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Die weltliche und kirchliche Elite aus dem Königreich Böhmen und Königreich Ungarn am Wiener Kaiserhof im 16.-17. Jahrhundert

INHALT, VORWORT


Inhalt


Vorwort

I. STÄNDE, HOF, KIRCHE, VERWALTUNG, DIPLOMATIE, PROPAGANDA: ASPEKTE ZWISCHEN DEM WIENER HOF UND DEM ADEL
Václav Bůžek, Wege des Adels aus den böhmischen Ländern zu den habsburgischen Höfen im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts
Géza Pálffy, Der Adel aus den ungarischen Ländern am Kaiserhof 1526-1612
Péter Tusor, Bericht der päpstlichen Diplomatie über den Wiener Hof (Herbst 1621)
István Fazekas, Die Ungarische Hofkanzlei und der habsburgische Hof (1527-1690)
Frederik Federmayer, Laurentius Ferencffy, der Sekretär der Ungarischen Hofkanzlei und seine Familie
Teréz Oborni, Gabriel Bethlen und der Tyrnauer Vertrag
Nóra G. Etényi, Die Öffentlichkeitspolitik des kaiserlichen Hofes bei der Krönung Josephs I. zum König von Ungarn

II. ADLIGE HOFHALTUNG IN UNGARN UND BÖHMEN
András Koltai, Hof und Hofordnung im Ungarn des 17. Jahrhunderts
Diana Duchoňová, "Nur damit wir in unserem Ansehen und Werten nicht nachlassen..." Die Hofordnung als Disziplinierungsmittel an den Höfen der ungarischen Aristokraten im 17. Jahrhundert
Jiří Kubeš, Die Dienerschaft der Aristokraten in den böhmischen Ländern in den Jahren 1550-1750

III. UNTERSCHIEDLICHE WEGE AUF DEN WIENER KAISERHOF
András Koltai, Dienste, Damen, Karriere. Die Familie Batthyány und der Wiener Kaiserhof im 16. und 17. Jahrhundert
Rostislav Smíšek, Die Dietrichsteiner und der Kaiserhof an der Schwelle der Neuzeit
Václav Bůžek, Handlungsspielräume des Oberkammerdieners Philipp Lang von Langenfels am Kaiserhof zu Beginn des 17. Jahrhunderts
Anna Fundárková, "Nicht weniger hat auch Palffy vermeldet, was er für sein Person seze, und was er habe, daß habe er zuvorderist von Gott, hernacher von Euer Mayestät und durch mein befürderung" Die Pálffy und der Habsburger Hof im 16.-17. Jahrhundert
Katalin Toma, Graf Franz III. Nádasdy und der Wiener Hof
Rostislav Smíšek, Die Schwarzenberger und ihr Weg an den Kaiserhof im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts
András Péter Szabó, Die Beziehungen der Siebenbürger Familie Haller zu Wien und zu den Mitgliedern der Familie Habsburg in der Frühen Neuzeit

Abbildungen
Literatur
Register
Mitarbeiterverzeichnis



Vorwort

Der Wiener Kaiserhof, seine Struktur und personelle Besetzung steht erst seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Interesses der Geschichtsschreibung. Die Historiker untersuchten verschiedene Aspekte der Rolle der Zeremonien im Leben des Wiener Hofes, der Entwicklung der Regierungs- und Verwaltungsbehörden, der Zusammensetzung des Hofstaates, der Karrieremöglichkeiten der Adligen und der Patronage. Der Kaiserhof erfüllte gleichzeitig eine wesentliche Aufgabe in der Entfaltung der Kunst und Kultur. Der Hof der Kaiser aus dem Hause Habsburg symbolisierte bereits seit der Thronbesteigung durch Maximilian I. in den Augen der adeligen Personen aus den österreichischen Ländern ein soziales, kulturelles und machtpolitisches Zentrum, auf das sie ihre Aufmerksamkeit richteten. Der vorliegende Band leistet einen Beitrag zu den bisherigen Untersuchungen, in dem es die Integration der Länder der böhmischen und ungarischen Krone an den Wiener Kaiserhof im 16.-17. Jahrhundert in verschiedenen Zusammenhängen vorstellt.

Das Jahr 1526 brachte einen einschneidenden Wendepunkt sowohl in der Geschichte des Böhmischen als auch des Ungarischen Königreiches: eine neue Herrscherdynastie, die Habsburger, bestiegen den Thron dieser Länder. Wien, das neue Machtzentrum der entstehenden Habsburger Monarchie befand sich außerhalb des Territoriums der beiden Länder. Dies stellte die böhmische und ungarische politische Elite vor neue Herausforderungen, die Václav Bůžek und Géza Pálffy in ihren Beiträgen ausführlich präsentieren. Anfängliche Schwierigkeiten für die Integrationsbestrebungen der Aristokraten aus den beiden Ländern bereiteten unter anderem die geographische Entfernung vom Kaiserhof und die kulturellen Unterschiede. In Ungarn wurde die Situation auch durch das Doppelkönigtum und die ständige Bedrohung der Osmanen erschwert. Auch in der späteren Entwicklung bedeutete die anhaltende militärische Lage entlang der ungarisch-osmanischen Grenze ein schwer überwindbares Hindernis für die Durchsetzung der Mitglieder der ungarischen politischen Elite am Wiener Kaiserhof. Die böhmische Elite musste sich nicht mit solchen Problemen auseinandersetzen, trotzdem zeigen die prozentuellen Angaben (vgl. der Beitrag von Václav Bůžek), dass der zahlenmäßige Anteil der böhmischen Aristokraten am Hof der Habsburger bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nicht wesentlich höher war, als der der ungarischen Magnaten. Trotzdem sind alle Angehörigen der Nobilität sowohl aus Ungarn als auch aus Böhmen nicht einheitlich aufgetreten. Ein kleiner Teil der Adeligen wurde sich der zunehmenden Attraktivität des Kaiserhofs bewusst. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts strebten immer mehr vornehme Personen danach, in seine Strukturen vorzudringen. Die Stadt an der Donau wurde also zu einem Ort, dem die vornehmste Schicht der frühneuzeitlichen Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit widmete.

Eine besondere Gruppe innerhalb der Habsburger Monarchie bildete die kirchliche Elite, die eine Position zwischen dem Herrscher und den Ständen einnahm. Die Habsburger verständigten sich oft besser mit der kirchlichen Führungsschicht in ihren Ländern, als mit den Vertretern der ständischen Politik. Die Kirchenmänner spielten im 16. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der Zentralverwaltung. Sie bekleideten wichtige Führungspositionen in den Kanzleien und in der Finanzverwaltung. Im 17. Jahrhundert gerieten sie schließlich allmählich in den Hintergrund, wobei die Ungarische Hofkanzlei in dieser Hinsicht eine Ausnahme bildete, weil sie bis 1732 von Klerikern geleitet wurde. Die Quellenedition von Péter Tusor ist ein Desiderat darüber, welch eine wesentliche Rolle die hohen Geistlichen am Hof von Ferdinand II. spielten und zeigt anschaulich die einflussreiche Position der Beichtväter in der Umgebung des Herrschers. Der Bericht des Nuntius Carafa legt ein Zeugnis darüber dar, dass die ungarischen hohen Geistlichen, die vor Gabriel Bethlen geflohen sind, unter der Führung von Peter Pázmány sich aktiv am Hofleben beteiligten.

Die wenigsten Aristokraten konnten sich die ständige Präsenz am Wiener Kaiserhof erlauben. Aus diesem Grund brauchten sie indirekte Verbindungsmöglichkeiten zum Herrscher und zu den zentralen Regierungskreisen. Die verschiedenen Kanzleien, die sich ständig in der Nähe des Herrschers befanden, boten eine solche Gelegenheit für die Elite. In diesem Band stellt István Fazekas die Tätigkeit der Ungarischen Hofkanzlei vor, die diese Vermittlungsfunktion vertrat. Einerseits waren die Hofkanzler ein wichtiger "Mediator" zwischen dem Herrscher und den Ständen, indem sie den Willen des Herrschers in schriftlicher Form an die ungarischen Adligen mitteilten. Andererseits waren die Hofkanzler ein Teil des Ständewesens und aus diesem Grund repräsentierten sie auch die ständischen Vorstellungen vor dem Herrscher. Es existierte aber auch eine andere Ebene dieser Beziehungen, und das war die Interessenvertretung: Die niedrigeren Beamten der ungarischen Hofkanzlei fungierten als nicht offizielle Sollicitatoren der ungarischen Magnaten und freien königlichen Städte. Sie erledigten einerseits Donationen, Privilegien, Bittschriften und gleichzeitig erledigten sie auch ganz herkömmliche Aufgaben für ihre Auftraggeber, wie z. B. Einkäufe oder das Reparieren von verschiedenen Gegenständen.

Laurentius Ferencffy war einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der frühneuzeitlichen Geschichte der Ungarischen Hofkanzlei. Frederik Federmayer erläutert in seinem Beitrag den familiären Hintergrund dieses Beamten, wobei er bei seinen genealogischen Untersuchungen den Weg der Familie aus Kroatien in das Komitat Pressburg und bis hin nach Wien vor Augen führt.

Auf besondere Kapitel der Geschichte der Beziehungen zwischen dem Wiener Kaiserhof und den ungarischen Adligen machen die nächsten zwei Studien aufmerksam. Teréz Oborni bietet eine präzise Analyse der ungarischen Ständepolitik am Beispiel der Ausgleichspolitik des siebenbürgischen Fürsten Gabriel Bethlen zwischen Weißenburg und Wien. Nóra G. Etényi zeigt, welche Rolle die Krönung Josephs I. zum ungarischen König in der habsburgischen Propaganda spielte und wie sich das Königreich Ungarn in der Wahrnehmung der Herrscherdynastie nach den Rückeroberungskriegen veränderte.

Um die Schranken und Rahmenbedingungen der Integration der Adligen aus Böhmen und Ungarn besser vor Augen führen zu können, ist es notwendig, die Umgebung und den Lebensstil der Elite aus den beiden Ländern darzustellen. András Koltai führt eine allgemeine Charakteristik des ungarischen Magnatenhofes vor, wobei er auch die Besonderheiten ihrer Entwicklung unter heimischen Bedingungen vor Augen führt. Die bereits oben dargestellten ständigen Kriegszustände brachten eine Remilitarisierung der ungarischen Gesellschaft mit sich, was sich auch auf die Funktionen des hochadeligen Hofes auswirkte. Im Unterschied zu der westeuropäischen Entwicklung der Höfe, hielten die ungarischen Aristokraten bis Ende des 17. Jahrhunderts zahlenmäßig stärkere Privatarmeen. Die klaren Umrisse, die Koltai in seiner Studie schildert, illustriert die Fallstudie von Diana Duchoňová über die Problematik der Disziplinierung und des Alltagslebens in den ungarischen Höfen. Der Beitrag von Jiří Kubeš stellt die von der ungarischen differente böhmische Entwicklung dar, in dem er darauf hinweist, dass die böhmischen Höfe im 16.-17. Jahrhunderts ihre militärische Funktion verloren. Wichtig ist auch, dass er auf die terminologische Problematik der Bezeichnung der adligen Höfe in den böhmischen Ländern hinweist.

Das letzte, umfangreiche Kapitel bringt Fallstudien von böhmischen und ungarischen Aristokraten: Ihre Beziehungen zu den Herrschern und den Mitgliedern der Hofaristokratie, ihre individuellen Karrierestrategien, ihre persönlichen Lebensschicksale, ihre Selbstwahrnehmung und ihre Selbstverständnis.

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István Fazekas, Anna Fundárková


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