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CÍMLAP
Magyar László
Reisen in Süd-Afrika in den Jahren 1849 bis 1857 von Ladislaus Magyar

INHALT, EINLEITUNG



Inhalt

Einleitung.
I. Hauptstück. Aufenthalt in Benguela.
II. Hauptstück. Abreise nach Inner-Afrika.
III. Hauptstück. Reise durch das Land Kiakka.
IV. Hauptstück. Reise durch Hambo.
V. Hauptstück. Ankunft in Bíhé.
VI. Hauptstück. Ansiedelung in Bihé.
VII. Hauptstück. Die Kimbunda Nation und ihre Gebräuche.
VIII. Hauptstück. Fortsetzung des vorigen Abschnittes.
IX. Hauptstück. Spezielle Beschreibung der Kimbunda-Länder

Anhang.
I) Allgemeine Bemerkungen 'zur statistisch-topographischen Beschreibung der Kirnbunda-Länder und zu der dein Werke beigegebenen Karte
II) Die Bodengestaltung und die Fluss-Systeme der Kirnbunda-Länder
III) Bemerkungen über die Schiffbarkeit der Flüsse und über die mögliche Zivilisirung der Völker in den Kimbunda-Ländern
IV) Die Sprache der Kimbunda
V) Vorbereitungen zur Reise in die Binnenländer



Einleitung

Nachdem die Flotte der Argentinischen Union, in welcher ich als Lieutenant diente, im Kriege gegen die Republik Banda Oriental d' Uruguay, mit Hilfe auswärtiger Mächte, in den Gewässern des La-Plata Stromes vernichtet worden war, und die Angelegenheiten des von wüthenden Faktionen bis in seine Grundfesten erschütterten und von fortwährenden Revolutionen durchwühlten Landes sich immermehr verschlimmerten: so konnte ich mir für einen längern Aufenthalt daselbst nichts Gutes, für die Zukunft keinen Ruhm und Vortheil versprechen, deshalb entsagte ich meiner Stelle und begab mich nach Brasilien. Hier verweilte ich beinahe ein ganzes Jahr, ohne einen bestimmten Zweck zu haben; endlich erwachte in mir wieder der Trieb zum Handeln, und ich begab mich an die Westküste von Afrika. Hier beschäftigte ich mich zwei Jahre lang mit der Seefahrt längs der Küste; während dieser Zeit sammelte ich mir einige Kenntnisse über die Lage, über die physischen Verhältnisse und Völkerschaften der Küstenstriche. Aber das ungünstige Klima untergrub so sehr meine Gesundheit, dass ich sie nur unter einem ändern Himmelsstriche herzustellen hoffen konnte; deshalb segelte ich 14 Grade weiter nach Süden, und am 9. Dezember 1848 landete ich in der Bucht von Benguela.

In Folge der grossen Gastfreundschaft, womit hier die Fremden im Allgemeinen empfangen werden, wurde ich bald mit den vornehmern Bewohnern der Stadt bekannt, und zwar um so schneller und leichter, weil ich mit der Sprache und den Sitten der Portugiesen vertraut war. Ich konnte mir also binnen Kurzem genügende Kenntnisse von den Lokalverhältnissen verschaffen; in den geselligen Kreisen, wo man mit Offenherzigkeit die Ereignisse zu besprechen pflegt, hatte ich hinlängliche Gelegenheit zu erfahren, dass die Bewohner des Landes Bihé in Inner-Afrika, wenngleich unabhängige Heiden, dennoch in Folge ihres sehr ausgedehnten Verkehres mit den im Innern wohnenden Völkerschaften, gewissermaassen Kosmopoliten geworden seien, und den Fremdling leicht in ihren Schooss aufnehmen.

Von einer natürlichen Neigung angeregt hatte ich schon längst den Wunsch gehegt, Inner-Afrika zu durchforschen; aber der Gedanke, dass die Ausführung dieses Zweckes grosse Kosten und Opfer heische, die meine Kräfte weit übersteigen, hatte mir wenig Hoffnung gelassen, diesen Wunsch je befriedigen zu können. Nun aber hörte ich von erfahrenen Männern, dass ich in Gesellschaft der in regelmässigen Zeitabständen von Bihé nach Benguela und zurück reisenden Karavanen in jenes Land nicht nur mit ziemlicher Sicherheit, sondern auch mit mässigen, mein Vermögen nicht übersteigenden Kosten gelangen könnte, und dass ich dann in Bihé mit den Waaren, die ich etwa mitbrächte, einen einträglichen Tauschhandel treiben und auf diese Weise mir leicht die notwendigen Kosten zur Weiterreise verschaffen könnte, um in Begleitung der weiter in's Innere reisenden Karavanen auch die fernem Länder zu bereisen. Dies Alles war mir ganz recht, und ich überzeugte mich, dass kein materielles Hinderniss die Ausführung meiner Absicht vereiteln würde; nun traten mir aber andere Bedenken in den Weg und verzögerten meinen Entschluss.

Was kann ich mit einem solchen Opfer der gebildeten Welt nützen? Mir gebricht es an den erforderlichen Kenntnissen und der wissenschaftlichen Befähigung, um das Wahrgenommene, und besonders die naturhistorischen Gegenstände wissenschaftlich und genau schildern zu können, und so mag es leicht kommen, dass alle meine Bemühungen fruchtlos bleiben. Doch andererseits dachte ich wieder: auch der löbliche Vorsatz, etwas Nützliches zu leisten, wird bei meinen Lesern Theilnahme und Würdigung finden, und die treue Aufzeichnung der geographischen Erfahrungen dürfte den erwähnten Mangel einigermaassen ersetzen; und endlich wie mangelhaft und von welch geringem Werthe auch mein Reisewerk werden möge, so wird es doch nicht gänzlich ohne Nutzen sein; es wird dennoch die Länder- und Völkerkunde einigermaassen befördern. Der Gedanke an die Gefahren, denen ich mich während der Reise aussetzen werde, konnte auf meinen Entschluss keinen entscheidenden Einfluss ausüben; ich hatte schon oft und lange mein Leben für einen geringen Vortheil, oder für einen vergänglichen Ruhm in die Schanze geschlagen, sollte ich dies nicht um so mehr eines so edlen Zweckes halber thun dürfen? Ich fasste also den Entschluss, die erste Gelegenheit zu benutzen, in's Innere, nach Bihé zu reisen. Dort wollte ich mich ansiedeln und zuvörderst mit den unter den Negern vorzüglich herrschenden Sprachen und ihren Sitten vertraut machen, um alsdann zur Ausführung meiner weitern Pläne zu schreiten. - Auf diese Weise habe ich nun meinen alten Wunsch in viel grösserm Maasse befriedigt, als ich selbst hoffen durfte.

Während meines neunjährigen Aufenthaltes in Afrika war ich beinahe fortwährend auf Reisen; theils begleitete ich auf ihren Reisen die regelmässigen Karavanen, theils zog ich einher mit den weithin herumschweifenden Elephantenjägern, oder mit meinen zahlreichen Dienern. So habe ich Süd-Afrika in verschiedenen Richtungen bereist, und mich in verschiedenen Gegenden des Innern eine längere Zeit aufgehalten. Die von mir bereisten und erforschten Länder erstrecken sich zwischen dem 3. und 20. Grad S. B. und zwischen dem 12. und 27. Grad Oe. L. (von Greenwich). Es ist wahr, ich habe meine Reisen mit mehr materiellem als geistigem Vortheil gemacht; denn wegen meinen geringen Kenntnissen bin ich nicht im Stande, die wahrgenommenen Gegenstände wissenschaftlich zu beschreiben. Ich konnte auch von den beobachteten Natur-Objekten keine grössere Sammlung zu Stande bringen; doch von der Last des Vorwurfes, der mich deshalb treffen könnte, dürfte mich schon der Umstand befreien, dass ich durchaus keine Mittel hatte, eine solche Sammlung durch die ausgedehnten Wüsteneien weiter zu schaffen.

Ich habe kein auf Süd-Afrika bezügliches Reisewerk bei der Hand; deshalb bestrebte ich mich nur meine eigenen Erlebnisse und Beobachtungen in schlichter und treuer Weise zu schildern, so wie ich es vermochte. Auf meinen Wanderungen habe ich mit besonderer Sorgfalt getrachtet, die wahren Benennungen und die geographische Lage der verschiedenen Länder, sowie auch die politischen und statistischen Verhältnisse, die ethnographische Vertheilung, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Völker zu erforschen, und dies konnte ich um so leichter thun, weil ich die Sprache der Eingebornen verstehe. Eine grosse Sorgfalt verwendete ich ferner auf die hydrographischen Verhältnisse, und bestrebte mich die Quellen, den Lauf und die Mündungen der Flüsse ihrer Lage nach zu bestimmen, und dieses, so wie auch andere erwähnenswerthe Eigenschaften derselben aufzuzeichnen. Von Zeit zu Zeit machte ich auch meteorologische Beobachtungen. Endlich theile ich noch einige Proben mit, welche als Beiträge zur Kenntniss der verschiedenen afrikanischen Idiome dienen können. Alle meine Mittheilungen schöpfe ich theils aus den eigenen Erfahrungen, theils aus den Berichten der Eingebornen.

Das Werk ist in drei Theile getheilt: der erste Theil enthält nebst dem Tagebuche meiner Reise nach Bihé die physische, politische und sozielle Beschreibung der verschiedenen Kimbunda Länder, welche zwischen dem 8. und 15. Grad S.B. und zwischen dem 11. und 19. Grad Oe. L. liegen; der zweite Theil behandelt die verschiedenen Mun-ganguella Länder zwischen dem 3. und 11. Grad S. B. und zwischen; dem 19. und 27. Grad Oe. L.; endlich der dritte Theil behandelt die Mombuella-Länder, welche sich zwischen den erwähnten Längegraden bis jenseits des 20. Grades S. B. erstrecken.

Oft hatte ich Gelegenheit mich zu überzeugen, dass die vorhandenen Karten von Süd-Afrika sehr mangelhaft seien; die Namen und die geographische Lage der Länder fehlen entweder ganz, oder sind falsch angegeben; so sind auch die Flüsse entweder noch ganz, oder doch dein grössten Theil ihres Laufes nach unbekannt. Zur Beseitigung dieser Mängel und Fehler, und zugleich zur Orientirung für den Leser schliesse ich jedem Bande meines Werkes eine, wie ich hoffe, vollständigere und richtigere Karte bei, worin die in dem Bande beschriebenen Länder dargestellt sind.

Der Verfasser.


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