die Statistiken richtiggestellt
werden, damit der Politiker, der Kaufmann, der Industrielle die Werte der
alten Welt, wenn sie überhaupt noch bestehen, aufzusuchen wisse.
Eine solche Neuorientierung für Ungarn bietet das vorliegende Buch. Man
findet darin eine objektive, auf wissenschaftlichen Angaben aufgebaute
Schilderung der durch den Frieden geschaffenen neuen Lage.
Wenn diese Arbeit auch für die übrigen Staaten geleistet sein wird, werden
die Heilmänner Europas die Krankheiten der alten Welt mit grösserer
Sicherheit festzustellen vermögen.
In die objektive Darstellung möchte ich aber wenigstens an dieser Stelle
einen subjektiven Ton miteinströmen lassen.
Amerikaner, die Ihr vor siebzig Jahren Euch an den Reden des Ungarn
Kossuth begeistert, den Verbannten des ungarischen Freiheitskampfes eine
Zufluchtstätte geboten und später Hunderttausende unserer Auswanderer
aufgenommen habet,
Engländer, deren Magna Charta fast gleichzeitig ist mit dem ungarischen
Freiheitsbrief und die Ihr das unterjochte Ungartum 1849 vor der russischen
Gefahr zu bewahren suchtet,
Franzosen, die Ihr vor zweihundert Jahren Halb-Ungarn an der Seite
Rákóczi's in der Reihe Eurer Verbündeten kämpfen gesehen,
Italiener, die Ihr zahllose Ungarn für die Idee der Italia Unità
den Fahnen Garibaldi's zuströmen sähet,
Deutsche, an die uns ausser der Nachbarschaft so viele historische
Beziehungen knüpfen,
Holländer, deren Heldensohn, Admiral Ruyter, die ungarischen Geistlichen
von den Galeeren befreite,
Schweden, deren grosser König Gustav Adolf sowohl in kultureller Beziehung,
wie auch mit dem Schwerte der Verbündete des Ungarn Gabriel Bethlen war,
Polen, deren Geschichte Könige aus ungarischen Familien rühmend
verherrlicht,
Finnen, Ihr einziges Brudervolk, die Ihr jetzt im Aufstieg begriffen seid,
und Ihr übrigen Nationen Europas, die Ihr in Glück oder Unglück mit dem
Ungartum jemals in Berührung geraten seid, Ihr werdet auf diesen Seiten
das bedauernswerte Schicksal eines trotz des wechselvollsten Ungemaches
ernsten und arbeitsamen Volkes kennen lernen.
Ein solches Erkennen vermag Missverständnis und Zweifel zu lösen und dürfte
auch die Bestrebungen unseres mit zahlreichen Zukunftssorgen kämpfenden
kleinen Landes fördern.
Ladislaus von Buday,
Mitglied der Ung. Akademie der Wissenschaften,
Professor der Statistik an der Technischen Hochschule zu Budapest,
gew. Direktor des Ung. Statistischen Zentralamtes.